Ölmarkt im Wandel: BP erwartet höheren Bedarf bis 2030
Die neue Prognose des britischen Ölmultis BP deutet auf unerwartete Entwicklungen im globalen Energiemarkt hin. Laut dem jüngsten Energy Outlook, einer jährlich erscheinenden Analyse der künftigen Energietrends bis 2050, rechnet BP nun mit einem Anstieg der weltweiten Ölnachfrage bis 2030. Dies ist eine bedeutende Veränderung im Vergleich zur letztjährigen Prognose, die den Höhepunkt der Nachfrage bereits für 2025 voraussah. Grund für diesen Perspektivwechsel ist das schleppende Voranschreiten bei der Steigerung der Energieeffizienz.
BP präsentiert zwei Szenarien: Im 'Current Trajectory'-Szenario, das von derzeitigen politischen Rahmenbedingungen und Zusagen ausgeht, wird ein Anstieg auf 103,4 Millionen Barrel pro Tag bis 2030 erwartet, bevor die Nachfrage bis 2050 auf 83 Millionen Barrel sinkt. Das ambitionierte 'Below 2-Degrees'-Szenario prognostiziert einen Nachfragehöhepunkt in diesem Jahr bei 102,2 Millionen Barrel täglich, gefolgt von einem drastischen Rückgang bis auf 33,8 Millionen Barrel pro Tag zum Jahr 2050.
Die Betrachtungen hinsichtlich der Kohlendioxidemissionen zeigen ebenfalls interessante Tendenzen. Während die Emissionen im 'Current Trajectory'-Szenario bis 2030 weitgehend stabil bleiben, könnte bis 2050 ein Rückgang um etwa 25% eintreten. Das 'Below 2-Degrees'-Szenario lässt hingegen einen 90%igen Rückgang der Emissionen erwarten, insbesondere durch beschleunigte Dekarbonisierungsmaßnahmen in Schwellenländern.
Der globale Bedarf an Erdgas dürfte gemäß BP im 'Current Trajectory' bis 2040 auf ungefähr 4.800 Milliarden Kubikmeter steigen, angetrieben durch die Nachfrage aus China, Indien und anderen asiatischen sowie nahöstlichen Ländern. Ab dann bleibt das Niveau voraussichtlich konstant. Interessanterweise prognostiziert BP einen starken Anstieg bei den Exporten von verflüssigtem Erdgas (LNG) bis 2035 auf etwa 900 Milliarden Kubikmeter, überwiegend gespeist durch die USA und den Mittleren Osten. Dies steht im Vergleich zur Schätzung des Rivalen Shell, die die LNG-Nachfrage 2040 zwischen 860 und 980 Milliarden Kubikmetern sieht. Im Stromsektor wird bis 2050 eine Verdopplung der weltweiten Stromnachfrage erwartet, Haupttreiber dieser Entwicklung sind die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs und der wachsende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, wobei Wind und Sonne federführend sind.

