Nukleare Unsicherheiten in der Ukraine verschärfen sich
In der Ukraine wachsen die Sorgen um die Sicherheit der Atomanlagen angesichts anhaltender Konflikte. Die Schutzinfrastruktur um den Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl war vorübergehend durch einen russischen Luftangriff beeinträchtigt, als der Strom ausfiel. Auch der Süden des Landes sieht sich Herausforderungen gegenüber: Das AKW Saporischschja ist seit vergangener Woche von der Stromversorgung abgeschnitten und auf Dieselgeneratoren angewiesen, die laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Treibstoff für etwa zehn Tage bereitstellen können.
Die Ukraine, stark auf Kernenergie angewiesen, betreibt derzeit neun Reaktorblöcke, wobei Saporischschja mit seinen sechs Reaktoren abgeschaltet ist. Der Rückgriff auf Generatoren sorgt für Stabilität, steht jedoch langfristig im Widerspruch zur nuklearen Sicherheit. Unterdessen verzeichnen IAEA-Inspektoren fortwährende Drohnenaktivitäten an den Anlagen, zuletzt am Werk Süd-Ukraine in Mykolajiw.
Ein Zwischenfall im Norden bei Slawutytsch führte zu einem Blackout am sogenannten Sarkophag von Tschernobyl, verursacht durch einen Angriff auf ein Umspannwerk. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte darauf aufmerksam, dass der Angriff gezielt Auswirkungen auf das Gebiet haben könnte. Überdies wurden in der Region Tschernihiw zeitweise Stromsperren eingeführt.
Am AKW Saporischschja bleibt die Situation weiter angespannt. Seit 23. September fällt die letzte Hochspannungsleitung aus, wodurch das Werk ohne externe Stromversorgung bleibt – ein beispielloser Zustand in der Kriegsdauer. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi ist mit Russland und der Ukraine im Dialog, um die Situation zu verbessern. Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung besteht jedoch erst nach Wiederherstellung der Energiezufuhr.
Die Umweltauswirkungen sind ebenfalls ein Thema: Greenpeace macht russische Sabotage für die Ausfälle an der Hochspannungsleitung verantwortlich. Möglicherweise, so die Organisation, soll Saporischschja ans russische Netz hinzugefügt werden.

