Nordsee-Gipfel: Weichenstellung für Europas Energiewende
Deutschland und die Nordsee-Anrainerstaaten beschleunigen den Ausbau von Windenergie-Anlagen vor den Küsten. Beim Nordsee-Gipfel in Hamburg haben sich Energieminister, Windindustrie und Netzbetreiber auf einen Investitionspakt verständigt, der die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessern und die Kosten senken soll. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vernetzung von Windparks über Ländergrenzen hinweg, um bis 100 Gigawatt Erzeugungsleistung zu erreichen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU sprach von der Entwicklung des größten Energie-Hubs der Welt.
Bundeskanzler Friedrich Merz unterstrich die Bedeutung von Sicherheitsfragen bei diesem Treffen, während Schnee und Glatteis den Gipfelablauf beeinträchtigten. Einige Treffen, darunter eines an Bord der "Neuwerk", mussten wetterbedingt abgesagt werden.
Die einvernehmliche Investitionsvereinbarung sichert der Industrie Ausschreibungen über 2030 hinaus zu und verspricht Planungssicherheit. Im Gegenzug sollen die Gesamtkosten bis 2040 um 30 Prozent sinken. Zudem sind Investitionen in Höhe von 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten bis 2030 geplant, mit der Aussicht auf 91.000 neue Arbeitsplätze. Reiche betonte die Bedeutung der Offshore-Energie für bezahlbare, saubere und sichere Energie in Europa.
Letztes Jahr deckten Offshore-Windparks rund 5 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Der Anteil könnte bis 2045 auf etwa 20 Prozent steigen. Das Ziel ist es, die Nordsee bis 2050 zu einem grünen Kraftwerk Europas mit einer Kapazität von bis zu 300 Gigawatt auszubauen.
Auch Sicherheitsaspekte sind von Bedeutung. Angriffe auf kritische Infrastruktur wie Stromnetze oder Pipelines nehmen zu. Die NATO ist daher erstmals hochrangig beim Gipfel vertreten.
Interessanterweise fordert Merz, obwohl er sich zuvor kritisch zur Ästhetik von Windrädern äußerte, die Nordsee zum größten Reservoir für saubere Energie auszubauen. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD enthält bereits entsprechende Ausbaumaßnahmen.
Umweltverbände mahnen, der Ausbau der Windkraft dürfe nicht zu Lasten der Natur gehen. Die ökologischen Auswirkungen könnten unkontrollierbar werden, warnt der Nabu-Experte Kim Detloff.
Staaten wie Irland, Island und das küstenlose Luxemburg nehmen am Gipfel teil. Der französische Präsident Macron und der britische Premierminister Starmer konnten aus Termingründen nicht teilnehmen.

