Vatikan

Neuer Papst Leo – der Beginn einer Ära?

09. Mai 2025, 16:51 Uhr · Quelle: dpa
Der neue Papst Leo XIV. könnte die katholische Kirche viele Jahre prägen. Zu Beginn schauen jedoch alle darauf, wie er sich zu zwei Männern verhält: zu Vorgänger Franziskus und zu US-Präsident Trump.

Rom (dpa) - Sie haben jetzt schon das Rechnen begonnen in Rom. Italiens wichtigster Fernsehsender, die Rai, hat bereits ein neues Zeitalter ausgerufen: die «Ära Leo XIV.». Der neue Papst, der erste aus den USA, bislang bekannt als Kardinal Robert Francis Prevost, ist für Vatikan-Verhältnisse ja noch recht jung: 69. 

Wenn man sich – wie der Amerikaner selbst – am letzten Papst orientiert, der den Namen Leo trug, könnte die Amtszeit bis ins Jahr 2050 dauern. Das Pontifikat von Leo XIII. (1810-1903), in die Geschichte eingegangen als «Arbeiterpapst», dauerte ein Vierteljahrhundert. Als der Italiener ins Amt kam, war er fast genauso alt wie Prevost jetzt. Aber so weit sind wir natürlich noch lange nicht.

Auf die ersten Schritte wird nun sehr geachtet

Für das neue Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken ging die Arbeit am Freitag erst los: in der Sixtinischen Kapelle, wo die Kardinäle unter 80 Jahren den Mann aus ihrer Mitte in einem der kürzesten Konklaven der Kirchengeschichte zum Nachfolger von Franziskus bestimmt hatten. Nach nicht einmal 24 Stunden und vier Wahlgängen war das Treffen vorbei. Nun feierten die Kirchenoberen dort noch einmal eine gemeinsame Messe, geleitet von dem neuen Mann in päpstlichem Weiß.

Natürlich wird jetzt auf jeden seiner ersten Schritte geachtet: Wie tritt der Neue auf? Allüberall ist zu lesen, dass Leo XIV. – man muss sich an den Namen erst gewöhnen – den Kurs seines Vorgängers fortsetzen werde. Wieder jemand aus Amerika, wenn auch nicht aus Argentinien, sondern aus den USA. Wieder ein Ordensbruder, wenn auch nicht von den Jesuiten, sondern von den Augustinern. Und wieder jemand, dessen besonderes Interesse den Menschen an den Rändern der Welt und der Gesellschaft gilt.

Ein «Papst der zwei Welten»

Geboren in Chicago, aber längst weg aus den USA. Studium in Rom, viele Jahre als Missionar und Bischof in Peru, zuletzt als Leiter der Vatikan-Behörde für alle Bischöfe weltweit eine Art Personalchef der katholischen Kirche. Ein Weltbürger. Oder, wie die Zeitung «La Stampa» ihn nennt, ein «Papst der zwei Welten». Das hätte sicherlich auch Franziskus gefallen.

Aber es sind auch schon Unterschiede erkennbar. Gleich beim ersten Auftritt auf dem Balkon des Petersdoms vollzog der neue Pontifex einen Bruch. Nicht, weil er nach dem bisherigen alten, gesundheitlich angeschlagenen und sichtlich leidenden Papst so viel jünger wirkt. Sondern weil Leo XIV. anders als der Vorgänger, der sich 2013 bescheiden in schlichtem Weiß präsentierte, standesgemäß mit rotem Schulterumhang und Stola aus Goldbrokat kam. 

«Kein Abziehbild von Franziskus»

Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf meint dazu: «Er wollte offenbar damit deutlich machen: Ich bin kein Abziehbild von Franziskus.» Nach einem Abendessen mit den anderen Kardinälen machte das neue Kirchenoberhaupt dann einen Abstecher zum Palazzo del Sant'Uffizio, wo er bislang wohnt. Er ließ sich in einem dunklen Elektro-SUV von VW fahren, nicht wie Franziskus, der im kleinen weißen Fiat 500 unterwegs war. Das Kennzeichen war gleich: SCV 1. SCV steht für Stato della Città Vaticano. Die 1 ist der Papst.

Der Papst mit drei Staatsbürgerschaften – sein Geburtsland USA, die zwischenzeitliche Heimat Peru und nun als Staatsoberhaupt des Vatikans – musste vor seiner alten Unterkunft auch schon erste Autogramme geben. Gelächter als er sich bei einem Mädchen nach dem Tag erkundigte, als habe er das Datum seiner Wahl zum Papst nicht im Kopf. 

In seiner alten Wohnung verbrachte er auch die erste Nacht im neuen Amt. Ob er dort bleiben oder wie früher die Päpste in den Apostolischen Palast umziehen wird, ist noch offen. Die meisten tippen auf Palast. Franziskus hatte sich für eine bescheidenere Bleibe im Vatikan-Gästehaus Santa Marta entschieden. Selbst auf Leos Schuhe wird nun geachtet: Bei der Messe waren sie schwarz, wie beim Vorgänger. Nicht rot wie früher.

Kein Wunschkandidat von Trump

Noch mehr als auf die Übereinstimmungen und Unterschiede zu Franziskus wird jedoch darauf geachtet werden, wie sich der US-Papst zum US-Präsidenten verhält. Donald Trump gehörte am Abend zu den allerersten Gratulanten. Auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social jubelte er über eine «große Ehre», erstmals einen Papst aus den Vereinigten Staaten zu haben. Aber es ist nicht sicher, ob es bei dem Jubel bleibt: Trump wären andere, konservative US-Kardinäle sicherlich sehr viel lieber gewesen als Prevost.

Allen fiel auf, dass Leo XIV. in seiner ersten, auf Italienisch gehaltenen Rede auch ein paar Sätze Spanisch sprach, aber kein einziges Wort Englisch. Damit wollte wohl deutlich machen, wie sehr ihm Lateinamerika – die Weltregion, aus der Millionen Einwanderer stammen, die ohne Aufenthaltserlaubnis in den USA leben – am Herzen liegt. Den Umgang der Trump-Regierung mit solchen Migranten hat er mehrfach kritisiert. Der neue Papst liegt eher auf einer Linie mit einem Ex-Präsidenten aus seiner Geburtsstadt Chicago: Barack Obama.

Kritik an US-Vize JD Vance

Im Februar, noch als Kardinal, stellte sich Prevost auch gegen Trump-Vize JD Vance. Der Neu-Katholik (seit 2019) hatte als «christliches Konzept» ausgegeben, dass «man seine Familie liebt, dann seinen Nächsten, dann seine Gemeinschaft, dann seine Mitbürger, und danach den Rest der Welt». Prevost teilte daraufhin auf der Plattform X einen Meinungsbeitrag: «JD Vance liegt falsch: Jesus fordert uns nicht auf, unsere Liebe zu anderen abzustufen.»

Dass Trump vor Beginn des Konklaves ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstelltes Bild von sich selbst als Papst postete, dürfte dem neuen Pontifex auch nicht gefallen haben. Manche erwarten sogar, dass sich Leo XIV. zu einer Art «Gegenpapst» zum US-Präsidenten entwickeln könnte. Der Benediktiner-Abt Nikodemus Schnabel meint dazu: «Johannes Paul II., der Papst aus Polen, hat den Kommunismus erschüttert. Ein US-Papst kann, glaube ich, ähnlich die USA erschüttern.»

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx - einer der 133, die mitentscheiden durften - hält solche Vergleiche für abwegig. «Meiner Einschätzung nach sind die Vereinigten Staaten keine kommunistische Diktatur. Und sie werden es auch nicht werden.» Was den Umgang von Leo XIV. mit Trump angeht, meinte der Erzbischof von München und Freising einigermaßen diplomatisch: «Er wird als Papst sicherlich nicht provozieren wollen. Kommt darauf an, was der Präsident macht.»

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09.05.2025 · 16:51 Uhr
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