Nestlé in Führungskrise: Neuer Chef soll Kurs stabilisieren
Der renommierte Nahrungsmittelriese Nestlé steckt nach der zweiten Entlassung an der Unternehmensspitze innerhalb eines Jahres in einer heiklen Lage. Der Aktienkurs zeigte an der Schweizer Börse Schwankungen, nachdem der Abgang des umstrittenen Franzosen Laurent Freixe bekannt wurde. Er soll eine geheime Beziehung zu einer ihm unterstellten Managerin unterhalten haben, was gegen die unternehmensinternen ethischen Standards verstößt. Doch nicht nur das, auch Freixes Geschäftszahlen riefen Unmut unter den Investoren hervor. Freixe nahm erst letztes Jahr die Nachfolge des Deutschen Mark Schneider an, welcher gehen musste, da dem Verwaltungsrat Schneiders Wachstumsziele zu zögerlich erschienen. Unter der Führung der beiden sank Nestlés Aktienkurs im Jahr 2024 um beinahe ein Viertel, und auch das Jahr 2025 brachte Freixe eine negative Bilanz ein.
Der Schweizer Philipp Navratil übernimmt nun die Führung und soll mit seiner umfangreichen Erfahrung im Unternehmen Stabilität sichern. Er leitete zuletzt das Kaffeegeschäft Nespresso und gehört seit Januar der Konzernleitung an. Dennoch stellt sich die Investmentbank Jefferies die Frage, warum Nestlé erneut auf einen internen Kandidaten setzte, während eine breitere Suche sowohl intern als auch extern nicht in Betracht gezogen wurde. Der Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke äußerte hingegen Vertrauen in Navratils 'beeindruckende Erfolgsbilanz' und dynamische Persönlichkeit. Das Unternehmen strebt eine Beschleunigung von Wachstum und Effizienz an, ohne den grundsätzlichen strategischen Kurs zu ändern.
Navratils Herausforderung wird es sein, das Unternehmen aus dem derzeitigen Strudel negativer Schlagzeilen zu führen. Der Analyst der Bank Vontobel, Jean-Philippe Bertschy, bezeichnete ihn als außergewöhnlich direkt und zielorientiert. Die Tatsache, dass Navratil vergleichsweise jung ist, könnte jedoch zunächst Verunsicherungen hervorrufen, so Analyst James Edwardes Jones von RBC. Inmitten der Führungsturbulenzen sieht sich Nestlé auch emsigen Personalwechseln gegenüber, inklusive der Berufung von Anna Manz zur neuen Finanzchefin und diversen Regionalchefs. Zudem plant der langjährige Verwaltungsratspräsident Bulcke, im nächsten Jahr nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten, wobei Pablo Isla als Nachfolger vorgesehen ist. Dieser könnte durch seine externe Perspektive als ehemaliger Inditex-CEO einen Neuanfang signalisieren.

