Eskalation im Nahen Osten

Nato fährt Raketenabwehr hoch - folgt der Kriegseintritt?

06. März 2026, 01:10 Uhr · Quelle: dpa
Bundeswehr in Jordanien
Foto: Michael Kappeler/dpa
Könnte Deutschland über Artikel 5 der Nato in den Iran-Krieg verwickelt werden? Theoretisch müssen Bundeswehrsoldaten darauf vorbereitet sein.
Könnte sich der neue Krieg im Nahen Osten auf Europa ausweiten? Und damit vielleicht sogar zum Fall für die Nato werden? Irans Angriffe lassen diese Fragen aufkommen. Antworten sind nicht einfach.

Brüssel (dpa) - Die Nato erhöht wegen des iranischen Raketenbeschusses auf die Türkei die Alarm- und Einsatzbereitschaft ihrer ballistischen Abwehrsysteme. Eine entsprechende Ankündigung machte am Donnerstagabend das militärische Hauptquartier des Bündnisses im belgischen Mons.

Könnte im nächsten Schritt nun auch ein direkter Kriegseintritt der Nato erfolgen? Irans Angriffe auf die Türkei und einen britischen Stützpunkt auf Zypern lassen diese Frage aufkommen. Schließlich besagt Artikel 5 des Bündnisvertrags, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Nato-Mitglied als Angriff gegen alle Mitglieder angesehen wird - und in der Folge soll eigentlich Beistand geleistet werden. Beim Thema Iran ist die Situation allerdings komplex. Fünf Gründe, die gegen eine direkte Nato-Beteiligung sprechen:

Es gibt bei Artikel 5 keinen Automatismus

Die Verpflichtung zum Beistand greift nur, wenn der angegriffene Bündnispartner dies auch will. Bislang haben weder Großbritannien noch die Türkei darum gebeten – und es deutet wenig darauf hin, dass sich das kurzfristig ändert. Grund ist, dass die iranischen Angriffe bislang ein sehr begrenztes Ausmaß hatten und beide Länder die derzeitigen Abwehrkapazitäten für ausreichend halten. Auf der Mittelmeerinsel Zypern hatte in der Nacht zum Montag eine Drohne iranischer Bauart ein Hangar auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri getroffen und nur geringen Schaden angerichtet. Die am Mittwoch aus dem Iran in Richtung Türkei abgefeuerte ballistische Rakete wurde mit einem Luftverteidigungssystem der Nato abgefangen.

Die Konsens-Hürde

Selbst wenn die Türkei und Großbritannien ihre Meinung ändern und um Beistand bitten sollten: Ob dieser dann über Artikel 5 gewährt werden würde, ist nicht hundertprozentig gesetzt. Grund ist, dass die Verpflichtung zum Beistand nach Artikel 5 nach bislang dominierender Auslegung erst dann greifen würde, wenn der Nordatlantikrat als das höchste politische Entscheidungsgremium der Allianz im Konsens den Bündnisfall ausruft. Ob ein solcher Konsens erzielt werden könnte, ist im Fall des aktuellen Nahost-Krieges offen - vor allem, weil die heiße Phase des Konflikts mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann. Alliierte wie Spanien und Frankreich halten die Militäroperationen der beiden Länder für völkerrechtswidrig.

Unterstützung kann es auch ohne Artikel 5 geben

Wenn Nato-Länder wie die Türkei zu dem Schluss kommen sollten, dass sie doch Hilfe bei der Abwehr iranischer Angriffe brauchen, könnten sie zunächst einmal ohne Verweis auf Artikel 5 um Unterstützung bitten. Einen ähnlichen Weg hatte etwa Polen im September nach Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Kamikaze-Drohnen gewählt. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa startete daraufhin den Einsatz «Eastern Sentry» (deutsch etwa: Wächter des Ostens). Dabei wurden zusätzliche Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten mobilisiert. Deutschland entschied damals Kampfjets vom Typ Eurofighter auf dem polnischen Militärflugplatz Malbork zu stationieren. Einsätze dieser Art kann der Nato-Oberbefehlshaber auch ohne eine formelle Entscheidung aller Alliierter starten.

Ein Antrag auf Artikel 5 birgt Risiken

Ein Super-GAU wäre es für die Nato, wenn ein Beistandsersuchen nach Artikel 5 wegen politischer Streitigkeiten nicht bewilligt werden würde. Ein solches Szenario könnte bei Gegnern wie Russland Zweifel an der Geschlossenheit nähren. Zudem könnte eine Nato-Beteiligung den Nahost-Konflikt weiter eskalieren lassen und dem Iran einen Vorwand geben, auch noch andere europäische Alliierte anzugreifen. Schlecht für die Nato wäre es auch, wenn zwar der Bündnisfall ausgerufen wird, dann aber kaum jemand militärische Unterstützung leistet. Dies wäre möglich, weil die einzelnen Länder selbst nach Aktivierung von Artikel 5 eigenständig entscheiden können, welche Unterstützungsmaßnahmen sie für notwendig halten. Es gibt keinen automatischen Militäreinsatz aller Nato-Staaten.

Symbole lassen sich auch anders setzen

Wenn es vor allem um Symbolik geht, könnten die Türkei und Großbritannien wegen des Beschusses ein Verfahren nach Artikel 4 des Nato-Vertrags beantragen - dieses ist häufig Vorstufe für abgestimmte Schutzmaßnahmen. Artikel 4 sieht Beratungen vor, wenn sich ein Nato-Staat von außen gefährdet sieht. Konkret heißt es in ihm: «Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.» Der Artikel wurde seit Gründung des Bündnisses 1949 bereits neunmal in Anspruch genommen - zuletzt am 23. September 2025, nachdem drei russische Kampfjets den Luftraum Estlands verletzt hatten. Die Konsultationen sind in der Regel vor allem symbolisch als Signal an den Gegner relevant. Sie können aber auch dazu führen, dass bedrohte Staaten zusätzliche Bündnisunterstützung im Bereich Abschreckung und Verteidigung bekommen.

Konflikte / Krieg / Nato / Verteidigung / Iran / Türkei
06.03.2026 · 01:10 Uhr
[1 Kommentar]
Ukraine-Krieg - Drohnen in der Ukraine
Moskau/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat bei neuen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie mehrere Objekte in Brand gesetzt. Im Gebiet Nischni Nowgorod berichtete Gouverneur Gleb Nikitin bei Telegram, es seien 30 ukrainische Drohnenschläge abgewehrt worden. Herabfallende Trümmer hätten Feuer in zwei Objekten des Ölkonzerns Lukoil ausgelöst. […] (06)
vor 6 Minuten
John Lithgow
(BANG) - John Lithgow ist der Meinung, dass die Ansichten von J. K. Rowling zu Trans-Themen "falsch dargestellt" worden sind. Der 80-jährige Schauspieler wird in der kommenden 'Harry Potter'-TV-Serie, die auf Rowlings Fantasy-Romanen basiert, den Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore spielen. Er erklärte, warum er sich trotz der Kontroversen um Rowlings […] (00)
vor 1 Stunde
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 15 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 14 Stunden
BBC ernennt Richard Colebourn zum Europachef der News-Sparte
Die BBC stellt ihre internationale Struktur weiter neu auf und besetzt eine zentrale Führungsposition in Europa. Richard Colebourn wird neuer Regional Director für Europa bei BBC News und dem World Service. In dieser Funktion ist er der ranghöchste Vertreter des Senders in Europa und Zentralasien und verantwortet sowohl redaktionelle als auch operative Aufgaben in der gesamten Region. Zu seinem […] (00)
vor 1 Stunde
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Frankfurt/Main (dpa) - Die Fan-Ausschreitungen bei der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC beschäftigen auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). «Wir können Ihnen bestätigen, dass der DFB-Kontrollausschuss nach den Vorkommnissen im Rahmen des Zweitligaspiels zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC zu Beginn der neuen Woche Ermittlungsverfahren […] (00)
vor 42 Minuten
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Finanzbranche: Chancen und Risiken für Anleger
Die KI-Revolution im Finanzsektor nimmt fahrt auf Die Finanzbranche steht an einem Wendepunkt. Künstliche Intelligenz durchdringt mittlerweile alle Bereiche des Banking und Investment Management – von der automatisierten Kreditvergabe über algorithmenbasierte Handelsstrategien bis hin zu intelligenten Kundenservice-Lösungen. Große Finanzinstitute […] (00)
vor 41 Minuten
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 4 Stunden
 
Petersdom im Vatikan (Archiv)
Vatikanstadt - Papst Leo XIV. hat den Gläubigen zu Ostern den traditionellen Segen […] (00)
US-Flagge (Archiv)
Washington - Das letzte vermisste Besatzungsmitglied des abgestürzten F-15E-Kampfjets […] (00)
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Der vor Wismar gestrandete Buckelwal atmet am Morgen noch. Wie die […] (08)
F-35
Washington/Teheran (dpa) - Ein US-Waffenoffizier, dessen Kampfjet über dem Iran […] (09)
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige […] (01)
Hamburger SV - FC Augsburg
Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV und der FC Augsburg haben einen entscheidenden […] (02)
Ghost of Yōtei: Legends startet seinen ersten Raid – Lord Saito wartet auf euch
Sucker Punch Productions hat mit Ghost of Yōtei: Legends einen Mehrspielermodus auf […] (00)
Erstes Apple iPad wurde 16 Jahre alt
Vor genau 16 Jahren begann eine neue Ära in der […] (00)
 
 
Suchbegriff