Nach Trennung weiter zusammenleben – geht das gut?
Es gibt nur wenige Paare, die nach einer endgültigen Trennung weiterhin in einem Haushalt leben möchten. Vor allem sind es Mütter und Väter mit gemeinsamen Kindern. Sie fällen die Entscheidung für eine Zweckgemeinschaft insbesondere dem Nachwuchs zuliebe. Andere Gründe betreffen die Finanzen und die Wirtschaftlichkeit, auch das Aufgeben von Gewohnheiten fällt vielen Menschen schwer.
Steigende Scheidungszahlen
Im Jahr 2019 ließen sich 35,79 Prozent der Deutschen scheiden. Durch die Corona-Einschränkungen soll laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey die Zahl deutlich ansteigen. Während sich bisher im Durchschnitt 0,42 Prozent der Verheirateten innerhalb von zwei Monaten zu einer Trennung entschlossen, waren es von Ende März bis Ende Mai 2020 2,2 Prozent. Zahlreiche Paare berichteten von Beziehungsproblemen während des Lockdowns – eine schwierige Zeit, in der viele Partner beschlossen, getrennte Wege zu gehen.
Schmerzhafter Liebeskummer
Damit steht fest: 2020 ist nicht nur überschattet von der Pandemie, sondern gleichzeitig von unzähligen Trennungen und damit von Liebeskummer. Dessen Verarbeitung ähnelt dem Trauerprozess, den Menschen beim Verlust einer geliebten Person durchlaufen. Stellt sich die Frage: Was ist Liebeskummer? Die Antwort von Experten ist kurz und sachlich: Es ist der Schmerz, der nach einer gescheiterten Beziehung gefühlt und durchlebt wird.
Getrennt sein und trotzdem zusammenwohnen
Viele Ex-Ehepaare glauben, dass Kinder vor allem das Getrenntleben der Eltern belastet. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen ist das jedoch nicht der Fall. Vielmehr erschwert ihr Leben bei einer Trennung besonders das Konfliktniveau – zwei Haushalte können somit auch eine Entlastung bedeuten. Experten schließen zwar nicht aus, dass das Zusammenleben funktionieren kann, jedoch sind hohe Anforderungen zu bewältigen. Damit es klappt, müssen die Partner das Beziehungsende komplett überwunden haben. Erfahrungsgemäß dauert dies oft eine lange Zeit, ohne räumliche Trennung ist es noch schwieriger.
Wer seinen Kindern Normalität in der Familie vorgaukelt, tut ihnen meist keinen Gefallen damit. Sie brauchen in ihrer Beziehung zu den Eltern Klarheit, Sicherheit, Transparenz und Verbindlichkeit. Der Nachwuchs möchte vor allem eins: Wissen, woran er ist. Gehen Mutter und Vater offen mit der Trennung um, hilft es insbesondere jüngeren Kindern zu trauern und sich vom früheren Familienleben zu verabschieden. Paartherapeuten sehen in einem gemeinsamen Wohnen nach Trennung ausschließlich eine kurzzeitige Kompromisslösung – zum Wohl der Kinder.


