31. Prozesstag

Mutmaßlicher Entführer: Christina Block sagt die Unwahrheit

20. Januar 2026, 16:59 Uhr · Quelle: dpa
Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Foto: Georg Wendt/dpa Pool/dpa
Christina Block und ihr Anwalt.
Ein Zeuge im Prozess gegen Christina Block behauptet, sie habe gelogen und war über den Plan zur Rückholung der Kinder informiert.

Hamburg (dpa) - Der mutmaßliche Entführer der Block-Kinder hat der Hamburger Unternehmerin Christina Block vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen. «Ich sage, dass Frau Block leider nicht die Wahrheit sagt», sagte der Chef eines israelischen Sicherheitsunternehmens laut Übersetzung aus dem Englischen als Zeuge am Landgericht Hamburg.

Der 68-Jährige betonte, Block sei sehr wohl über die Möglichkeit informiert gewesen, die Kinder vom Vater aus Dänemark mit einem Auto zurück zu ihr nach Deutschland zu bringen. Ihr sei dabei wichtig gewesen, dass den Kindern nichts über den Kopf gezogen werde.

Christina Block bestreitet Auftrag zur Entführung

Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, schließlich die Entführung ihrer Kinder in der Silvesternacht 2023/24 nach Deutschland in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe. 

Sie habe Kontakt zu der israelischen Firma gehabt, hatte die 52-Jährige im Gerichtssaal ausgesagt. Dieses Unternehmen sei aber ausschließlich zur Überprüfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden Elysée-Hotels angeworben worden und handelte ihr zufolge bei der Rückholaktion auf eigene Faust.

Der Chef des israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder organisiert und durchgeführt haben. Er ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis vor einigen Wochen mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu.

Der Mann gehört aber nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten im aktuellen Prozess. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Zeuge: Mit Block wurden keine Einzelheiten besprochen

Bis auf die Tatsache, dass die Kinder mit einem Auto nach Deutschland gebracht werden müssten, seien keine weiteren Einzelheiten des Plans mit Block geteilt worden, sagte der 68-Jährige. «Das einzige Detail war die Art, wie wir kommunizieren würden, im Fall, dass es getan wird.» Dabei sei vereinbart worden, dass dann ein Mobiltelefon in einem Hotelzimmer bereitliege.

In den Gesprächen mit Block über eine Rückholung sei das Wort Entführung nie benutzt worden. Dieser Begriff sei nur gefallen, um zu beschreiben, was Hensel getan habe, als er die Kinder 2021 nach einem Besuch bei ihm in Dänemark nicht zurückgebracht habe, erklärte der Zeuge.

Befürchtung: Vater wollte mit Kindern verschwinden

Es sei ihm bei der Planung klar gewesen, dass es einen kurzen «schrecklichen Moment» für die Kinder geben würde, wenn sie nachts weg von ihrem Vater zu einem Auto gebracht werden, und «bevor sie mit ihrer Mama zusammentreffen», sagte der Zeuge. Doch Christina Block habe zuvor die Befürchtung geäußert, dass Hensel «die Kinder nimmt und verschwindet und dass sie die Kinder nie wieder sieht». In dieser Abwägung habe er den kurzen Moment des Leidens für vertretbar gehalten.

Als die Kinder dann tatsächlich im Auto waren, seien sie aber «absolut unglücklich» gewesen und hätten geschrien. «Ich stimme dem zu, dass das angesehen werden könnte als Anwendung von Gewalt», sagte der Zeuge. 

Er betonte, dass er sein Team vorher angewiesen habe, gegenüber den Kindern keine Gewalt anzuwenden. Klar sei hingegen gewesen, dass der Vater während der Aktion außer Gefecht gesetzt werden müsse. Dazu habe er Kampfsportler ausgewählt, die Hensel «immobilisieren» sollten. Doch es kam anders: Weil Hensel bei der Entführung laut Anklage geschlagen und verletzt wurde, nimmt er an dem Prozess als Nebenkläger teil. 

Tonaufnahme der Entführung wird abgespielt

Der Zeuge fuhr nach der Entführung mit den Kindern im Auto. Das Landgericht spielte erneut Aufzeichnungen eines Alarmknopfes aus der Tatnacht ab. «No!», ruft eine Kinderstimme, als eine Männerstimme berichtet, es gehe nun zur Mutter. «Eines der Kinder hat geschrien, dass es nicht will, das war ein schrecklicher Moment.»

Während des Feuerwerks hatten laut Anklage dunkel gekleidete, maskierte Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma den Vater in der Nähe seines Hauses in Süddänemark überwältigt und waren mit dem Jungen und dem Mädchen (13) bis kurz vor die dänisch-deutsche Grenze gefahren. Dann gingen sie zu Fuß durch einen Wald auf die deutsche Seite. 

Erstes Wiedersehen auf einem Bauernhof

Christina Block hatte ihre Kinder am 1. Januar 2024 auf einem Bauernhof in Baden-Württemberg wiedergesehen. «Ich erinnere mich definitiv daran, dass sie sehr glücklich war», sagte der Zeuge. Am folgenden Tag wurde sie mit ihren Kindern nach Hamburg gebracht.

Am 5. Januar 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht, dass die Kinder zu ihrem Vater nach Dänemark zurückkehren müssen. Davon habe er telefonisch erfahren. «Wir waren so überrascht», erinnerte sich der mutmaßliche Entführer.

Entführer: Ich musste Kredit aufnehmen

Um die Teammitglieder zu bezahlen, habe er einen Kredit aufnehmen müssen, sagte der Zeuge. Er habe sich deshalb an den Anwalt der Familie Block gewandt. «Ich habe gesagt, dass ich mehr Geld bekommen muss (...), aber ich habe kein weiteres Geld erhalten.»

Er schilderte, dass einem Teammitglied 10.000 Euro für seine Teilnahme an dem Einsatz versprochen worden seien. Doch nicht alle Teammitglieder hätten Geld erhalten. So habe der im Block-Prozess ebenfalls angeklagte Israeli kein Geld haben wollen, sagte der 68-Jährige.

Zeuge kann sich an viele Details nicht erinnern

Der Zeuge berief sich immer auf Erinnerungslücken. Mehrfach konfrontierte die Vorsitzende Richterin ihn mit Aussagen aus seiner polizeilichen Vernehmung vom vergangenen November. Sie stellte fest, dass er mit seinen Äußerungen vor Gericht nun teils weit dahinter zurückbleibe. 

Es war bereits der fünfte Verhandlungstag, an dem der mutmaßliche Chef des Entführer-Teams aussagte. Seine Befragung ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Prozess (Gericht) / Leute / Kriminalität / Gesellschaft / Hamburg / Deutschland / Dänemark
20.01.2026 · 16:59 Uhr
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