Moskau drängt WhatsApp und Telegram zurück – Putins „nationaler Messenger“ Max wächst rasant
Russlands Präsident Wladimir Putin hat mit einem neuen Gesetz die Grundlage für einen „nationalen Messenger“ geschaffen und der VK-App Max diesen Status verliehen. Der Schritt markiert den bislang weitreichendsten Eingriff in die digitale Kommunikation seit Beginn des Ukraine-Krieges – und verschärft den Druck auf ausländische Plattformen wie WhatsApp und Telegram, die jeweils rund 90 Millionen monatliche Nutzer in Russland haben.
Seit September schränkt die Medienaufsicht Roskomnadzor Anrufe über WhatsApp und Telegram teilweise ein. Zur Begründung hieß es, die Dienste würden für „Täuschung, Erpressung und Sabotage“ missbraucht. Parallel läuft eine staatlich orchestrierte Marketingkampagne für Max: Prominente loben die App öffentlich, Schulen sind verpflichtet, sie für offizielle Chats zu nutzen, und Mobilfunkbetreiber gewähren ihren Kunden kostenfreien Datenzugang. Die Zahl der Nutzer sprang seit Juni von einer Million auf inzwischen 30 Millionen.
Max gehört zum VK-Konzern, dessen Datenbanken den Sicherheitsdiensten offenstehen. Anders als WhatsApp oder Telegram bietet die App keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Datenschützer wie Mikhail Klimarev von der NGO Internet Protection Society warnen: „Max ist im Kern ein Trojanisches Pferd.“
Die Entwicklung fällt in eine Phase wachsender Restriktionen: VPN-Dienste geraten ins Visier, Suchanfragen nach „extremistischen Materialien“ sind seit Juli strafbar, und Migranten müssen eine Überwachungs-App installieren, die ihre Standortdaten übermittelt. Zugleich hat Putin Maßnahmen angeordnet, um Software aus „unfreundlichen Staaten“ – darunter USA, Großbritannien und die EU – aus Russland zu verdrängen.
Für VK kommt die staatliche Rückendeckung in einer heiklen Finanzlage: Trotz eines Umsatzanstiegs um fast ein Viertel verbuchte das Unternehmen 2023 einen Verlust von 94,9 Milliarden Rubel (1,2 Milliarden Dollar). Der Messenger Max könnte damit nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zur Rettungsleine werden.


