Investmentweek

Milliarden-Schaden für Deutschland – und trotzdem Applaus?

29. Juli 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Deutschland verliert durch den neuen Handelsdeal mit den USA 6,5 Milliarden Euro und 0,15 Prozent Wirtschaftswachstum. Trotz dieser alarmierenden Zahlen erhält die Einigung Applaus.

15 Prozent Zoll, 6,5 Milliarden Euro Schaden

Es sind Zahlen, die sich nicht schönreden lassen: Laut exklusiven Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft verliert Deutschland durch den neuen Handelsdeal mit den USA rund 0,15 Prozent Wirtschaftswachstum – das entspricht etwa 6,5 Milliarden Euro in nur einem Jahr.

Für Europas größte Volkswirtschaft ist das mehr als nur ein Betriebsunfall, es ist ein politökonomischer Offenbarungseid.

Was US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Wochenende als "Durchbruch" verkaufen, ist vor allem eines: ein Rückzug.

Unter dem Deckmantel des Kompromisses wurde ein Pauschalzoll von 15 Prozent auf fast alle EU-Waren vereinbart – darunter auch Autos, Maschinen und Chemikalien. Für besonders sensible Bereiche wie Stahl und Aluminium bleiben sogar Strafzölle von 50 Prozent bestehen.

Die Rechnung zahlt – wie immer – der Exportweltmeister

Kaum ein Land ist so abhängig vom globalen Handel wie Deutschland. Und kaum ein Land ist damit so verletzlich. Dass der neue Zollpakt ausgerechnet Berlin besonders hart trifft, überrascht wenig.

Von der Leyen konnte Schlimmeres verhindern – aber nicht viel Gutes erreichen: Ohne Trumps 30-Prozent-Drohung wäre dieser „Deal“ nie zustande gekommen.

Während Frankreich laut IfW mit nur 0,01 Prozent Einbuße davonkommt und Italien mit -0,02 Prozent fast ungeschoren bleibt, kassiert Deutschland die volle Breitseite. Nicht nur wegen seiner Automobilindustrie, sondern auch wegen der Maschinenbauer, Chemieproduzenten und Zuliefererketten, die auf transatlantische Verlässlichkeit angewiesen sind.

Für viele Mittelständler bedeutet der Deal nicht Erleichterung, sondern Existenzangst. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), spricht von einem „harten Schlag für den Außenhandel“ – ein diplomatischer Begriff für eine wirtschaftspolitische Ohrfeige.

Nur knapp an der Katastrophe vorbei

Immerhin: Es hätte schlimmer kommen können. Ohne die Einigung auf den einheitlichen 15-Prozent-Zoll hätte Trump seine ursprüngliche Drohung von 27,5 Prozent auf Autos plus weiteren 30 Prozent auf nahezu alle EU-Importe wahr machen können.

In diesem Fall hätte Deutschland laut IfW bis zu 0,62 Prozent Wachstum verloren – das wäre eine echte Rezession mit Ansage gewesen. Dass die EU diesen Super-GAU abgewendet hat, ist ein Teilerfolg – mehr aber nicht.

Julian Hinz vom IfW bringt es nüchtern auf den Punkt: Die Einigung sei „langfristig der falsche Weg“. Statt globalen Handel zu sichern, verfehle der Deal das große Ziel: Vertrauen in ein regelbasiertes System. Die Welthandelsorganisation (WTO) wird mit solchen Absprachen endgültig zur Staffage degradiert.

Transatlantische Schieflage

Die Reaktionen aus der deutschen Industrie sprechen Bände. Vom Maschinenbau bis zur Chemiebranche herrscht Empörung – teils offen, teils hinter vorgehaltener Hand.

Das IfW warnt: Der Zolldeal untergräbt das Vertrauen in den regelbasierten Welthandel – und setzt einen gefährlichen Präzedenzfall für künftige Erpressungsversuche.

Besonders stark trifft es den deutschen Maschinenbau, wie Johannes Gernandt vom VDMA warnt. Viele seiner Mitglieder konkurrieren direkt mit US-Herstellern – ein Zollnachteil von 15 Prozent könnte im internationalen Wettbewerb den Ausschlag geben.

Schon bei einem Zollsatz von zehn Prozent sahen in einer VDMA-Umfrage 43 Prozent der Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit stark beeinträchtigt. Mit 15 Prozent rutschen viele nun in den „kritischen Bereich“. Für exportorientierte Mittelständler mit engen Margen kann das existenzgefährdend sein – und in der Breite zum Investitionsstopp führen.

Ein gefährlicher Präzedenzfall

Dass Trump mit dieser Art der Wirtschaftsdiplomatie durchkommt, dürfte langfristige Folgen haben. Wenn die EU bereit ist, derartige Zugeständnisse zu machen, ohne strukturelle Gegenleistungen zu erhalten, droht ein Dominoeffekt: Andere Handelspartner könnten ähnliche Forderungen stellen.

Die US-Regierung jedenfalls macht keinen Hehl daraus, das Modell auf andere Länder anwenden zu wollen – Japan etwa hat bereits einen ähnlich teuren Deal unterschrieben.

Und Europa? Spielt mit. Statt gemeinsam mit Kanada, Südkorea oder Brasilien eine wirtschaftspolitische Gegenmacht zu organisieren, handelt die EU lieber bilateral – in der Hoffnung, irgendwie durchzukommen. Strategisches Denken sieht anders aus.

Die große Leerstelle in Brüssel

Während Trump sein Amerika zuerst stellt, agiert Brüssel defensiv. Die europäische Handelspolitik, einst stolz auf ihre multilateralen Prinzipien, weicht zunehmend taktischen Zugeständnissen.

Die Fähigkeit, Handelsmacht politisch zu nutzen, scheint verloren gegangen zu sein. Dabei wäre jetzt der Moment, um klarzumachen: Wirtschaftliche Partnerschaft ist keine Einbahnstraße.

Ein Zusammenschluss gleichgesinnter Demokratien mit marktwirtschaftlichem Fundament – das wäre die richtige Antwort gewesen. Stattdessen wurde Turnberry zum Symbol für ein Europa, das sich unter Druck setzt, bevor es Druck macht.

Finanzen / Wirtschaft / Handelsdeal / Zoll / Deutschland
[InvestmentWeek] · 29.07.2025 · 14:00 Uhr
[1 Kommentar]
btc, bitcoin, coin, cryptocurrency, crypto, finance, trader, currency, money
Bitcoin erlebte am Mittwoch eine deutliche Erholung, nachdem der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran einem zweiwöchigen Waffenstillstand zugestimmt hatte. Die Kryptowährung stieg kurzzeitig über $72.700, nachdem sie tägliche Gewinne von über 5% verzeichnete, bevor sie sich nahe $71.600 stabilisierte. Diese Erholung war besonders im Derivatemarkt sichtbar, wo […] (00)
vor 38 Minuten
Spielschein für Lotto 6 aus 49 (Archiv)
Saarbrücken - In der Mittwochs-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und Totoblocks wurden am Abend die Lottozahlen gezogen. Sie lauten 2, 5, 14, 16, 23, 36, die Superzahl ist die 8. Im Jackpot liegen aktuell 12 Millionen Euro. Der Gewinnzahlenblock im "Spiel77" lautet 5448912. Im Spiel "Super 6" wurde der Zahlenblock 440551 gezogen. Diese […] (00)
vor 3 Minuten
Stephen Colbert hält sich mit einem 'eisernen Griff' an 'The Late Show' fest.
(BANG) - Stephen Colbert hält sich mit einem "eisernen Griff" an 'The Late Show' fest, bis die Sendung offiziell endet. Das CBS-Programm des 61-jährigen Talkshow-Moderators wird mit der aktuellen Staffel am 21. Mai enden, aber der TV-Star betonte, dass er noch nicht bereit sei, "loszulassen". Oprah Winfrey war am Dienstag (7. April) zu Gast in seiner […] (00)
vor 1 Stunde
Eine Zollbeamtin läuft durch ein Paketlager
Berlin/München (dpa/tmn) - Ob Geräte, Elektronik, Kleidung oder Schuhe - manchmal müssen oder sollen es Waren von weit her sein, weil es sie nur in bestimmten Ländern gibt oder weil sie dort besonders günstig zu haben sind. So weit die Theorie. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher ordern dann online direkt bei einem Anbieter oder über Marktplätze und […] (00)
vor 2 Stunden
Plans vs. Zombie 3: Evolved erscheint in ersten Regionen
Electronic Arts und PopCap Studios veröffentlichen Plants vs. Zombie 3: Evolved in ersten ausgewählten Regionen. Der Titel erweitert das bekannte Tower-Defense-Konzept der Reihe um ein Merge-Feature, das frische strategische Möglichkeiten in Neighborville eröffnet. Das mobile Spiel kombiniert lane-basiertes Tower-Defense-Gameplay mit einem Merge- […] (00)
vor 1 Stunde
Regé-Jean Page ist 'ziemlich begeistert' von romantischen Komödien.
(BANG) - Regé-Jean Page ist "ziemlich begeistert" von romantischen Komödien. Der 38-jährige Schauspieler spielt an der Seite von Halle Bailey in 'You, Me and Tuscany' mit, der neuen romantischen Komödie unter der Regie von Kat Coiro. Er hat nun erklärt, warum er ein Fan des Genres ist. "Ich meine, wer möchte nicht ins Schwärmen geraten? Das ist eine […] (00)
vor 6 Stunden
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Beim Neustart in den Billie Jean King Cup hat das deutsche Frauen-Tennisteam zum Auftakt einen erheblichen Dämpfer hinnehmen müssen. Gleich im ersten Duell mit Gastgeber Portugal setzte es in der Nähe von Lissabon eine 1: 2-Niederlage. Die Chancen auf den Einzug in die nächste Runde haben sich vor dem zweiten Spiel gegen Schweden am […] (01)
vor 2 Stunden
MESHED SYSTEMS präsentiert neue RFID Snoop Pro Coupler
Ottobrunn, 08.04.2026 (PresseBox) - München-Ottobrunn (D), Vor etwa einem Jahr stellte Meshed Systems ( www.meshedsystems.com ) eine umfassende, deutlich verbesserte Version seines meistgenutzten RFID Kopplungselements, des Snoop Pro Coupler des Partners Voyantic für das RFID Inline Tagsurance Testsystem vor. Voyantic bringt nun auch Updates für seine […] (00)
vor 1 Stunde
 
RBC hebt Kursziel für Shell an Die kanadische Bank RBC hat das Kursziel für die […] (00)
Einleitung Der Krieg im Iran hat für den US-Ölkonzern Exxon Mobil gravierende […] (00)
Rückgang der Ölpreise Nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran- […] (00)
Öltanks (Archiv)
Paris - Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, erwartet, […] (00)
Geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen auf den Ölmarkt Nach dem Beginn einer […] (00)
World of Warships: Legends – Bald auf dem PC
Wargaming, Entwickler und Publisher des führenden Marine-MMOs World of Warships, gibt […] (00)
Primetime-Check: Ostermontag, 6. April 2026
Welcher Sender tat sich bei den Jüngeren als erster «Tatort»-Verfolger hervor? ProSieben- […] (01)
Sabrina Carpenter verspricht 'ehrgeizigste Show' für Coachella-Festival
(BANG) - Sabrina Carpenter will beim Coachella-Festival die "ehrgeizigste Show" ihrer […] (00)
 
 
Suchbegriff