Milchviehhalter in der Krise: Preissenkungen belasten die Branche
Der Milchmarkt in Deutschland durchläuft aktuell eine turbulente Phase, die den Milchviehhaltern schwere Zeiten beschert. Sinkende Preise für Milchprodukte wie Butter könnten für viele landwirtschaftliche Betriebe verheerende wirtschaftliche Folgen haben, so der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Schon jetzt zeichnen sich erste Betriebsaufgaben ab, da die Milchanlieferung gleichzeitig erheblich angestiegen ist. Für den BDM-Vorsitzenden Karsten Hansen steht fest: Die derzeitige Marktlage lässt wenig Raum für Erholung. Von normalen Schwankungen zu sprechen, wird der wirtschaftlichen Realität der Milchviehbetriebe nicht gerecht.
Der BDM, der sich 1998 als Alternative zum Deutschen Bauernverband gegründet hat, vertritt rund ein Drittel der aktiven deutschen Milcherzeuger und etwa 40 Prozent der Milchproduktion im Land. Auf der Webseite des Verbands wird verdeutlicht, dass die Milchviehhaltung regional und strukturell repräsentativ für Deutschland abgebildet wird. Doch aktuell ist die Lage vor allem von Sorgen geprägt.
Ursula Trede, Vorstandsmitglied des BDM, warnt vor den wirtschaftlichen Konsequenzen der Preissenkungen. Marktmäßige "Selbstheilung" sei keine Lösung, sondern zwinge Betriebe eher zu Notverkäufen oder gar Schließungen, da die Liquiditätsprobleme zunehmen. Der Preisdruck im Handel mag die Nachfrage leicht steigern, doch wenn die Erzeugungskosten nicht gedeckt sind, bringt das den Milchviehhaltern letztlich nur Verluste.
Die derzeitige Preissituation ist alarmierend: Ein 250-Gramm-Päckchen Butter kostet im Einzelhandel lediglich 1,39 Euro. Handelsketten haben die Preise ihrer Eigenmarken bereits mehrfach innerhalb von sechs Wochen gesenkt. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu den hohen Preisen Ende 2024. Die Butternotierung an der Kemptner Börse, einem bedeutenden Preisbarometer für die Branche, fiel um 35 Prozent seit Oktober 2024. Der Käsepreis erlebt ebenfalls einen Abwärtstrend mit einem Rückgang von 28 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Milchanlieferung um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht, was den Druck auf die Milchproduzenten weiter verstärkt.

