Michael Casey: Vom Bild zum System – Ein modernes Phänomen
Der Begriff „Aktivist“ ruft bei vielen das Bild eines Revoluzzers in Kampfkleidung hervor. Genau dieses Bild bedient Michael J. Casey nicht. Ohne Ausrufezeichen und Revolutionstöchter geht Casey als brillanter Denker voran – und hinterfragt mit klarem Intellekt die vorherrschenden Systeme. In seiner jüngsten Rolle als Vorsitzender der neu formierten Decentralized AI Society hat er sich einer besonders aktuellen Herausforderung verschrieben: die Machtkonzentration des Silicon Valley über die aufstrebende KI-Wirtschaft aufzubrechen.
Caseys Reise spiegelt sich eindrucksvoll in seinen sechs Publikationen wider. Er betrachtet politische, finanzielle und digitale Strukturen unter der Prämisse, sie zum Wohle der Allgemeinheit neu zu ordnen. So entwickelt er sich vom Journalist zum Vordenker, der sich mit Vertrauen, Gesellschaftsorganisation und der Macht der Dezentralisierung auseinandersetzt.
Bereits in seinem ersten Buch „Che’s Afterlife: The Legacy of an Image“ (2009) geht es um die Faszination mit gesellschaftlichen Symbolen. Alberto Kordas ikonisches Che-Guevara-Foto wird dabei als ein globales Meme hervorgehoben – ein Bild, das seiner ursprünglichen Bedeutung im Laufe der Kommerzialisierung beraubt wurde. Che wurde zur Marke, einer ironischerweise antikapitalistischen Ikone des Kapitalismus.
Seine folgenden Werke vertiefen sich tiefer in globale Systemkrisen. „The Unfair Trade“ (2012) analysiert die destruktiven Ungleichheiten der Weltwirtschaft, während „The Age of Cryptocurrency“ (2015) mit Koautor Paul Vigna die transformative Wirkung von Bitcoin beleuchtet – eine Synthese aus kryptografischem Vertrauen und Systemrevolution.
In „The Truth Machine“ (2018) entfaltet Casey, erneut mit Vigna, das Potenzial der Blockchain-Technologie: Ein vertrauensbasiertes System, das ohne korrumpierbare Institutionen auskommt. Das Buch unterstreicht die gesellschaftliche Notwendigkeit eines gemeinsamen Konsens – in einer Welt, die von Desinformation geplagt wird.
Die Sprengkraft von sozialen Medien wird in „The Social Organism“ (2016) mit Oliver Luckett unterstrichen. Als lebende Systeme betrachtet, enthüllen sie ihre Rolle in der Generation von Memes – einer doppelgesichtigen Kulturentwicklung, die User zu marktfähigen Produkten macht.
„Our Biggest Fight“ (2024), Caseys jüngstes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Philanthropen Frank McCourt, fordert mit Nachdruck die Reformation des Internets. Die Dominanz großer Tech-Unternehmen soll durch die Dezentralisierung gebrochen werden, um so Freiheit, Menschlichkeit und Menschenwürde in der digitalen Sphäre wiederherzustellen.
Caseys Werk zieht Parallelen zu Che Guevara, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Ohne Gewehr, dafür mit kraftvollen Ideen. Seine Werke sind eine dringliche Aufforderung zur Umgestaltung bestehender Systeme. In Zeiten algorithmischer Kontrolle malt Casey ein positives Bild einer dezentralisierten Zukunft, in der menschliches Vertrauen und Würde im Mittelpunkt stehen.

