MFE verpasst Mehrheit bei ProSiebenSat.1 – Anleger setzen auf Verlängerung
Die italienische Media for Europe (MFE), in Besitz der Berlusconi-Familie, verfehlte unerwartet die angestrebte Aktienmehrheit am deutschen Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und besitzt aktuell 43,6 Prozent der Anteile. Dennoch bleibt der Aktienkauf auf der Tagesordnung der Berlusconis, wobei Aktionäre noch bis zum 1. September die Möglichkeit haben, ihre Anteile an MFE zu verkaufen. Die Spekulation der Anleger auf ein neues Angebot ließ die ProSiebenSat.1-Aktie im SDax um 1,4 Prozent klettern.
MFE verfolgt das Ziel, eine europaweite Sendergruppe zu etablieren. Bereits zuvor waren kartellrechtliche Bedenken ausgeräumt worden, nachdem die Europäische Kommission und die Bundeswettbewerbsbehörde den Übernahmeantrag geprüft hatten. Dabei hatte der Medienkonzern einst die 25-Prozent-Marke überschritten, was nicht mehr als Hürde angesehen wurde.
Das Übernahmeangebot von MFE wurde Ende Juli erhöht und die anfänglichen Einwände von Vorstand und Aufsichtsrat der ProSiebenSat.1 Media SE wurden fallen gelassen, indem sie den Aktionären die Annahme der Offerte als 'angemessen' empfahlen. Mit Ablauf des eigentlichen Übernahmeangebots am 13. August beginnt nun eine entscheidende Nachfrist, deren Resultat voraussichtlich am 4. September vorliegt.
Konkurrenz erwuchs MFE durch den tschechischen Finanzinvestor PPF, dessen Angebot jedoch unverändert blieb. Silvio Berlusconi nutzte über Jahre seinen Medienkonzern zur Förderung politischer Ziele und für die von ihm gegründete Forza Italia. Die Nachfolgegeneration hält zwar Distanz zur politischen Bühne, steht der Partei dennoch nahe, während sie die Medienambitionen vorantreibt. Neben ProSiebenSat.1 ist der Konzern neben der RTL-Gruppe ein bedeutender privater Fernsehanbieter in Deutschland mit Formaten wie 'Germany's Next Topmodel' und 'The Voice of Germany'.

