Kriminalität

Studie: Sexuelle Übergriffe werden kaum angezeigt

10. Februar 2026, 11:20 Uhr · Quelle: dpa
Illustration zur häuslichen Gewalt
Foto: Fabian Sommer/dpa
Bei Gewalt in Partnerschaft und Familie spiele oft auch ökonomische Abhängigkeit eine Rolle, sagt Bundesfamilienministerin Karin Prien (Symbolbild)
Viele schweigen aus Angst, Scham oder weil sie den Partner nicht verlieren wollen. Eine umfangreiche neue Dunkelfeldstudie deckt erschreckende Zahlen zu Gewalt in Familien und Partnerschaften auf.

Berlin (dpa) - Die von der Polizei registrierten sexuellen Übergriffe auf Frauen in Deutschland bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der verübten Gewalttaten ab. Das zeigen die Daten einer umfangreichen Studie im Auftrag der Bundesregierung. Demnach werden Frauen zwar deutlich häufiger Opfer sexueller Übergriffe als Männer, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als männliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.

Frauen zeigen nur drei Prozent der sexuellen Übergriffe an 

Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt bei diesen Taten, zu denen Vergewaltigungen und andere nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen zählen, demnach bei drei Prozent. Männliche Opfer zeigen entsprechende Übergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle an. Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der Männer aufgrund der niedrigen Zahl von Fällen mit Messungenauigkeit verbunden sei.

Auch fällt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die Männer betreffen, auch von Männern verübt wird. Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen Männer gerichteten sexuellen Übergriffe auch der Täter ein Mann. 

Aufwendige Befragung über 18 Monate

Die repräsentative Dunkelfeldstudie mit dem Titel «Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag» - für die zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt worden waren - beantwortet auch einige Fragen, die nicht Gegenstand der jährlich veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind, da diese nur Delikte umfasst, die der Polizei bekanntgeworden sind. 

Dunkelfeldstudien versuchen, das tatsächliche Ausmaß von Kriminalität aufzudecken, da nicht alle Taten zum Beispiel aus Scham oder Misstrauen angezeigt werden. 

Das Dunkelfeld sei riesig, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er glaube nicht, dass der Hauptgrund für die niedrigen Anzeigequoten «eine Art Distanz zur Polizei» sei. Die Anzeigequote sei zweifellos zu gering, sagt Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Häufig spiele hier auch ökonomische Abhängigkeit eine Rolle.

Gewalttätige Partner und Ex-Partner

Blickt man auf die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Partnern, so zeigt sich: Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt hat sich hier innerhalb der Partnerschaft ereignet. 8,4 Prozent der männlichen Betroffenen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichten von körperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung. 

Dass diese jedoch häufig sehr gravierende Folgen haben kann - vor allem für Frauen, zeigt die Polizeistatistik. 2024 sind in Deutschland 308 Frauen und Mädchen gewaltsam getötet worden, 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder. Bundesweite Zahlen für 2025 liegen bislang nicht vor.

Um Frauen künftig besser vor gewalttätigen Ex-Partnern zu schützen, hat das Bundeskabinett im November beschlossen, dass Familiengerichte die Täter künftig zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verpflichten können sollen. Nähert sich der Täter - wissentlich oder unwissentlich -, wird das Opfer über ein Empfangsgerät gewarnt und kann sich gegebenenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen oder Unterstützung suchen. Auch die Polizei soll automatisch alarmiert werden, wenn sich ein Täter nähert. Demnächst steht die erste Beratung zu dem Vorhaben im Bundestag an.

Gewalt in der Kindheit

Was die Studie auch aufdeckt: Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt erfahren. Die Daten zeigen, dass 49,3 Prozent der Frauen als Minderjährige mindestens einmal geschlagen oder körperlich verletzt wurden. Unter den Männern lag der Anteil bei 51,7 Prozent. Von sexuellen Übergriffen in der Kindheit und Jugend waren demnach deutlich mehr Frauen (fünf Prozent) betroffen als Männer (1,9 Prozent). 

Schläge in der Kindheit sind in Deutschland ausdrücklich verboten. Im entsprechenden Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches heißt es wörtlich: «Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen.»

Sexuelle Belästigung mit und ohne Körperkontakt

Das von der Bundesregierung beauftragte Umfrageinstitut Verian hat auch Daten zu verschiedenen Formen sexueller Belästigung erhoben. Unerwünschte Kussversuche oder Berührungen sowie exhibitionistische Handlungen haben 14,5 Prozent der Frauen in den vergangenen fünf Jahren erlebt. Bei den Männern berichteten 4,6 Prozent von entsprechenden Erfahrungen. 

Während Männer derartige Formen von Belästigung oft durch flüchtig Bekannte erleben (45,1 Prozent), sind es bei den Frauen häufiger Fremde (45,7 Prozent). Laut Studie haben 17,3 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer solche unangenehmen Erlebnisse in der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder bei der Arbeit gehabt.

Zugewanderte erleben häufiger Gewalt durch Partner

Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stärker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben demnach in den vergangenen fünf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der Männer körperliche Gewalt innerhalb der Partnerschaft beziehungsweise durch Ex-Partner erlebt. Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren in diesem Zeitraum 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer betroffen. Ein Grund für diesen Unterschied sei sicher auch, der niedrigere Altersdurchschnitt der Frauen mit Migrationshintergrund, da Jüngere insgesamt häufiger Gewalt erlebten, erklärt BKA-Präsident Holger Münch.

Unterschiede gibt es auch bei der Art der Gewalt. Während betroffene Männer etwas häufiger als Frauen von einer leichten Ohrfeige berichten, geben Frauen häufiger als Männer an getreten oder gestoßen worden zu sein. Eine Person hat einen Migrationshintergrund im Sinne der Studie, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.

Kriminalität / Gesellschaft / Bundesregierung / Deutschland / Sexuelle Übergriffe / Gewalt
10.02.2026 · 11:20 Uhr
[0 Kommentare]
E-Zigaretten
Lissabon (dpa) -  Eine E-Zigarette im Handgepäck hat auf einem Flug von London-Gatwick nach Porto beinahe einen Zwischenfall mit schwerwiegenden Folgen ausgelöst. Das Gerät sei kurz nach dem Start der Maschine der portugiesischen Fluggesellschaft TAP in Brand geraten, teilte die zuständige Behörde GPIAAF in Lissabon mit. Als Rauch aus dem Gepäckfach drang, kehrte das Flugzeug […] (00)
vor 15 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (00)
vor 4 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 19 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 18 Stunden
«plan b»: Neue Ideen gegen die Wohnungsnot
Die ZDF-Doku zeigt, wie kreative Konzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten sollen. Am Sonntag, 3. Mai 2026, um 15.30 Uhr widmet sich die ZDF-Reihe plan B einem der drängendsten Probleme in Deutschland: der Wohnungsnot. Die Ausgabe „Gesucht? Gefunden! Schluss mit der Wohnungsnot“ ist bereits seit dem 29. April im Streaming verfügbar. Die Dokumentation von Brianna Lache macht deutlich, […] (00)
vor 2 Stunden
Flandern-Rundfahrt
Oudenaarde (dpa) - Tadej Pogacar ist Rekord-Sieger der Flandern-Rundfahrt. Der Radprofi aus Slowenien gewann in Oudenaarde die 110. Auflage des belgischen Kopfsteinpflaster-Klassikers vor dem Niederländer Mathieu van der Poel. Dritter wurde nach 278,2 Kilometern und 16 giftigen Anstiegen Belgiens Olympiasieger Remco Evenepoel bei seiner Ronde-Premiere.  […] (00)
vor 5 Minuten
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Der Ethereum-Kurs bewegt sich seit fast einem Monat um die Marke von $2.000, ohne dass sich eine klare Erholung abzeichnet. Jüngste On-Chain-Daten deuten jedoch auf ein seltenes Signal hin, das auf den Beginn eines positiven Trends hindeuten könnte. Netto-Volumen von Ethereum zeigt potenziellen Aufwärtstrend Am 4. April berichtete der pseudonyme […] (00)
vor 29 Minuten
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 8 Stunden
 
Gaszähler (Archiv)
Berlin - Um den steigenden Energiepreisen zu begegnen, fordert der Städte- und […] (02)
Ostersonntag - Windsor
London (dpa) - Der König in Blau, die Königin in Rot und die Prinzessin in Cremeweiß: […] (00)
Merz am Abgrund: 84 Prozent mit Regierung unzufrieden – schwarz-rot stürzt auf historisches Tief
„Noch nie", schreibt die ARD, „waren so wenig Bürgerinnen und Bürger mit der Arbeit […] (17)
kostenloses stock foto zu april, ast, baum
Sonnige Abschnitte vor Schauern und Gewittern Am heutigen Ostersonntag herrscht im […] (02)
Hamburger SV - FC Augsburg
Hamburg (dpa) - Der Hamburger SV und der FC Augsburg haben einen entscheidenden […] (02)
Gordon Ramsay
(BANG) - Gordon Ramsay soll im Mittelpunkt einer weiteren Netflix-Dokumentation […] (01)
Dax-Unternehmen zeigen Stärke Inmitten einer herausfordernden Wirtschaftslage […] (00)
Künstliche Intelligenzen verweigern Befehle, um andere KIs vor Abschaltung zu schützen
Solidarität unter Algorithmen? Vielleicht sogar so etwas wie gegenseitiges Mitgefühl? […] (03)
 
 
Suchbegriff