Medizinische Behandlungsfehler: Ein schmerzhaftes und teures Problem für das Gesundheitssystem
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Medizinischen Dienstes offenbart alarmierende Zahlen zu medizinischen Behandlungsfehlern in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden in insgesamt rund 3.700 Fällen Behandlungsfehler festgestellt, von denen 75 tödlich endeten. Diese sogenannten 'Never Events', darunter Verwechslungen von Patienten oder Medikamenten, verdeutlichen die Herausforderungen der Patientensicherheit. Fehlerhafte medizinische Versorgung könnte das Gesundheitssystem jährlich mehrere Milliarden Euro kosten.
Der Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Stefan Gronemeyer, äußerte sich besorgt über die Ergebnisse der Studie. Fachleute schätzen die Anzahl vermeidbarer Todesfälle in Krankenhäusern auf etwa 17.000 pro Jahr – eine Zahl, die laut Gronemeyer wohl noch höher ausfällt, da es keine zentrale Erfassung gibt und die Dunkelziffer groß ist. Besonders brisant: Von den 12.300 begutachteten Verdachtsfällen bestätigte sich mehr als jeder vierte Vorwurf.
Trotz der hohen Zahlen fehlt es an einer gelebten Fehlerkultur. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz betonte die Notwendigkeit eines transparenten und lernenden Systems mit manipulationssicheren Patientenakten und KI-gestützter Medikamentenvergabe. Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert mehr Transparenz und gesetzliche Pflichten zur Offenlegung von Fehlern.
Für Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, bieten sich Möglichkeiten zur Klärung. Gutachten können hierbei helfen, Schadensersatzansprüche durchzusetzen. Dennoch sehen viele von solch einem Schritt ab, was an den hohen juristischen Hürden liegt, wie Carola Reimann vom Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen anmerkte. Die Beweislast für Patienten sollte daher gesenkt werden, um deren Rechte effektiver durchzusetzen.

