Marktanalyse: Dax im Spannungsfeld zwischen Iran-Konflikt und Inflation

Dax unter Druck durch geopolitische Spannungen
Der deutsche Aktienmarkt bleibt stark von den Entwicklungen im Iran-Krieg beeinflusst. Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst bei CMC Markets, kommentiert, dass die Investoren weiterhin von den Nachrichten aus der Kriegsregion in ihren Entscheidungen gejagt werden. Die verlängerte Frist des US-Ultimatums für den Iran könnte dem Dax in der bevorstehenden Karwoche einen neuen Stabilisierungsversuch ermöglichen, während Konjunkturdaten die ersten Folgen des Konflikts auch für Deutschland aufzeigen dürften.
US-Ultimatum und seine Auswirkungen auf den Markt
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran bis zum 6. April Zeit eingeräumt, um die für den globalen Ölhandel entscheidende Straße von Hormus freizugeben. Laut Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, verdeutlicht die verlängerte Frist, wie sehr die USA eine Verhandlungslösung anstreben. Gleichzeitig zeigt sie, dass die Gespräche alles andere als einfach sind. Während Trump von „sehr guten“ Gesprächen spricht, hat der Iran wiederholt die Verhandlungen dementiert.
Anlegervertrauen auf dem Prüfstand
Marcel Mußler, Marktexperte, merkt an, dass das Vertrauen der Anleger in Trumps Versuche zur Beruhigung der Märkte nach den jüngsten Kursverlusten im Dax schwindet. Der deutsche Leitindex hat seit Kriegsbeginn rund 3.000 Punkte verloren, was einem Minus von etwa neun Prozent im bisherigen Jahresverlauf entspricht. Anleger müssen nun abwarten, ob das Ultimatum in den kommenden Tagen zu einer Stabilisierung führen kann.
Inflationsrisiken und ihre Bedeutung für die Wirtschaft
Die Blockade der Straße von Hormus sorgt unter den Anlegern für Besorgnis über weiter steigende Ölpreise, die sowohl die Wirtschaft bremsen als auch die Inflation anheizen könnten. Die Verbraucherpreisdaten aus Deutschland und der Eurozone, die am Montag und Dienstag veröffentlicht werden, dürften daher besonders im Fokus stehen. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, warnt, dass höhere Inflationszahlen für März nur ein Vorgeschmack auf die Folgen eines anhaltenden Energiekriegs sein könnten. Er prognostiziert für das zweite Quartal eine Inflation von über drei Prozent.
Ausblick auf den Dax und Unternehmensberichte
Trotz der aktuellen Herausforderungen glauben die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen, dass der Dax mittelfristig mit einem blauen Auge davonkommen könnte. Samuel Will, Helaba-Devisenstratege, hält an seinem Jahresendziel von 25.000 Punkten für den Dax fest. Trotz der jüngsten Rückgänge sei an den Aktienmärkten von Panik nach wie vor nichts zu spüren, auch wenn der Iran-Konflikt voraussichtlich noch einige Wochen andauern wird.
Berichtssaison als Stimmungsbarometer
Die bevorstehende Berichtssaison für das erste Quartal wird als fundamentaler Stimmungstest für die deutschen Unternehmen angesehen. Robert Halver, Kapitalmarktstratege bei der Baader Bank, betont, dass die Ausblicke der Unternehmen und deren Strategien zur Kostenkontrolle durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Fokus stehen werden. Unter den Nebenwerten im MDax und SDax gibt es zudem einige Nachzügler, die ihre Jahreszahlen präsentieren werden.
Arbeitsmarktbericht als Indikator für die Geldpolitik
Am Freitag steht außerdem der vielbeachtete Arbeitsmarktbericht aus den USA auf der Agenda, der als wichtiger Indikator für die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed gilt. Sören Wiedau von der Weberbank weist darauf hin, dass die Fed aufgrund steigender Inflationsrisiken ihre Haltung verschärft hat. Zinssenkungen seien erst dann denkbar, wenn die Inflation wieder klar in Richtung Zielwert tendiere. In Europa hat die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen zugenommen.

