Terroranschlag in Australien

Mahnwache für Tote am Bondi Beach - Australien prüft Gesetze

15. Dezember 2025, 14:54 Uhr · Quelle: dpa
Nach Angriff am Bondi Beach
Foto: Bianca De Marchi/AAP/dpa
Zahlreiche Trauernde nehmen an einer Mahnwache an einer Gedenkstätte in Bondi Beach in Sydney teil
Nach dem Angriff auf ein Chanukkafest in Sydney forciert Australien Reformen zu Waffen. Die Mahnwache am Bondi Beach zeigt die Trauer und den wachsenden Druck auf die Regierung.

Sydney (dpa) - Nach den tödlichen Schüssen auf die Teilnehmer eines jüdischen Festes am berühmten Bondi Beach in Sydney will Australiens Regierung die bereits als streng geltenden Waffengesetze verschärfen. «Die Regierung ist bereit, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen», sagte Premierminister Anthony Albanese. Am Montag kamen zahlreiche Menschen am Bondi Beach zu einer Mahnwache zusammen, um der 15 am Vortag getöteten Menschen zu gedenken, wie auf Fotos zu sehen war. 

27 Verletzte wurden der australischen Nachrichtenagentur AAP zufolge am Montag noch in Krankenhäusern behandelt. Sechs von ihnen seien in kritischem Zustand, sechs weitere in kritischem, aber stabilem Zustand, teilten die australischen Gesundheitsbehörden mit.

Angreifer waren Vater und Sohn - im Visier des Geheimdienstes

Die Ermittler identifizierten die beiden Angreifer als Vater und Sohn. Der 50-jährige Vater war von Einsatzkräften am Tatort erschossen worden, womit die Zahl der Toten des Zwischenfalls auf 16 steigt. Der 24-jährige Sohn wurde von der Polizei angeschossen und liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die australische Regierung stufte die Tat als antisemitischen Terroranschlag ein. Das Motiv der beiden ist aber weiter unbekannt. 

Der Vater sei 1998 mit einem Studentenvisum in Australien eingereist, meldeten örtliche Medien. Sein Sohn sei in Australien geboren. Ihrer Familie hätten sie erzählt, sie seien über das Wochenende auf einem Angel-Ausflug - stattdessen griffen sie das Chanukkafest an. Auf Videoaufnahmen war unter anderem zu sehen, wie sie von einer nahegelegenen Brücke am Strand Schüsse abfeuerten.

Albanese bestätigte, dass der australische Inlandsgeheimdienst den Sohn vor sechs Jahren wegen Verbindungen zu einer in Sydney ansässigen Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) überprüft hatte. Örtliche Medienberichte, wonach in einem Auto der Angreifer auch zwei IS-Flaggen gefunden wurden, bestätigte die Polizei mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht. 

Sorge über steigende Zahl von Waffen im Land 

Der Anschlag am Sonntag sorgte in Australien für Entsetzen: Es war der schlimmste Fall von Schusswaffengewalt in dem Land seit einem Amoklauf 1996 auf der Insel Tasmanien mit 35 Toten in der Stadt Port Arthur. Nach diesem Vorfall waren in Australien bereits strenge Waffengesetze eingeführt worden. Es gab jedoch in letzter Zeit Medienberichten zufolge Sorge über eine steigende Zahl an Waffen im Land.

Nun seien die Verantwortlichen bei Polizei und Staatsanwaltschaft aufgefordert, Optionen auszuarbeiten, um die Gesetze weiter zu verschärfen, sagte Albanese nach einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts. Konkrete Reformen seien aber nicht beschlossen worden, berichteten örtliche Medien.

Geprüft werden sollen demnach ein Verbot von Waffen, die mit 3D-Druckern hergestellt werden können, sowie eine Beschränkung der Anzahl an Schusswaffen, die ein Bürger besitzen darf. Außerdem sei mit den Regierungschefs der Bundesstaaten besprochen worden, den Import von Waffen einzuschränken und Waffenlizenzen nur an australische Staatsbürger zu vergeben.

Albanese: Kein Zusammenhang mit Anerkennung eines Staates Palästina

Dass Australien wie andere Länder dieses Jahr einen Staat Palästina formell anerkannt habe, habe mit dem Anschlag nichts zu tun, sagte Albanese mit Blick auf Vorwürfe von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Er sehe keinen Zusammenhang, ergänzte er in einem TV-Interview. Die Mehrheit der Welt erkenne eine Zweistaatenlösung als den richtigen Weg an, so Albanese im Sender ABC Australia weiter. Es solle im Land aber noch konsequenter gegen Antisemitismus vorgegangen werden. «Dies waren außerordentlich traumatische 24 Stunden. Meine Aufgabe ist es, die jüdische Gemeinde zu unterstützen und deutlich zu machen, dass die Australier in dieser schwierigen Zeit überwältigend hinter der jüdischen Gemeinde stehen,» sagte er.

Nach dem Anschlag hatte Netanjahu Australien vorgeworfen, mit der Anerkennung «Öl ins antisemitische Feuer» gegossen und nicht entschlossen gegen Antisemitismus gekämpft zu haben. 

Holocaust-Überlebender unter Todesopfern

Unter den Toten des Angriffs auf Feiernde am Bondi Beach sei auch der Holocaust-Überlebende Alex Kleytman, berichtete «The Australian». Seine Frau, nach Angaben der Zeitung ebenfalls eine Holocaust-Überlebende, sagte dem Blatt, sie seien beide am Bondi Beach gewesen, um das jüdische Lichterfest Chanukka zu feiern. Sie seien seinerzeit von der Ukraine nach Australien ausgewandert und seit fast 60 Jahren verheiratet gewesen. Zudem befinden sich unter den Todesopfern Berichten zufolge auch ein zehnjähriges Mädchen und zwei Rabbiner. Zahlreiche Menschen nahmen am Montag an einer Trauerzeremonie für die Opfer teil. Der Premierminister legte nahe dem Tatort Blumen nieder.

Kritik an Australien wegen mangelnden Schutzes jüdischen Lebens

«Wir haben einen klaren Mangel an Führungsstärke beim Schutz jüdischer Australier gesehen», kritisierte Oppositionsführerin Sussan Ley. Sie sagte weiter: «Wir haben eine Regierung, die Antisemitismus als ein Problem betrachtet, das gemanagt werden muss, und nicht als ein Übel, das ausgerottet werden muss».

Premierminister Albanese wiederum sagte: «In unserem Land ist kein Platz für diesen Hass, diese Gewalt und diesen Terrorismus». Ein Angriff auf jüdische Australier sei «ein Angriff auf alle Australier». Er rief seine Landsleute auf, als Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu Hause eine Kerze zu entzünden. «Wir sind stärker als die Feiglinge, die dies getan haben», sagte er. In Australien leben etwa 120.000 Menschen jüdischen Glaubens.

Kriminalität / Extremismus / Terrorismus / Waffen / Australien
15.12.2025 · 14:54 Uhr
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