US-Angriff auf Venezuela

Maduro vor Gericht in New York: «Ich bin nicht schuldig»

05. Januar 2026, 21:54 Uhr · Quelle: dpa
Nach dem US-Angriff auf Venezuela - Maduro
Foto: WABC/WABC TV/AP/dpa
Nicolás Maduro wurde von Spezialkräften begleitet.
Nicolás Maduro plädiert in New York auf nicht schuldig zu US-Anklagen wegen Drogenschmuggels, was internationale Kritik auslöst.

New York (dpa) - Unter weltweiter Beobachtung hat sich der von US-Spezialkräften gefangengenommene venezolanische Präsident Nicolás Maduro vor einem Gericht in New York für «nicht schuldig» erklärt. Der 63-Jährige wurde in Gefängniskleidung zu seiner ersten Anhörung vorgeführt. Auf Spanisch sagte er, er sei «entführt» worden.

«Ich bin nicht schuldig», sagte Maduro laut Übersetzer, wie eine dpa-Reporterin aus dem Gerichtsgebäude berichtete. Er ergänzte: «Ich bin ein anständiger Mensch, ich bin immer noch der Präsident meines Landes». Richter Alvin Hellerstein unterbrach ihn und sagte, es gebe die Zeit und den Ort dafür, sich ausführlicher zu äußern. Gefragt worden war Maduro nur nach seiner Identität.

Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores waren am Wochenende von US-Soldaten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gefangengenommen worden und in eine Haftanstalt in New York gekommen. Dem sozialistischen, autoritär  Politiker werden vier Anklagepunkte vorgeworfen, unter anderem «Verschwörung zum Drogenterrorismus». 

Auch Maduros ebenfalls angeklagte Frau sagte, sie sei «komplett» unschuldig. Die Strafverteidiger des Paares sprachen von gesundheitlichen Problemen Maduros sowie von Verletzungen, die Flores erlitten habe, ohne genau ins Detail zu gehen.

Maduro blickt zu seiner Frau

Die Anhörung wurde in andere Räume im Gerichtsgebäude übertragen. Maduro und seine Ehefrau saßen an einer Tischreihe, aber nicht direkt nebeneinander. Maduro blätterte in Akten und machte sich Notizen. Beide waren umgeben von Anwälten. Als Maduros Ehefrau vor dem Richter sprach, blickte der entmachtete Staatschef zu seiner Frau.

Eine Freilassung gegen Kaution werde «zum jetzigen Zeitpunkt» nicht angestrebt, sagte Maduros Anwalt. Die nächste Anhörung wurde auf den 17. März terminiert. Richter Alvin Hellerstein sagte, es sei sein Job, dass es zu einem fairen Prozess komme.

Auf der Straße vor dem Bundesgericht hatten sich vor der gut 30-minütigen Anhörung Dutzende Demonstranten versammelt - sowohl Unterstützer Maduros als auch solche von US-Präsident Donald Trump, der den Angriff auf das südamerikanische Land und die Verschleppung des Präsidenten als einen Coup für sich verbucht hatte.

Schwere Vorwürfe gegen Maduro

Mitangeklagt in New York ist auch Maduros Sohn, der weiter in Venezuela ist. Zudem richten sich die Vorwürfe unter anderem gegen den aktuellen sowie den früheren Innenminister.

Maduros Sohn, der Abgeordnete Nicolás Maduro Guerra, prangerte vor dem Parlament in Caracas das gewaltsame Vorgehen der USA an. «Wenn wir die Entführung von Staatschefs normalisieren, ist kein Land mehr sicher. Heute ist es Venezuela, morgen kann es jedes andere Land sein, das sich nicht unterwirft.»

Die USA werfen Maduro vor, sein aus deren Sicht illegal erlangtes Amt dafür genutzt zu haben, dass Tausende Tonnen Kokain in die USA transportiert werden konnten. Maduro habe selbst für sich daraus Vorteile gezogen und soll sich dafür mit Drogenhändlern verbündet haben.

Diskussion über die Rechtsmäßigkeit des US-Vorgehens

Experten betrachten den US-Angriff auf Venezuela als Verstoß gegen das Völkerrecht. Eine zentrale Frage ist auch, ob Maduro als Staatschef nicht besondere Immunität genießen sollte - und entsprechend nicht hätte außer Landes geschafft und angeklagt werden dürfen. Der Anwalt Maduros deutete bei der ersten Anhörung bereits an, dass es Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens gebe. 

Staatsoberhäupter genießen nach geltendem Gewohnheitsrecht persönliche Immunität, wie Holger Hestermeyer, der an der Diplomatischen Akademie Wien Internationales Recht und EU-Recht lehrt, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte. «Sie können nicht vor Gerichten anderer Staaten angeklagt werden», sagte er. Die USA dürften sich seiner Einschätzung nach aber darauf berufen, dass sie Maduros Regierung wie viele andere Staaten nicht anerkannt haben. Die Konsequenzen daraus seien aber umstritten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte zudem die von den USA angewandte «Methode» zur Festnahme. Diese werde von Frankreich «weder unterstützt noch gebilligt». 

Am Montag verurteilten außerdem Russland und China das Vorgehen der USA in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates scharf. Russland beschrieb es als «Vorbote einer Rückkehr in eine Ära der Gesetzlosigkeit und US-Dominanz durch Gewalt, Chaos und Willkür». China kritisierte: «Kein Land kann als Weltpolizei agieren, und kein Staat kann sich anmaßen, der internationale Richter zu sein». Beide Länder forderten die Freilassung Maduros und seiner Ehefrau.

«New York Times»: mehr als 80 Tote bei US-Angriff

Die venezolanische Regierung hat bislang nicht mitgeteilt, wie viele Menschen bei dem US-Einsatz zur Ergreifung Maduros getötet und verletzt wurden. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen ranghohen venezolanischen Beamten von über 80 Toten. Die zur geschäftsführenden Präsidentin ernannte Delcy Rodríguez besuchte am Montag verletzte Soldaten.

Die Regierung in Venezuela richtete eine Kommission ein, die sich für die Freilassung des seit 2013 amtierenden Präsidenten und dessen Frau einsetzen soll. Der Arbeitsgruppe gehören unter anderem der am Montag wieder gewählte Parlamentspräsident Jorge Rodríguez und Außenminister Yván Gil an. Beobachter halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass die US-Behörden Maduro wieder auf freien Fuß setzen.

Militärs sollen Drogenhändler gegen Schmiergeld gewähren lassen

Nach Auffassung der US-Regierung ist Maduro schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr der rechtmäßige Präsident des südamerikanischen Landes. Damals verlor er nach Einschätzung der Opposition und internationaler Beobachter die Präsidentenwahl. Das regierungstreue Wahlamt erklärte ihn trotzdem zum Sieger, und er ließ sich für eine weitere Amtszeit vereidigen.

Die US-Regierung geht davon aus, dass Maduro und ranghohe Militärs über das sogenannte «Cartel de los Soles» (Kartell der Sonnen) in den Drogenhandel verstrickt sind. Der Name ist den Sonnen auf den Schulterklappen venezolanischer Generäle entlehnt. 

Bei dem Kartell handelt es sich nach Einschätzung von Sicherheitsexperten allerdings nicht um eine hierarchisch organisierte Gruppe, die selbst mit Drogen handelt, sondern vielmehr um ein System der Patronage, in dem die Militärs gegen Schmiergeld bereits etablierte Verbrechersyndikate in Venezuela operieren lassen und ihnen gegebenenfalls Schutz anbieten.

Konflikte / Justiz / USA / Venezuela / Drogenhandel / Völkerrecht
05.01.2026 · 21:54 Uhr
[4 Kommentare]
Franziska Brantner (Archiv)
Berlin - Die vom israelischen Parlament beschlossene Einführung der Todesstrafe stößt bei den Grünen auf scharfe Ablehnung. "Die Bundesregierung darf nicht länger wegschauen, sondern muss handeln", sagte die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner dem "Spiegel". "Es braucht jetzt zumindest gezielte Sanktionen gegen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir und […] (00)
vor 17 Minuten
Europa verliert seine Häuser und Deutschland schneller als fast jedes andere Land. Trotzdem legen die Deutschen beim Wohnen so viel Wert auf privates Grün wie keine andere Nation. Eine neue Datenanalyse zeigt, wie das zusammenpasst. In Deutschland galt das Haus mit Garten lange als der Inbegriff des guten Lebens. Doch die Realität hat sich verschoben: […] (00)
vor 1 Stunde
Apple plant offenbar einen iMac mit OLED Display
Nach aktuellen Berichten des südkoreanischen Magazins ZDNet Korea arbeitet Apple an einer bedeutenden Weiterentwicklung seines All-in-One-Rechners. Ein iMac mit OLED-Display soll sich in der Planungsphase befinden und Nutzern zukünftig eine sichtbar höhere Helligkeit bieten. Schreibtischregal, Quelle: Unsplash OLED Muster von Samsung und LG in Arbeit Um diesen Schritt vorzubereiten, hat […] (00)
vor 2 Stunden
Xbox Games Showcase im Juni – Gears of War: E-Day steht im Rampenlicht
Microsoft lädt ein – und dieses Jahr hat die Einladung ein besonders schweres Gewicht. Denn unmittelbar nach dem Xbox Games Showcase folgt ein eigens dediziertes Direktformat für eines der meisterwarteten Spiele des Jahres: Gears of War: E-Day. Wer schon lange auf handfeste Neuigkeiten zum Prequel der kultigen Kettensägengewehr-Reihe wartet, dürfte sich […] (00)
vor 2 Stunden
Sydney Sweeney
(BANG) - 'The Housemaid’s Secret' wird im Jahr 2027 veröffentlicht. Die mit Spannung erwartete Fortsetzung des Films 'The Housemaid', in dem Millie Calloway (Sydney Sweeney) in ihrem Lebenslauf lügt, um als Kindermädchen bei dem wohlhabenden Paar Nina (Amanda Seyfried) und Andrew Winchester (Brandon Sklenar) – das gefährliche Geheimnisse hat – zu […] (01)
vor 5 Stunden
Svetislav Pesic
München (dpa) - Basketball-Trainerlegende Svetislav Pesic will nach der Spielzeit endgültig in den Ruhestand gehen. «Ich weiß schon, man glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich aufhöre. Aber nach dieser Saison reicht es nun wirklich», sagte der 76-Jährige in einem Interview der «Zeit». Der Serbe betreut aktuell den FC Bayern und will mit den Münchnern noch […] (00)
vor 1 Stunde
bitcoin, cryptocurrency, finance, blockchain, money, currency, crypto, coin, digital, virtual
Encrypt führt die Technologie der vollhomomorphen Verschlüsselung (FHE) in das Solana-Ökosystem ein, um schnelle, vollständig vertrauliche und zusammensetzbare Anwendungen zu ermöglichen. Diese Entwicklung zielt darauf ab, verschlüsselte Kapitalmärkte auf der Solana-Blockchain zu etablieren. Solana gilt als führendes Ökosystem für Blockchain-Entwickler […] (00)
vor 26 Minuten
Spring-Boost – Startklar in den Frühling
Lastrup, 31.03.2026 (PresseBox) - Mit der Kampagne „Spring-Boost – Startklar in den Frühling" bietet der Böckmann Online Shop ab sofort exklusive Frühjahrsangebote für Anhänger-Besitzer. Bis zum 30. April 2026 profitieren Kunden von speziellen Paketen und reduzierten Preisen für Pflege- und Zubehörprodukte. Perfekt vorbereitet in die Turniersaison […] (00)
vor 1 Stunde
 
Wölfe in Gehege
Hamburg (dpa) - Der Angriff eines später eingefangenen Wolfes auf eine Frau in Hamburg […] (00)
Carsten Linnemann und Friedrich Merz (Archiv)
Berlin - Die Union liegt in der von Forsa gemessenen Wählergunst weiter knapp vor der […] (00)
Wölfe in Gehege
Hamburg (dpa) - Vor dem Angriff auf eine Frau in Hamburg-Altona ist der Wolf nach […] (01)
Containerschiff (Archiv)
Wiesbaden - Die Importpreise in Deutschland sind im Februar 2026 um 2,3 Prozent […] (00)
Jenke kriegt in Wiederholung keine Geschenke
In den letzten Wochen lief es schon für neue Reportagen ganz schlecht - da ließ eine Re-Run- […] (00)
Marktübersicht Der deutsche Aktienmarkt sieht sich zu Beginn der verkürzten […] (00)
BLACKPINK-Star Lisa
(BANG) - BLACKPINK-Star Lisa ist die erste K-Pop-Künstlerin, die eine feste Showreihe […] (00)
Bus Bound gibt Release Datum bekannt und zeigt eine lebendige Metropole für Solo- und Koop-Fahrer
Fahrsimulationen haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt – […] (00)
 
 
Suchbegriff