Maas im Hauptquartier von General Haftar

16. Januar 2020, 17:15 Uhr · Quelle: dpa

Bengasi (dpa) - Der Minister, der Feldmarschall und die heimliche Hauptstadt: Der einflussreiche und militärisch erfolgreiche General Chalifa Haftar, ein Hauptakteur im libyschen Bürgerkrieg, empfängt Außenminister Heiko Maas (SPD) in seinem Hauptquartier in Bengasi im Nordosten des Landes.

Der Militärkomplex nahe dem Flughafen ist am Donnerstag weiträumig abgesperrt, als Maas in einer Kolonne schwerer Geländewagen, gestellt von einer französischen Sicherheitsfirma, anrollt.

Auch für den Flug von Berlin in das Bürgerkriegsland wurde ein ziviler Businessjet angemietet. Langes Händeschütteln und ein: «Ich freue mich, Sie zu sehen». Es kann ein Schlüsselmoment werden im Engagement Deutschlands, das bisher kein großes Gewicht in dem Konflikt entfaltet hat, nun aber als ehrlicher Mittler zwischen den Konfliktparteien im Land und den ausländischen Akteuren gelten kann.

Nicht als Militärmacht tritt Deutschland an, sondern als Dialogmacht. Europa hat aber erhebliches Interesse an Stabilität an der Südküste des Mittelmeeres. Libyen ist ein wichtiger Öllieferanten der Europäischen Union. Das Land hat sich durch das Chaos in den vergangenen Jahren aber auch zu einem der wichtigsten Transitstaaten für Flüchtlinge auf dem Weg Richtung Norden entwickelt. Die Macht in Libyen ist gespalten zwischen der Regierung in Tripolis und einer zweiten im Osten Libyens, die mit Haftar verbündet ist.

Haftar (76) kontrolliert gemeinsam mit Verbündeten einen Großteil Libyens. Seine Truppen kämpfen um Tripolis und haben ihren Kampf in den vergangenen Wochen noch verstärkt. «Unsere Botschaft ist klar: Dieser Konflikt ist für niemanden militärisch zu gewinnen», sagt Maas aber. Drei Tage vor dem in Berlin geplanten Libyen-Gipfel trifft er Haftar erstmals persönlich.

Das Gespräch dauert fast drei Stunden. Die Botschaften, die Maas anschließend verkündet, klingen ziemlich zuversichtlich. Haftar sei zu einem Waffenstillstand bereit - auch wenn er eine Vereinbarung darüber bisher nicht unterzeichnen wollte. Der General wolle auch, dass der große Libyen-Gipfel in Berlin am Sonntag ein Erfolg werde. Und er sei sogar bereit, dafür nach Deutschland zu kommen.

Stoßrichtung der Konferenz ist es vor allem, internationale Einigkeit herzustellen: Ein Waffenstillstand, eine Verpflichtung ausländischer Mächte zur Einhaltung des Waffenembargos sowie eine gemeinsame internationale Sicht auf Libyen als ein einheitlicher Staat mit zentral kontrollierten Sicherheitskräften und Institutionen.

Die Teilnehmer der Berliner Konferenz sollen sich dann einzelner Themen annehmen und diese verantwortlich weiterführen. Machtpolitische Ziele und ein Ringen um die Aufteilung von Rohstoffen haben in Libyen eine brisante Mischung ergeben. Die Konfliktparteien werden von konkurrierenden Staaten wie Russland, der Türkei, Frankreich, Italien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt. Zunehmend sollen auch ausländische Söldner im Einsatz sein. Demnach hat Haftar militärische Unterstützung aus Russland, dem Tschad und dem Sudan.

Die Türkei hat zur Unterstützung der Regierung in Tripolis auch islamistische, syrische Milizen geschickt. Auch Frankreich und Italien, traditionell Käufer des libyschen Öls, konkurrieren. Praktisch unbeteiligt an diesen Machtkämpfen: Deutschland - aber vielleicht gerade deswegen als Makler einer Lösung geeignet.

Der säkulare Haftar - in der Sowjetunion und Ägypten militärisch ausgebildet und später auch US-Staatsbürger - ist eine militärisch und politisch überaus schillernde Figur. Im Jahr 1969 half er dem späteren Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi beim Putsch gegen König Idris von Libyen. Es folgte eine steile militärische Laufbahn und die Beteiligung am arabisch-israelischen Krieg 1973. Als Militärführer erlebte er die Niederlage bei der Intervention im Tschad und Kriegsgefangenschaft.

Bei Gaddafi fiel er in Ungnade. Die US-Amerikaner holten ihn angeblich aus der Kriegsgefangenschaft. Jedenfalls lebte Haftar 20 Jahre lang in den USA, was später zu Spekulationen führte, er habe mit dem US-Geheimdienst CIA zusammengearbeitet. Im Jahr 2011 kehrte er nach Libyen zurück und kämpfte gegen Langzeitherrscher Gaddafi, der schließlich gestürzt und auf der Flucht getötet wurde.

Seit dem vom Westen unterstützen Sturz Gaddafis tobt in Libyen der Bürgerkrieg. Die Türkei unterstützt die international anerkannte Regierung von Al-Sarradsch. Russland stärkt - wie Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) - General Haftar. Der hat inzwischen die Kontrolle über weite Teile des Landes gewonnen. Haftar erscheint als wendig, ob er verlässlich ist, wird sich zeigen. Gegen ihn aber - so scheint es - geht kaum noch etwas.

Das weiß auch Maas. Deswegen die Reise nach Bengasi kurz vor dem Gipfel. Sein persönlicher Eindruck von seinem Gesprächspartner: «General Haftar ist ein Militär und deshalb der Auffassung, dass der Konflikt militärisch zu lösen ist.» Aber immerhin bestehe Gesprächsbereitschaft über einen politischen Prozess hin zu einer Friedenslösung, fügt Maas dann noch hinzu.

Konflikte / Libyen / Deutschland
16.01.2020 · 17:15 Uhr
[0 Kommentare]
Iran-Krieg - Ölraffinerie in Kuwait
Doha/Tel Aviv/Teheran/Damaskus (dpa) - Die Öl- und Gaslieferungen vom Golf werden wegen des Iran-Kriegs nach Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte der britischen «Financial Times», der Krieg sei «die größte Bedrohung für die globale […] (03)
vor 3 Minuten
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo fällt es schwer, Songs zu schreiben, wenn sie glücklich ist. Die Sängerin steht kurz vor der Veröffentlichung ihres derzeit noch unbetitelten dritten Albums – das auf 'Sour' aus dem Jahr 2021 und dessen Nachfolger 'Guts' aus dem Jahr 2023 folgt – doch sie hat zugegeben, dass es ihr schwerfällt, melancholische Musik zu schreiben, […] (00)
vor 2 Stunden
ARD-Sendung "Immer wieder sonntags"
Baden-Baden (dpa) - Die ARD setzt die Schlagersendung «Immer wieder sonntags» ab. In diesem Jahr werden die letzten 13 Live-Ausgaben des Formats mit dem Traunsteiner Moderator Stefan Mross (50) produziert, wie der SWR in Baden-Baden auf Anfrage bestätigte. Die Sendung läuft seit rund 30 Jahren im Ersten und gehört zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in […] (00)
vor 1 Stunde
Nvidia DLSS 5 Showcase: Capcom Ubisoft und Co. wurden offenbar nicht vorab informiert
Nvidias DLSS 5 hat seit seiner Präsentation keine ruhige Minute erlebt. Erst die Kritikwelle aus der Community, dann Jensen Huangs kämpferische Gegendarstellung – und jetzt ein Bericht, der die ganze Angelegenheit in einem noch unvorteilhafteren Licht erscheinen lässt. Denn offenbar waren nicht nur Außenstehende überrascht von dem, was Nvidia zeigte. […] (00)
vor 41 Minuten
Chuck Norris ist tot
Mit Chuck Norris verliert die Film- und Fernsehwelt einen der prägendsten Actionstars des 20. Jahrhunderts. Der US-Schauspieler und Kampfsportler Chuck Norris ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Wie seine Familie mitteilte, starb er im Kreis seiner Angehörigen. Mit Norris geht eine Figur, die wie kaum eine andere für Härte, Disziplin und ein sehr spezifisches Bild des amerikanischen […] (00)
vor 1 Stunde
Bayern-Trainer Vincent Kompany
München (dpa) - Bayern-Trainer Vincent Kompany blickt in diesem Jahr mit einem nicht ganz so mulmigen Gefühl auf die anstehende Länderspielpause, in der fast alle Münchner Profis von Harry Kane bis Michael Olise international im Einsatz sind. Inklusive der beiden Neulinge Jonas Urbig und Lennart Karl sind allein sieben Bayern-Profis für die WM-Tests der […] (00)
vor 4 Stunden
kostenloses stock foto zu 4k wallpaper, anlagekonzept, bitcoin
Ein global tätiges asiatisches Unternehmen im Bereich Lebensmittel und digitale Vermögenswerte hat seinen Bitcoin-Bestand auf 2.383 BTC erhöht. Der Wert dieser Bestände übersteigt den Börsenwert des Unternehmens um mehr als das Doppelte. Diese Diskrepanz hat sich im Laufe der Zeit vergrößert, da das Unternehmen kontinuierlich Bitcoin zukauft. Berichten […] (00)
vor 49 Minuten
Gute Resonanz auf der didacta 2026 in Köln
Freudenstadt, 20.03.2026 (PresseBox) - Die didacta 2026 in Köln war für uns ein voller Erfolg. Vom 10. bis 14. März durften wir unsere Lösungen für moderne Lern-, Ausbildungs- und Laborumgebungen einem internationalen Fachpublikum präsentieren – und stießen dabei auf durchweg große Resonanz. Besonders erfreulich war der intensive Austausch mit […] (00)
vor 1 Stunde
 
Prozess gegen einen Staatsanwalt in Hannover
Hannover (dpa) - Er hat sich vermutlich kaum vorstellen können, jemals selbst auf der […] (01)
Deutsche Kriegsschiffe (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung hält sich mit Blick auf eine mögliche deutsche […] (00)
EU-Gipfel
Brüssel (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen EU-Spitzen haben Ungarns […] (37)
Unheilig am 20.03.2026
Baden-Baden - Die Elektro-Rock-Band "Unheilig" ist neu auf Platz eins der deutschen […] (01)
Uber
San Francisco (dpa) - Der Tesla-Rivale und VW-Partner Rivian bekommt die Aussicht auf […] (01)
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo freut sich "so sehr" über Sabrina Carpenters Erfolge, obwohl […] (00)
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Der Kurs von Bittensors TAO stieg am Donnerstag stark an und erreichte am frühen […] (00)
Drehstart für neuen Scorsese-Film «What Happens at Night»
Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence übernehmen die Hauptrollen im neuen Apple-Originalfilm. […] (00)
 
 
Suchbegriff