Lufthansa und die Schatten der Vergangenheit: Ein wagemutiger Blick auf die eigene Historie

In einem bemerkenswert offenen Schritt hat sich die Lufthansa zu ihrer Rolle im Nationalsozialismus bekannt. Vorstandschef Carsten Spohr erklärte, das Unternehmen sei unzweifelhaft Teil des damaligen Systems gewesen, einschließlich der geheimen militärischen Aufrüstung und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Diese Offenheit kommt anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ersten Lufthansa, die 1926 gegründet wurde.
Der Historiker Manfred Grieger, Mit-Autor einer kürzlich in Auftrag gegebenen Unternehmensgeschichte, unterstreicht, dass die Lufthansa fest in das NS-Regime eingebunden war. Diese Verstrickung wurde dem Unternehmen schließlich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Verhängnis. Trotz dieser Vergangenheit nimmt der heutige Lufthansa-Konzern, der rechtlich nicht mit dem NS-Unternehmen verbunden ist, direkt Bezug auf seine fliegerischen Ursprünge.
Mit dem neuen Werk der Historiker Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski, das im März erscheinen wird, geht Lufthansa noch einen Schritt weiter. Eine begleitende Ausstellung soll die Entwicklungen während der NS-Zeit beleuchten. Die Forschung zur Rolle der Zwangsarbeiter wird ebenfalls intensiviert, besonders durch neu gefundene Archivmaterialien in Polen und Tschechien.
Andrea Schneider-Braunberger von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte hebt hervor, dass nur wenige Firmen eine so fundierte Auseinandersetzung mit ihrer NS-Vergangenheit veranlasst haben. Spohr betont die Unterstützung aus der Belegschaft für diesen transparenten Umgang mit der Geschichte und kündigte weitere Forschungen an. Der Historiker Grieger wird diesen Prozess aktiv begleiten.

