Lucid Group: Kaufgelegenheit bei unter 5 Dollar?
Die Aktienwerte von Elektrofahrzeugherstellern sind vor einigen Jahren in beeindruckende Höhen gestiegen, darunter auch die von Lucid Group. Günstige Finanzierungsmöglichkeiten trieben die Investitionen in die Elektromobilität an. Doch mit steigenden Zinsen und zunehmenden Fahrzeugkosten kehrten die meisten dieser Aktien wieder zur Erde zurück.
Der Aktienkurs von Lucid ist in den letzten drei Jahren um rund 80% gefallen, was ihn aktuell auf unter 5 Dollar drückt. Lohnt sich jetzt der Einstieg bei Lucid? Lassen Sie uns die positiven Entwicklungen und Herausforderungen des Unternehmens beleuchten, um eine fundierte Investmentstrategie zu entwickeln.
Zunächst die guten Nachrichten: Im August erhielt Lucid eine Zusage über 1,5 Milliarden Dollar vom saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), der bereits der größte finanzielle Unterstützer von Lucid ist und bisher Milliarden in das Unternehmen investiert hat. Diese Finanzspritze hat die Sorgen über Lucids hohe Ausgaben zumindest teilweise beruhigt; das Unternehmen versucht, die Fahrzeugproduktion hochzufahren. Lucid behauptet, die Kapitalzufuhr werde das Unternehmen bis ins vierte Quartal 2025 finanziell absichern.
Das ist zweifellos positiv, insbesondere da sich Lucid auf die Einführung seines Gravity SUV vorbereitet. Bisher hat Lucid nur Variationen seines Air-Luxussedans hergestellt. Mit dem Gravity könnte Lucid nun das SUV-Segment erschließen und den amerikanischen Konsumenten bedienen, die eine Vorliebe für SUVs haben. Der Gravity soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und wird einen Einstiegspreis von unter 80.000 Dollar haben.
Doch es gibt auch erhebliche Hindernisse, denen sich Lucid stellen muss. Ein zentrales Problem bleibt die geringe Fahrzeugproduktion. Im vergangenen Jahr hat Lucid lediglich 8.428 Fahrzeuge produziert und prognostiziert für dieses Jahr etwa 9.000 Fahrzeuge. Diese Produktion liegt weit hinter den anfänglichen Erwartungen zurück, als das Unternehmen beim Börsengang von 90.000 Fahrzeugen bis 2024 sprach. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Rivian Automotive konnte im vergangenen Jahr über 57.000 Fahrzeuge herstellen.
Nicht nur ist die Produktion schleppend, auch die Verkaufszahlen sind bislang nicht überzeugend. Der Umsatz des ersten Quartals stieg um lediglich 15,5%, im zweiten Quartal um 33% auf gerade einmal 200 Millionen Dollar. Lucid verzeichnete im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 1,3 Milliarden Dollar. Zudem mussten in der zweiten Jahreshälfte Preissenkungen von bis zu 10% auf den Air Sedan vorgenommen werden, was den Absatz vorübergehend ankurbeln sollte. Diese Strategie bringt jedoch für ein junges Start-up, das jeden Dollar maximieren muss, klare Nachteile mit sich.
Obwohl Lucid qualitativ hochwertige Fahrzeuge produziert, bleibt fraglich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Investition ist. Das Unternehmen muss zunächst beweisen, dass es Produktionskapazitäten deutlich erhöhen und wesentlich mehr Fahrzeuge verkaufen kann. Bis dahin wird Lucid weiterhin erhebliche Mittel verbrauchen. Vielleicht kann der neue Gravity SUV das Blatt wenden, doch dafür gibt es keine Garantie. Hinzu kommt, dass Lucids Aktien aktuell mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 14,6 deutlich teurer gehandelt werden als die von Rivian, die bei lediglich 2,8 liegen.
Alles in allem könnte es für Anleger ratsamer sein, zunächst abzuwarten, ob Lucid seine größten Probleme lösen kann, bevor sie in das Unternehmen investieren.

