Tarifkonflikt

Lokführer bestreiken die Bahn sechs Tage lang

22. Januar 2024, 16:10 Uhr · Quelle: dpa
Diesmal trifft es auch Wochenendausflügler: Fast sechs Tage will die Lokführergewerkschaft GDL streiken. Im Konzern und in der Bundesregierung stößt das Vorgehen der Gewerkschaft auf Unverständnis.

Berlin (dpa) - 136 Stunden Streik - noch nie hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) während der Amtszeit ihres Chefs Claus Weselsky zu einem so langen Arbeitskampf auf der Schiene aufgerufen. Der bisher längste GDL-Ausstand im Personenverkehr legte im Jahr 2015 für 127 Stunden weite Teile des Bahnverkehrs in Deutschland lahm. Ab Mittwoch müssen sich Pendlerinnen und Pendler sowie Wochenendausflügler erneut fast volle sechs Tage lang auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Im Güterverkehr beginnt der Streik bereits am Dienstagabend.

Es ist der vierte Arbeitskampf im laufenden Tarifkonflikt und der erste, der über ein komplettes Wochenende gehen soll. Die Bahn kündigte wie schon bei den vorigen Ausständen einen Notfahrplan mit einem deutlich reduzierten Angebot an. Erneut dürften Tausende Fahrten ausfallen. Im Fernverkehr fuhr bei den vorigen GDL-Aktionen lediglich jeder fünfte Zug. Im Regionalverkehr waren die Einschränkungen sehr unterschiedlich.

Bahn zieht nicht vor Gericht

Der Ausstand soll im Personenverkehr am frühen Mittwochmorgen um 2.00 Uhr losgehen und bis Montagabend 18.00 Uhr andauern. Im Güterverkehr beginnt der Streik bereits am Dienstagabend. Anders als beim dritten Streik der Gewerkschaft vor anderthalb Wochen will die Bahn dieses Mal nicht gerichtlich dagegen vorgehen. «Eine einstweilige Verfügung zu erwirken ist nach rechtlicher Prüfung aktuell nicht geplant», teilte das Unternehmen mit.

Beim vorigen Arbeitskampf der GDL war der Konzern vor das Arbeitsgericht Frankfurt sowie vor das Landesarbeitsgericht Hessen gezogen, unterlag aber in beiden Instanzen. «Wir sind nicht gestoppt worden, weil unsere Streiks rechtmäßig, verhältnismäßig und zulässig sind», sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Berlin. Er führt die Gewerkschaft seit 2008.

GDL sieht keine Verhandlungsgrundlage

Den langen Streik verteidigte er mit Verweis auf das jüngste Angebot der Deutschen Bahn. Dabei sei der Arbeitgeber der Gewerkschaft erneut nicht entgegen gekommen, betonte der Gewerkschaftschef. «Wir können lesen. Wir wissen, was dort geschrieben steht. Und es ist keine Verhandlungsgrundlage zum Einstieg in einen Verhandlungstermin mit der DB.»

Bahnchef Richard Lutz kritisierte die Gewerkschaft am Montag während der Auftaktfeier für die neue Infrastrukturgesellschaft InfraGo in Berlin. «Statt endlich zu verhandeln, stürzt sich die GDL in den nächsten langen Streik, unter dem das ganze Land leidet», sagte Lutz. «Die GDL verschärft den Konflikt und setzt aktuell alles ausschließlich auf Eskalation», betonte er.

Minister Wissing: «null Verständnis»

Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte im ZDF-Morgenmagazin, er habe «null Verständnis für diese Form der Tarifauseinandersetzung». Seiner Meinung nach nimmt der Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL zunehmend destruktive Züge an. «Ich glaube auch nicht, dass Herr Weselsky sich und seiner Gewerkschaft mit diesem Stil einen Gefallen tut», fügte Wissing hinzu.

Ein Ausweg aus der Konfrontation zurück an den Verhandlungstisch ist derzeit nicht absehbar. Weselsky knüpft die Wiederaufnahme von Gesprächen an ein weiteres Entgegenkommen bei seiner Kernforderung: der Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Eine Schlichtung lehnt er weiterhin ab.

Bahn machte neues Angebot

Das jüngste Angebot der Bahn vom vergangenen Freitag sah für Lokführer und Zugbegleiter eine Reduzierung der Arbeitszeit von 38 auf 37 Stunden bei vollem Gehalt ab Januar 2026 vor. Wer sich gegen die Absenkung entscheidet, bekommt gemäß dem Angebot stattdessen 2,7 Prozent mehr Geld. Doch laut Weselsky knüpft die Bahn diese Offerte an die Verfügbarkeit von ausreichend Personal. Dabei fehle das schon jetzt an allen Ecken und Enden.

Mehrere kleinere Bahnunternehmen haben den Forderungen der GDL bereits vollumfänglich zugestimmt und entsprechende Tarifverträge unterschrieben. Doch diese stehen unter Vorbehalt. Sollte ein Unternehmen, etwa die Deutsche Bahn, aus Arbeitgebersicht bessere Tarifbedingungen erzielen, dann würden diese auch bei den bereits geschlossenen Verträgen angewendet.

Keine Verhandlungen mehr seit November

«Natürlich ist diese Gewerkschaft gehalten, die Tarifabschlüsse überall gleich zu machen», sagte Weselsky dazu am Montag. «Weil wir seit zwölf Jahren das Tarifniveau in diesem Land in allen Eisenbahnverkehrsunternehmen angeglichen und vereinheitlicht haben, damit im Wettbewerb eben nicht über die Lohnkosten, die Verkehre gewonnen wird, sondern über Qualität und verbesserte Angebote.»

Der Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL läuft seit Anfang November. Die GDL erklärte die Gespräche bereits nach der zweiten Verhandlungsrunde für gescheitert. Seit dem 24. November wurde nicht mehr verhandelt. Nach einer Urabstimmung unter den GDL-Mitgliedern sind auch unbefristete Streiks möglich.

Bahn / Verkehr / Tarife / Streiks / GDL / Deutsche Bahn / Lokführer / Weselsky / Deutschland
22.01.2024 · 16:10 Uhr
[11 Kommentare]
Weltwirtschaftsforum in Davos
Davos/Moskau (dpa) - Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands wollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten über ein mögliches Kriegsende verhandeln. Das sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos. Die Gespräche auf Expertenebene sollten […] (03)
vor 2 Minuten
Chris Noth
(BANG) - Chris Noth war enttäuscht darüber, wie seine 'Sex and the City'-Kollegin Sarah Jessica Parker sich gegen ihn gewandt hatte, nachdem er von mehreren Frauen wegen sexueller Übergriffe angeklagt worden war. Die Karriere des 71-jährigen Schauspielers ist seit den ersten Vorwürfen gegen ihn im Jahr 2021 eingeschränkt, und er fühlte sich von Parker – […] (00)
vor 4 Stunden
Bericht: Siri soll mit iOS 20 zum ultimativen KI-Angelpunkt werden
Das kommende Betriebssystem-Update, voraussichtlich iOS 20, wird für Apples Sprachassistenz Siri einen historischen Wendepunkt markieren. Wie der renommierte Bloomberg-Experte Mark Gurman berichtet, soll Siri eine grundlegende Überarbeitung erhalten und zur zentralen Schnittstelle für Künstliche Intelligenz auf dem iPhone avancieren. Die digitale […] (00)
vor 1 Stunde
Digitale Bonusaktionen sind 2026 längst Teil des Alltags vieler Internetnutzer. Ob beim Einkauf, beim Bezahlen von Abos oder in Community-Plattformen – Punkte, Cashback und kleine Belohnungen begleiten immer mehr Transaktionen. Auf klamm.de wird dieses Thema seit Monaten intensiv diskutiert, weil es direkt den digitalen Alltag betrifft. Im Mittelpunkt […] (00)
vor 2 Stunden
DAZN bringt FNC 27 erstmals nach Deutschland
Mit FNC 27 feiert eine der größten MMA-Promotions Europas ihre Deutschland-Premiere. DAZN baut sein Kampfsportangebot weiter aus und sichert sich mit der Fight Nation Championship eine der spannendsten MMA-Promotions Europas. Am Samstag, 7. Februar 2026, überträgt der Streamingdienst FNC 27 erstmals live aus Deutschland. Austragungsort ist der hochmoderne SAP Garden in München, wo ab 18: 30 Uhr […] (00)
vor 7 Stunden
Deutschland - Portugal
Herning (dpa) - Erst führte Andreas Wolff die deutschen Handballer mit Weltklasse-Reflexen zum Sieg gegen Portugal. Dann schlüpfte der Torwart auch noch in die Rolle des Streitschlichters und trennte seine Teamkollegen von den sichtlich aufgebrachten Südeuropäern. Angeführt vom herausragenden DHB-Keeper und EM-Neuling Miro Schluroff hat die Auswahl von […] (02)
vor 24 Minuten
Die 2,5-Billionen-Beute: Wie Superreiche jetzt unsere Demokratie kapern
Die globale Finanzarchitektur erlebt derzeit eine tektonische Verschiebung zugunsten einer winzigen Elite. Eine aktuelle Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam legt offen, dass sich die Vermögenskonzentration nicht nur fortsetzt, sondern exponentiell beschleunigt. Die Zahlen für das Jahr 2025 zeichnen das Bild einer entfesselten Akkumulation an der […] (00)
vor 54 Minuten
Sitka Gold: 150 m mit 1,49 g/t Gold – Rhosgobel-Entdeckung wächst & Wolfram als Kicker
Hamburg, 22.01.2026 (PresseBox) - Sitka Gold Corp. (TSX-V: SIG; WKN: A2JG70) hat die finalen Analyseergebnisse aus dem 2025er-Diamantbohrprogramm auf der Rhosgobel-Entdeckung vorgelegt und damit nach eigenen Angaben die bekannte Goldmineralisierung noch einmal ausgedehnt. Rhosgobel liegt innerhalb des zu 100% kontrollierten, ganzjährig per Straße […] (00)
vor 2 Stunden
 
Prozess gegen Neonazi-Kampfsportgruppe „Knockout 51“
Karlsruhe/Jena (dpa) - Gegen mutmaßliche Beteiligte der rechtsextremistischen […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Donnerstagmorgen freundlich in den Handelstag […] (00)
Kabinettssitzung (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung plant ein weitreichendes Verbot von bestimmten […] (06)
Kino (Archiv)
Los Angeles - Der Horrorfilm "Blood and Sinners" hat mit 16 Oscar-Nominierungen einen […] (00)
cryptocurrency, bitcoin, coin, money, digital, finance, crypto, cognac, liquor, clock, business, investments, cryptocurrency, cryptocurrency, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
Der Kurs des Ripple-Tokens XRP zeigt Anzeichen einer möglichen Trendwende. Nachdem […] (00)
Pumuckl kehrt zurück: „Die Krone des Piratenkönigs“ erscheint im März
Klabautermann, Kobold und Chaos-Experte Pumuckl ist bereit zum Auslaufen! Entwickler […] (00)
Start von «Promis unter Palmen» offenbar verschoben
Ohne offizielle Kommunikation ersetzt Sat.1 den erwarteten Reality-Auftakt durch Spielfilme. […] (00)
Donald Trump
London (dpa) - Inmitten des Konflikts zwischen den USA und den europäischen Nato- […] (04)
 
 
Suchbegriff