Libanon meldet Massenflucht vor israelischen Angriffen
Beirut - Die Massenflucht im Libanon infolge der israelischen Angriffe droht das Land nach Einschätzung von Sozialministerin Haneen Sayed zu überfordern. "Das bringt das System an seine Grenzen", sagte Sayed dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" in Beirut. "Kein Land kann eine so massive Belastung verkraften, wenn sich 20 Prozent der Bevölkerung in Bewegung setzen."
Es gebe zudem weiterhin Bombardierungen und Warnungen Israels, bestimmte Gebiete im Libanon zu evakuieren. "Jede Warnung löst eine neue Vertreibungswelle aus."
Nach offiziellen libanesischen Angaben sind mehr als eine Million Menschen infolge der israelischen Angriffe auf der Flucht - etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Zugleich trifft die Eskalation ein ohnehin krisengeschütteltes Land. "Der Krieg hätte für uns zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können", sagte Sayed. Die Wirtschaftskrise dauere an. Internationale Hilfe sei deutlich zurückgegangen. Geberländer vor allem am Golf seien mit eigenen Krisen beschäftigt. "Wir sind dankbar für die Unterstützung, aber sie reicht bei Weitem nicht aus - und niemand weiß, wie lange der Konflikt dauert."
Die Ministerin wandte sich eindringlich gegen die von Israel angedrohte Einrichtung einer Pufferzone im Süden ihres Landes. "Eine erneute Besetzung unseres Territoriums wäre verheerend für den Libanon", sagte sie. "Wir setzen alles daran, dass es nicht dazu kommt." Letztlich hänge vieles vom Ausgang des Krieges Israels und der USA mit dem Iran ab. "Das ist gewissermaßen der übergeordnete Krieg, dessen Teil wir leider sind."


