Kurssturz bei Novo Nordisk: Umsatz- und Gewinnwarnung trifft auf verschärften US-Wettbewerb
Ein Umsatzwachstum von nur noch 8 bis 14 Prozent statt der bislang erwarteten 13 bis 21 Prozent – diese Korrektur hat am Dienstag Novo Nordisks Börsenwert um über 60 Mrd. Euro schrumpfen lassen. Die Aktie des dänischen Pharmakonzerns verlor bis zum Nachmittag rund 21 Prozent an Wert. Auch die operative Gewinnerwartung für 2024 wurde deutlich nach unten revidiert: Statt eines Zuwachses von 16 bis 24 Prozent rechnet das Unternehmen nur noch mit 10 bis 16 Prozent.
Hintergrund ist der zunehmende Druck im lukrativen US-Markt für Adipositasmedikamente. Dort sieht sich Novo Nordisk nicht nur mit dem direkten Wettbewerber Eli Lilly konfrontiert, sondern auch mit sogenannten compounded drugs – Nachahmerpräparaten, die aufgrund von Lieferengpässen ursprünglich von der US-Arzneimittelbehörde FDA erlaubt wurden. Obwohl die Zulassung inzwischen ausgelaufen ist, sind diese Produkte weiter im Umlauf.
„Für Wegovy in den USA spiegeln die reduzierten Erwartungen den anhaltenden Einsatz von compounded drugs, ein langsameres Marktwachstum und zunehmenden Wettbewerb wider“, teilte das Unternehmen mit. Auch die Prognosen für Ozempic im US-Diabetesmarkt sowie für Wegovy in ausgewählten internationalen Märkten wurden gesenkt.
Zwar stiegen die um Währungseffekte bereinigten Umsätze im ersten Halbjahr um 18 Prozent, der operative Gewinn sogar um 29 Prozent – doch der Ausblick überlagerte diese Zahlen deutlich. Parallel kündigte Novo Nordisk einen Führungswechsel an: Maziar Mike Doustdar, derzeit verantwortlich für die internationalen Märkte (außerhalb der USA), wird ab nächster Woche die Rolle des CEO übernehmen. Er ist damit der erste Nicht-Däne an der Spitze des Unternehmens.
Der Wechsel folgt auf die Ablösung von Lars Fruergaard Jørgensen im Mai. Unter seiner Führung hatte der Kurs binnen eines Jahres mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Analysten sehen im neuen CEO einen strategischen Schritt, um die US-Kommerzialisierung gezielter und aggressiver zu gestalten. Eli Lilly sei Novo Nordisk in Sachen Marketing weit voraus, so die Einschätzung im Markt.
Doustdar wird unter anderem auch die juristischen Auseinandersetzungen rund um die Nachahmerpräparate anführen. Novo Nordisk klagt bereits gegen mehrere Anbieter, die angeblich unter dem Deckmantel der „Personalisierung“ weiterhin illegale Kopien vertreiben. Eine Kooperation mit dem US-Telemedizinanbieter Hims & Hers wurde im Juni aufgelöst, nachdem Novo Vorwürfe irreführender Werbung erhob. Hims & Hers konterte, man werde sich nicht „von einem Pharmakonzern mit wettbewerbsfeindlichen Mitteln unter Druck setzen lassen“.


