Kühle Brise am Anleihenmarkt: Eurozone-Renditen im Rückwärtstrend
Am Freitag setzten die deutschen Bundesanleihen ihre positive Entwicklung fort, welche bereits am Vortag begonnen hatte. Der maßgebliche Euro-Bund-Future legte um 0,50 Prozent zu und kletterte auf 130,44 Punkte, während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 2,58 Prozent fiel. Eine ähnliche Tendenz war in der gesamten Eurozone zu beobachten, wo die Renditen deutlich nachgaben.
Verunsicherung machte sich hingegen an den europäischen Aktienmärkten breit, ausgelöst durch die Zolldebatte in den USA unter Präsident Donald Trump. Investoren stellen sich auf ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten ein, zumal vier Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis zum Jahresende erwartet werden. Zusätzlich verschärfte sich die Lage durch die entschlossene Reaktion Chinas auf die US-Zölle.
Das chinesische Finanzministerium kündigte Gegenzölle von beeindruckenden 34 Prozent auf US-Importe an, die am 10. April aktiv werden sollen. Peking setzte überdies elf US-Unternehmen auf eine schwarze Liste, was deren Geschäfte in oder mit China deutlich erschwert. Auch die europäische Wirtschaftsgemeinschaft analysiert, in welchem Ausmaß sie von den Zollmaßnahmen getroffen wird.
Eine erste Auswertung deutet an, dass künftig Zölle von über 81 Milliarden Euro auf EU-Waren erhoben werden könnten — ein gewaltiger Sprung von den bisherigen sieben Milliarden. EU-Politiker bestehen auf eine entschlossene und ausgewogene Antwort. Unterdessen bleibt die Stimmung in der deutschen Industrie gedämpft. Der Auftragseingang stagnierte im Februar, obgleich viele Experten einen Anstieg von 3,4 Prozent prognostiziert hatten.
Laut Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, konnte sich die Nachfrage abseits von großvolumigen Orders nicht erholen, was er den protektionistischen Maßnahmen zuschreibt. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht, der im März starke Daten lieferte, trat in den Hintergrund. "Nie zuvor war ein US-Arbeitsmarktbericht derart nebensächlich", äußerte Dirk Chlench von der LBBW.
Im Fokus der Märkte steht nach wie vor der eskalierende Handelskonflikt.

