Deutschland und Ukraine

Kanzler nennt Waffen-Freigabe für Ukraine «notwendig»

27. Mai 2025, 15:45 Uhr · Quelle: dpa
Soll die Ukraine mit deutschen Waffen Ziele in Russland angreifen können? Olaf Scholz warnte stets vor Gefahren dadurch - Friedrich Merz hält es für nötig. Einige SPD-Politiker zeigen sich besorgt.

Berlin/Turku (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Aufhebung der Beschränkungen für den Einsatz deutscher Waffen im Ukraine-Krieg gegen Kritik aus den Reihen des Koalitionspartners SPD verteidigt. Die Ukraine habe das Recht, die ihnen zur Verfügung stehenden Waffen auch gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet einzusetzen. «Das ist aus meiner Sicht notwendig», sagte Merz bei einem Besuch in Finnland. «Denn wer nur einen Angriff auf dem eigenen Territorium abwehrt, kann sich nicht genug verteidigen.»

Während einzelne SPD-Abgeordnete Merz für seinen Vorstoß kritisierten, nutzte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter die Äußerung, um auf die Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern zu dringen. «Taurus könnte zumindest in Teilen eine Entlastung bringen und somit Zivilbevölkerung in der Ukraine schützen, wenn das System in größerer Zahl geliefert wird», schrieb er auf X.

Scholz gab Waffen nur für ein bestimmtes Gebiet frei 

Merz hatte am Montag beim WDR-Europaforum in Berlin erklärt, dass für die von Deutschland und anderen Bündnispartnern an die Ukraine gelieferten Waffen keine Beschränkungen mehr gelten, was die Reichweite und damit den Einsatz gegen russisches Territorium angeht. Die Äußerung bedeutet einen Kurswechsel gegenüber seinem Vorgänger Olaf Scholz (SPD).

Der hatte zwar im vergangenen Jahr den Einsatz deutscher Waffen wie den Mehrfachraketenwerfer Mars II gegen Stellungen auf russischem Gebiet für die Region um die umkämpfte Großstadt Charkiw erlaubt. Er hatte sich in der Folge aber anders als Großbritannien und Frankreich bis in den Wahlkampf gegen eine darüber hinausgehenden Aufhebung der Einsatzbeschränkungen ausgesprochen.

Klingbeil: «Keine neue Verabredung»

Merz setzt sich nun erstmals an einer Stelle dezidiert von der Ukraine-Politik seines Vorgängers ab. Auslöser dafür waren offensichtlich die erfolglosen Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg und die massiven russischen Luftangriffe am Wochenende.

Inwieweit der Schritt mit dem Koalitionspartner SPD abgestimmt ist, blieb offen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) stellte sich dem Eindruck eines Kurswechsels bereits am Montag entgegen: «Da gibt es keine neue Verabredung, die über das hinausgeht, was die bisherige Regierung gemacht hat.»

Stegner und Mützenich kritisieren Merz

Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner nannte die Aufhebung der Beschränkungen «nicht hilfreich». Alles, was den Krieg ausweite, sei falsch, sagte Stegner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Ich finde es vielmehr richtig, die diplomatischen Bemühungen zu verstärken.» 

Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte im Deutschlandfunk, die Reichweitenbegrenzung sei richtig gewesen. Er habe da noch viele Fragen an den Kanzler. «Ich würde die Bundesregierung bitten, sich lieber an den diplomatischen Bemühungen zurzeit zu beteiligen», sagte Mützenich. Es sei offensichtlich, dass Russlands Präsident Wladimir Putin eskaliere, es müsse daher alles getan werden, den Prozess von Verhandlungen durch weitere diplomatische Initiativen zu untermauern. 

«Alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft»

Der Kanzler hingegen betonte: «Den Vorwurf, nicht alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft zu haben, die es gibt, den kann uns nun niemand ernsthaft mehr machen.» Die vergangenen drei Wochen hätten gezeigt, dass gemeinsame Bemühungen der EU, Großbritanniens und der USA hin zu einer Feuerpause bis jetzt nicht erfolgreich waren. Russland habe im Augenblick offensichtlich daran kein Interesse. «Das heißt in der Konsequenz, dass die Ukraine sich weiter verteidigen muss und dass wir unsere Anstrengungen eher noch verstärken müssen, damit die Ukraine sich verteidigen kann.» 

Unterstützung für Merz' Kurs kam von den Grünen. Ihre Vizefraktionschefin Agnieszka Brugger sagte: «Wladimir Putin bombt mit neuer Grausamkeit gerade jegliche Friedensbemühungen und Gesprächsangebote in Grund und Boden. Es wäre ein Fehler, dies tatenlos hinzunehmen.»

Zunächst keine konkreten Auswirkungen 

Operativ wird die Ankündigung von Merz zunächst wohl keine konkreten Auswirkungen haben, da Deutschland kaum Waffen geliefert hat, mit denen die ukrainischen Streitkräfte russische Stellungen weit hinter der Frontlinie treffen können. Der Raketenwerfer Mars II mit einer Reichweite von 85 Kilometern und die Panzerhaubitze 2000 mit 35 Kilometer Reichweite sind die einzigen beiden Waffensysteme. Es handelt sich also eher um ein politisches Zeichen, um das militärische Vorgehen der Ukraine gegen Ziele auf russischem Territorium zu unterstützen.

Den Marschflugkörper Taurus mit einer Reichweite von 500 Kilometern - er war der Auslöser der deutschen Reichweiten-Debatte - hat Berlin bisher nicht geliefert. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben den ukrainischen Streitkräften dagegen Raketen mit einer Reichweite von teilweise mehr als 250 Kilometern zur Verfügung gestellt, die Medienberichten zufolge schon gegen russisches Territorium eingesetzt worden sein sollen.

Konflikte / Krieg / Bundesregierung / Deutschland / Ukraine / Russland
27.05.2025 · 15:45 Uhr
[3 Kommentare]
Iran-Krieg - Libanon
Tel Aviv/Beirut (dpa) - Bei den israelischen Luftangriffen im Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 182 Menschen getötet worden. Knapp 900 weitere Menschen seien verletzt, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Viele Opfer werden noch unter Trümmern vermutet.  Die israelische Luftwaffe hatte in einem […] (00)
vor 53 Minuten
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 5 Stunden
Teufel MOTIV GO 2 – Klang, der überall dabei ist – zuhause und unterwegs
Teufel präsentiert den MOTIV GO 2, die aktualisierte Neuauflage des stylischen, portablen Bluetooth-Stereo-Speakers, der kraftvollen Sound mit alltagstauglicher Robustheit verbindet. Zwei präzise Vollbereichstreiber und zwei passive Bassmembranen sorgen für lebendigen, druckvollen Stereo-Klang. Mit Teufel Dynamore entsteht ein beeindruckend weites […] (00)
vor 4 Stunden
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 4 Stunden
Paramount bestätigt Rückzug von Jeff Shell nach Vorwürfen
Der Präsident von Paramount zieht sich im Zuge eines Rechtsstreits aus seinen Ämtern zurück. Beim Medienkonzern Paramount kommt es zu einem personellen Einschnitt: Jeff Shell wird seine Funktionen als Präsident sowie als Mitglied des Verwaltungsrats niederlegen. Hintergrund ist eine zivilrechtliche Klage, in der ihm Verstöße gegen Offenlegungspflichten der US-Börsenaufsicht vorgeworfen werden. […] (00)
vor 4 Stunden
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der Champions League, auch der FC Liverpool mit Florian Wirtz steht nach dem nächsten Rückschlag vor dem K.o. im Viertelfinale. Nach langer Unterzahl unterlag Barça im Hinspiel Atlético Madrid mit 0: 2 (0: 1). Liverpool verlor bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ebenfalls mit […] (01)
vor 39 Minuten
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Argentinische Behörden überprüfen Telefonprotokolle, die mit Präsident Javier Milei in Verbindung stehen, im Rahmen einer laufenden Untersuchung des LIBRA-Tokens. Diese Protokolle sind zentral für die Ermittlungen und könnten Aufschluss über Mileis Beteiligung bei der Einführung des Projekts geben. Mileis Anrufe mit Novelli Zu den Förderern des LIBRA- […] (00)
vor 28 Minuten
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 5 Stunden
 
Rekordfund in Rio: Fast 50 Tonnen Marihuana
Rio de Janeiro (dpa) - Fast 50 Tonnen Marihuana hat die Polizei in der […] (06)
Rathaus (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Landkreistag kritisiert die geplante Finanzspritze von […] (00)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel (CDU), hat Erwartungen an […] (00)
Matthew Perry
Los Angeles (dpa) - Im Zusammenhang mit dem Tod von «Friends»-Star Matthew Perry ist […] (00)
wear, fashion, hand, leather, desktop, pants, fabric, denim, closeup, pocket
Investmentprodukte, die sich auf XRP konzentrieren, verzeichneten mit Zuflüssen von […] (00)
Maite Kelly
(BANG) - Maite Kelly hat ein Angebot ausgeschlagen, das für viele ein echter Traum […] (01)
Review: Reolink Duo 3V PoE – statische Überwachung mit Dual-Kamera
Die Reolink Duo 3V PoE fällt schon beim ersten Blick aus dem Rahmen klassischer […] (00)
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Die deutschen Tennis-Frauen haben beim Billie Jean King Cup einen […] (01)
 
 
Suchbegriff