Kritik an HVO100: Ein zweischneidiges Schwert im Klimaschutz-Diskurs
Die jüngste Studie, beauftragt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), wirft ein kritisches Licht auf die nachhaltige Kraftstoffalternative HVO100. Dieser Treibstoff, der aus hydrogenierten pflanzlichen Ölen und Fettabfällen gewonnen wird, sei laut DUH eher ein „Fake-Klimaschutz“. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, zeigte sich bei der Präsentation der Studie enttäuscht über das Potenzial von HVO100. Die Untersuchung, durchgeführt vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg, zieht die CO2-Einsparungen von bis zu 90 Prozent, wie sie von der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft angegeben werden, in Zweifel.
Der Kritikpunkt liegt insbesondere in der vielseitigen Verwendung von pflanzlichen und tierischen Fettabfällen. Diese werden bereits in zahlreichen Industrien eingesetzt, was die Propagierung von HVO100 als klimaschonend in Frage stellt. Dabei spielt auch der Import dieser Rohstoffe eine Rolle: Ein Großteil der zur Herstellung von HVO erforderlichen Pflanzenöle stammt aus asiatischen Ländern. Sollte der Ersatz dieser Öle mit klimaschädlichen Alternativen wie Palmöl erfolgen, könnte der ökologische Nutzen von HVO100 infrage gestellt werden. Resch fordert daher die deutsche Wirtschaft auf, sich stärker auf die Elektrifizierung als wesentlichen Ersatz für fossile Brennstoffe zu konzentrieren.
Der Bundesverband Freier Tankstellen und unabhängiger deutscher Mineralölhändler (bft) hingegen weist die Vorwürfe der Studie zurück. Geschäftsführer Daniel Kaddik unterstreicht, dass die DUH-versuchte Diskreditierung von HVO schon länger erfolglos sei. Die im Bericht geäußerte Annahme, basierend auf Modellprojektionen und spekulativen Palmöl-Ersetzungen, teilt er nicht. Stattdessen sieht Kaddik in Rohstoffengpässen eher eine Chance, lokale Sammelsysteme zu erweitern, um die Effizienz von Projekten in Deutschland zu verbessern.

