Krisenstimmung im Wohnungsbau: Eine ernüchternde Prognose
Die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt bleibt angespannt, mit düsteren Aussichten für Bauherren und Mieter gleichermaßen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor einer Verschärfung der Krise im Wohnungsbau in den kommenden Jahren. Während 2022 noch knapp 252.000 Wohnungen fertiggestellt wurden, prognostiziert das IW für 2025 nur noch rund 235.000 neue Wohnungen. Ein weiteres Absinken auf etwa 215.000 Wohneinheiten wird für 2026 erwartet – trotz der Bemühungen von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD), die mit ihrem "Bau-Turbo" gegensteuern möchte.
IW-Experte Ralph Henger sieht in den rückläufigen Zahlen einen unvermeidbaren Trend aufgrund der gesunkenen Baugenehmigungen in den Vorjahren. Laut Henger können nur Projekte realisiert werden, die bereits genehmigt sind, und der Prozess von der Genehmigung bis zur Fertigstellung dauert mittlerweile im Schnitt 26 Monate, im Geschosswohnungsbau sogar 34 Monate. Der Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 habe viele Genehmigungen zusätzlich verzögert oder letztlich verhindert, erklärt Henger gegenüber der "Wirtschaftswoche".
Diese ungünstige Entwicklung verschärft die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Bei einer unvermindert hohen Nachfrage nach Wohnungen wird der Neubaumangel weiter anhalten und den Preisdruck auf dem Mietmarkt verstärken. Experten schätzen, dass in Deutschland weiterhin Hunderttausende Wohnungen fehlen – insbesondere in Ballungsräumen, wo bezahlbarer Wohnraum rar ist. Trotz eines zwischenzeitlichen Anstiegs wird für 2025 und 2026 erneut mit schwachen Baugenehmigungszahlen gerechnet.
Henger betont die Notwendigkeit zusätzlicher Maßnahmen durch den Bund, um die Baukosten zu senken. Auch die Städte seien gefordert, mehr für den Wohnungsbau zu tun, etwa durch besseres Flächenmanagement und die Digitalisierung der Baugenehmigungsverfahren. Die Ampel-Regierung hat ihr ambitioniertes Ziel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, bislang nicht erreicht. Der "Bau-Turbo" soll durch schnellere Genehmigungen Abhilfe schaffen, zudem plant die Bundesregierung, Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen durch attraktive Förderbedingungen beim Bau oder Kauf von Wohnraum stärker zu unterstützen.

