Krisenregion Südlibanon: Israel in der Kritik wegen Zerstörung von Bauausrüstung

Das israelische Militär sieht sich erneut scharfer Kritik vonseiten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ausgesetzt. Anlass sind Berichte über zerstörte Bauausrüstungen im Südlibanon, die eigentlich dem zivilen Wiederaufbau dienen sollten. HRW vermutet hinter diesen Handlungen mutmaßliche Kriegsverbrechen, wie sie in ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht erklärten.
Im Gegensatz dazu verteidigt die israelische Armee ihre Aktionen und wirft der libanesischen Hisbollah-Miliz vor, nach dem Schlusspunkt ihrer militärischen Auseinandersetzungen ihre geschädigte Infrastruktur aufbessern zu wollen. Das israelische Militär richtet sich gezielt gegen technische Ausrüstungen, die angeblich für militärische Wiederaufbauzwecke missbraucht werden, und betont, dass die libanesische Armee diesen Versuchen nicht ausreichend entgegentritt.
Seit den Ereignissen im Herbst 2023, ausgelöst durch einen Terrorangriff der Hamas, eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zu einem offenen Krieg, der später in eine brüchige Waffenruhe mündete. Trotz formaler Waffenruhe, so HRW, kam es im Südlibanon zu massiver Zerstörung: Über 10.000 Gebäude wurden zwischen Oktober 2023 und Januar 2025 zerstört und der Wiederaufbau verzögert, was zu erheblichen Rückkehrproblemen für die Vertriebenen führte.
HRW widmete sich speziell vier Attacken auf logistische Lager und Bauwerke im Südlibanon. Insgesamt wurden 360 Maschinen sowie eine beschäftigende Fabrik zerstört. Entgegen den Behauptungen der israelischen Armee, fand HRW keinerlei Anzeichen für militärische Aktivitäten in den betroffenen Gebieten. Für Ramsi Kaiss, Libanon-Experte bei HRW, verschärfen die Maßnahmen des israelischen Militärs die ohnehin prekäre Situation für die Bevölkerung, die nicht in ihre Heimat zurückkehren kann.
Die Menschenrechtsorganisation fordert vehement, dass Israel von der Zerstörung ziviler Infrastruktur Abstand nimmt. Die israelische Armee entgegnete, dass vermeintlich zivile Operationen als Deckmantel für die Hisbollah dienen könnten.

