Krisengeplagte Autobranche in München: IAA Mobility trifft auf Herausforderungen
Zum Auftakt der IAA Mobility in München prangten innovative Automodelle im Rampenlicht, begleitet von packender Musik und beeindruckenden Lichteffekten. Doch während die Show auf eine Feier des Fortschritts hinwies, kämpft die deutsche Automobilindustrie hinter den Kulissen mit zunehmenden Schwierigkeiten.
Die Konkurrenz aus China setzt Deutschlands globale Marktanteile unter Druck, während die USA mit 15%-Zöllen auf deutsche Fahrzeuge den Handelskonflikt verschärfen. Zudem belasten politische Entscheidungen im Inland die Industrie zusätzlich. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder äußerte starke Kritik am geplanten EU-Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2035. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz forderte mehr Flexibilität in der Regulierung.
Der Außenhandelsexperte Dr. Martin Braml verweist jedoch darauf, dass die Ursachen der Krise tiefer liegen und betont zugleich die Bedeutung einer Verbesserung der deutschen Standortbedingungen. Hohe Lohnnebenkosten und bürokratische Hürden seien nur einige der Herausforderungen, die es anzugehen gelte. Die EU-Pläne zum Verbrennungsverbot gefährden laut Söder zudem Hunderttausende Arbeitsplätze.
Einer Studie von EY zufolge sank die Beschäftigung in der deutschen Automobilbranche im vergangenen Jahr um 6,7%, was 51.500 Stellenverlusten entspricht. Braml kritisierte das Verbrennungsverbot und verwies darauf, dass ein Großteil der deutschen Exportfahrzeuge weiterhin Verbrennungsmotoren sind. Umweltschutz sollte durch Preismechanismen und nicht durch zwanghafte Vorschriften erreicht werden, argumentiert er.
Investitionshemmnisse und Handelsabkommen stellen weitere Hürden dar. Die EU hat zwar mehrere Abkommen abgeschlossen, doch zu ambitionierte Regulierungen erschweren den Handel zunehmend. Braml weist auf eine marktbeherrschende Stellung Chinas in der Elektromobilität sowie auf die Vielfalt chinesischer Hersteller hin.
Dennoch sieht Braml Potenzial für deutsche Elektrofahrzeuge, die einen Handelsüberschuss verzeichnen, was jedoch weniger Arbeitsplätze erfordert. Die Zölle der USA erschweren den Export zusätzlich, was Produktion in den USA attraktiver macht. Braml äußert die Hoffnung, dass das derzeitige Ungleichgewicht in den Zöllen langfristig korrigiert wird, wenn sich die geopolitische Lage entspannt.

