Kreuzfahrtindustrie: Klimaschutzbemühungen unter der Lupe
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) äußert Bedenken hinsichtlich der Fortschritte der Kreuzfahrtbranche im Bereich Klimaschutz. Laut Sönke Diesener, Verkehrsexperte des Nabu, kommen die Anstrengungen der Branche nicht schnell genug voran, um den Anforderungen der Klimakrise gerecht zu werden. Anlässlich der Vorstellung einer neuen Rangliste in Hamburg betonte er die Diskrepanz zwischen den Zielen der deutschen Klimaneutralität bis 2045 und den Plänen einiger Reedereien, die erst bis 2050 umsetzen wollen.
Seit über einem Jahrzehnt veröffentlicht der Nabu ein jährliches Klima-Ranking, das die Bemühungen der Kreuzfahrtunternehmen auf dem deutschen Markt, einschließlich Aida Cruises aus Rostock, Tui Cruises aus Hamburg und der internationalen MSC Cruises, bewertet. Auffällig in der aktuellen Rangliste sind die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten, die mit 7,5 von 15 Punkten die Spitzenpositionen einnehmen. Diese Unternehmen profitieren von strengen Vorschriften der norwegischen Regierung, die ab 2026 vorschreiben, dass ausschließlich emissionsfreie Schiffe in die Fjorde des Weltnaturerbes einfahren dürfen.
Unter den deutschen Anbietern erreicht Tui mit einem innovativen Methanol-betriebenen Schiff den vierten Platz. Methanol gilt als vielversprechender Treibstoff, insbesondere wenn er aus erneuerbaren Quellen stammt. Gleichzeitig liegt Aida mit 5,5 Punkten auf Platz fünf und wird für den Einsatz von Landstrom und das Testen von Batteriespeichersystemen gelobt. Dennoch vermisst der Nabu bei Aida ein klares Engagement für den Einsatz von E-Fuels.
Der größte internationale Kreuzfahrtverband, Clia, mit Sitz in Washington, bewertet die Situation anders. Laut Georg Ehrmann, Direktor von Clia Deutschland, sei die Branche auf einem guten Weg. Milliardeninvestitionen fließen in den Bau und die Umrüstung von Schiffen, die mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden können.

