Kremlchef kritisiert Geheimdienste

25. Januar 2011, 19:18 Uhr · Quelle: dpa

Moskau (dpa) - Trauer und Wut in Moskau: Nach dem blutigen Selbstmordanschlag mit 35 Toten auf dem Flughafen Domodedowo will der russische Präsident Dmitri Medwedew den Anti-Terror-Kampf verschärfen. Sein Regierungschef Wladimir Putin spricht sogar von «unvermeidlicher Vergeltung».

«Für dieses grausame und sinnlose Verbrechen werden die Terroristen büßen», sagte er am Dienstag nach einem Besuch der Verletzten in den Moskauer Krankenhäusern. Die diversen russischen Sicherheitskräfte wiesen unterdessen jede Mitschuld an dem Blutbad von sich.

Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und andere Großereignisse brauche Russland einen «maximalen Schutz vor Anschlägen», sagte Medwedew vor Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB. Dazu müssten allerdings die Sicherheitsdienste auf Vordermann getrimmt werden. Der Kremlchef rügte laxe Sicherheitsvorkehrungen auf dem Airport. Dort habe praktisch Anarchie geherrscht. Jeder habe dort kommen und gehen können, ohne kontrolliert zu werden. Entsprechend weitete die Staatsanwaltschaft am Dienstag ihre Ermittlungen um vernachlässigte Sicherheitsvorkehrungen aus.

Bei dem Terroranschlag kam auch ein Deutscher ums Leben. Der 34-Jährige aus Köln war für das Remscheider Heiztechnikunternehmen Vaillant nach Moskau gereist, um bei der russischen Tochtergesellschaft Arbeitsabläufe zu verbessern. Kurz nach seiner Ankunft am Flughafen habe der Selbstmordattentäter die Bombe in der Ankunftshalle gezündet, erklärte die Firma. «Wir wurden vom BKA darüber informiert.»

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befindet sich unter den rund 180 Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird. Viele Verletzte schweben noch in Lebensgefahr. Unter den Toten sind laut Zivilschutz acht Ausländer, darunter zwei Briten und ein Bulgare. Offiziellen Angaben aus Wien zufolge starb auch ein Österreicher.

Ermittler wollen den Attentäter, der in einer Ankunftshalle des Airports eine Bombe gezündet hatte, über eine DNA-Analyse identifizieren. Der Mann sei bei der Sprengung der mit Nägeln und Schrauben gespickten Bombe - wie viele seiner Opfer auch - derart zerrissen worden, dass nicht einmal das Gesicht richtig zu erkennen sei, berichteten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Ermittler und Gerichtsmediziner.

Die Behörden bestätigten, dass der Attentäter die Splitterbombe mit einer Sprengkraft von fünf Kilogramm TNT in einem Sprengstoffgürtel um den Leib geschnallt hatte. Fahnder hatten Kopf und Hände des Mannes auf dem Flughafen sichergestellt und danach erklärt, es handele sich um einen Mann mit kaukasischem oder arabischem Aussehen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren.

Die Behörden vermuten, dass radikale Islamisten aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken, sogenannte Wahhabiten. Medienberichten zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau. Der Flughafen selbst hatte nach Angaben des Verkehrsministeriums aber keine Hinweise auf einen möglichen Anschlag und deshalb keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. «Es gab keinen Grund, zusätzliche Maßnahmen zu treffen», sagte Vizeverkehrsminister Andrej Nedossekow.

Medwedew sprach nach Angaben der Agentur Interfax von klaren Signalen, dass der FSB seine Arbeit besser machen müsse als bisher. «Wir brauchen ein schärferes Kontrollsystem. Also eine totale Kontrolle. Wahrscheinlich wird sie länger dauern für die Passagiere, aber das ist der einzige Ausweg.» Zugleich forderte er eine harte Bestrafung der Verantwortlichen in der Regierung und in den Behörden, die für die Sicherheit im Personenverkehr verantwortlich seien. «Es handelt sich um einen Terrorakt, der lange geplant und darauf aus war, möglichst viele Menschen zu töten», sagte Medwedew. «Wir müssen die Nester dieser Banditen vernichten.»

In einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama am Abend wurde der weitere gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus bekräftigt. Papst Benedikt XVI. reagierte in einem Beileidstelegramm an Medwedew mit «tiefem Schmerz» auf den Selbstmordanschlag.

Die Stimmung in der Zehn-Millionen-Stadt Moskau war insgesamt ruhig, größere Kontrollen oder auffällige Einschränkungen waren nicht zu beobachten. Die Stadt und die umliegende Region kündigten einen «Tag der Trauer» an. Alle für Mittwoch geplanten Festveranstaltungen wurden abgesagt.

Im Nordkaukasus, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, kämpfen Islamisten um Unabhängigkeit von Moskau. Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Zuletzt waren bei einem Doppelanschlag auf die Moskauer Metro Ende März vorigen Jahres 40 Menschen ums Leben gekommen.

Luftverkehr / Russland
25.01.2011 · 19:18 Uhr
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