Kreditzinsen Entwicklung 2016 - wo geht es hin?
Mit der Entscheidung vom 21. Januar, die Leitzinsen auf ihrem historisch niedrigem Stand zu halten, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Weichen für die Zinsentwicklung des Jahres 2016 gestellt haben. Während also die amerikanische Fed die lang erwartende Zinswende eingeleitet hat, ist in Europa ein Ende der Niedrigzinsen nicht in Sicht. Hintergrund ist vor allem die Entwicklung der Inflation im Euroraum, die mit einem Wert nahe null Prozent deutlich unter der EZB - Vorgabe von zwei Prozent liegt. So lange hier keine Bewegung zu verzeichnen ist, so die Ankündigung von Mario Dragi, dem Chef der EZB, wird die Zentralbank ihren Kurs des lockeren Geldes beibehalten. Neben einem negativen Einlagenzins gehört auch ein milliardenschweres Anleihekaufprogramm zu den Maßnahmen der EZB.
Des Sparers Leid – des Kreditnehmers Freud‘?
Ein Ziel der EZB-Politik besteht unter anderem darin, die Banken zu einer intensiveren Kreditvergabe zu bewegen. Privatleute haben dies in den letzten Jahren sehr deutlich in Form von extrem niedrigen Zinsen zu spüren bekommen, die ihnen Banken für ihre Einlagen boten. Während für Einlagen auf Girokonten in der Regel gar keine Zinsen mehr gezahlt werden, fallen auch die Zinsen für Tages- und Festgeld sehr bescheiden aus. Über mehr als 0,5 Prozent p.a. gehen die wenigsten Angebote hinaus.
Die andere Seite dieser für den Sparer unerfreulichen Entwicklung sollten, ganz im Sinne der EZB, niedrige Kreditzinsen sein. Doch bei einem Blick auf das aktuelle Angebot wird klar, dass es bei den aktuellen Kreditzinsen deutliche Unterschiede gibt. Während also die EZB derzeit für bestimmte Einlagen sogar einen negativen Zins festgesetzt hat und die Banken sich das Geld praktisch zum Nulltarif leihen, sind zahlreiche Kreditangebote weit von diesem günstigen Niveau entfernt.
Niedrige Leitzinsen sorgen auch für niedrige Kreditzinsen – Im Idealfall
Beide Maßnahmen, die Flutung der Märkte mit Liquidität und die Festsetzung eines niedrigen Leitzinssatzes sollen vor allem dem Ziel dienen, ein günstiges Umfeld für Unternehmen und Privatleute zu schaffen, sich Geld in Form von Krediten zu beschaffen.
Dabei sorgen Leitzinsen aber nicht automatisch für niedrige Zinsen für Kreditnehmer. Verkürzt dargestellt, kann der Zins auch als Preis des Geldes bezeichnet werden und diesen können Banken als grundsätzlich unabhängige Unternehmen frei bestimmen. Der Marktzins, sowohl für Einlagen als auch für Kredite, bildet sich dabei im freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Der allgemeine Leitzins der EZB hat dabei nur einen indirekten Einfluss auf das Zinsniveau am Markt. Der Mechanismus sieht dabei folgendermaßen aus:
- EZB senkt Leitzinsen ->Banken erhalten günstiger frisches Kapital
- Geringe Leitzinsen erhöhen die Margen bei Krediten
- Banken haben Spielraum für günstigere Kreditzinsen
Mit welchen Zinsen können Privatanleger 2016 rechnen?
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass auch im Bereich der privaten Kreditvergabe mit einem konstant niedrigen Niveau zu rechnen ist. Dabei hängt der jeweilige Zinssatz natürlich von einigen weiteren Faktoren ab. Faktoren welche die Zinshöhe eines Kredites beeinflussen:
- Leitzins der EZB als Basis
- Allgemeine Kreditnachfrage am Kapitalmarkt
- Art des Kredites (z.B. Hypothekenkredit, Konsumentenkredit, Unternehmenskredit,…)
- Bonität des Kunden
- Verfügbare Sicherheiten
- Laufzeit des Kredites (mit der Laufzeit steigt tendenziell der Zins)
Wie lassen sich günstige Kredite finden?
Während von Seiten der EZB in diesem Jahr keine Impulse zur Erhöhung des Zinsniveaus zu erwarten sind, das Umfeld für Kreditnehmer also günstig bleiben dürfte, kann der Kreditnehmer selber natürlich einiges tun, um für einen Kredit bessere Konditionen herauszuholen. Zunächst sollte die Devise lauten: Ruhe bewahren. Hektik ist auch bei der Suche nach dem passenden Kredit selten ein guter Ratgeber:
Angebote vergleichen
Spezialkredite nutzen und auf den Dispo verzichten
Persönliche Situation analysieren
Aussichtsreich ist es, zunächst gründlich zu vergleichen. Wie beschrieben, handelt es sich auch beim Markt für Kredite um einen freien Markt, mit vielen Akteuren und unterschiedlichen Angeboten. Ein Blick auf Kreditvergleiche wie den von KrediteGuide zeigt sehr schnell, wie unterschiedlich die Zinssätze der Banken sind. Hier können Interessierte nicht nur die Anbieter direkt miteinander vergleichen, sondern erhalten auch Erklärungen zu essentiellen Begrifflichkeiten wie gebundener Sollzins oder effektiver Jahreszins.
Neben dem Vergleich von unterschiedlichen Anbietern ist dabei auch zu empfehlen, nach speziellen Kreditangeboten zu suchen. Häufig werden etwa Kredite für Autos zu deutlich günstigeren Konditionen vergeben, als allgemeine Ratenkredite ohne Zweckbindung. Am ungünstigsten sind im allgemeinen Dispositionskredite, also Darlehen, die Banken ihren Kunden im Rahmen der regulären Kontoführung gewähren. Hier ist auch aktuell ein Zinsniveau von zehn Prozent und mehr keine Seltenheit. Diese Form des Kredites sollte nur für sehr kurze finanzielle Engpässe genutzt werden. Entscheidend bei einem Vergleich der Konditionen ist in jedem Fall der effektive Zinssatz, da in diesem alle Nebenkosten und Gebühren bereits eingerechnet sind.
Darüber hinaus sollte auch beachtet werden, dass die Konditionen auch von persönlichen Voraussetzungen, insbesondere der Bonität und dem monatlichen Einkommen abhängig sind. Wirklich verglichen werden können daher auch nur verbindliche Angebote, die auf Grundlage persönlicher Angaben erstellt wurden. Die Konditionen dieser Angebote weichen in den meisten Fällen noch einmal deutlich von den werbewirksamen Lockangeboten vieler Kreditinstitute ab.
Fazit – Ein Vergleich sollte sich lohnen
Auch wenn sich die Leitzinsen derzeit auf historischen Tiefstständen bewegen, gibt es für private Konsumenten die Kredite noch lange nicht zum Nulltarif. Bei Ratenkrediten muss daher immer noch mit einem Niveau von etwa fünf Prozent pro Jahr gerechnet werden. Doch die Vielfalt des Angebotes ist groß und die Unterschiede beträchtlich. Ein Vergleich sollte sich also in jedem Fall lohnen. Da bis auf weiteres keine nennenswerten Veränderungen des Zinsumfeldes zu erwarten sind, ist hierfür derzeit aber keine große Eile geboten.
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