Iran-Krieg

Konferenz in Paris plant Marine-Mission in Straße von Hormus

17. April 2026, 18:59 Uhr · Quelle: dpa
Iran-Krieg - Pariser Konferenz zur Lage in der Straße von Hormus
Foto: Tom Nicholson/Pool Getty Images Europe/PA Wire/dpa
Bundeskanzler Merz nahm in der französischen Hauptstadt an den Beratungen über eine Sicherung der Straße von Hormus teil.
In Paris haben Dutzende Länder über Möglichkeiten zur Sicherung der Straße von Hormus beraten - für die Zeit nach dem Iran-Krieg. Die Aufgabe ist hochkomplex, die Gefahr derzeit schwer einzuschätzen.

Paris (dpa) - Unter starkem wirtschaftlichem Druck durch die wochenlange Blockade der Straße von Hormus haben Dutzende Länder in Paris über eine mögliche Militärmission nach dem Iran-Krieg beraten. Nach der von Frankreich und Großbritannien initiierten Konferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach der französische Präsident Emmanuel Macron von einer «neutralen Mission, die sich klar von den Kriegsparteien abgrenzt». 

Mitten in die Pariser Beratungen platze die Ankündigung der Staatsführung in Teheran, die Straße von Hormus wieder für die Durchfahrt von Öltankern und Handelsschiffen öffnen zu wollen. Das werteten die Teilnehmer in Paris als positives Signal. Umgekehrt aber wollten die USA ihre eigene Seeblockade aufrechterhalten, die nur Schiffe mit einem Start- oder Zielhafen im Iran betrifft, wie Präsident Donald Trump betonte.

Wie könnte eine Militärmission nach dem Krieg konkret aussehen?

Der britische Premierminister Keir Starmer kündigte in Paris an, die geplante Marine-Mission solle «strikt friedlich und defensiv» sein, um die Minenräumung in der Straße zu unterstützen und Handelsschifffahrt wieder zu ermöglichen. Nach Starmers Angaben haben bereits mehr als ein Dutzend Länder angeboten, militärische Mittel zu der Mission zur Sicherung der Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman beizusteuern. 

Wie Kanzler Merz sagte, sei Deutschland bereit, einen Beitrag zur Sicherung der freien Schifffahrt dort zu leisten – etwa bei der Minenräumung und der Seeaufklärung. Dabei wünsche sich die Bundesregierung «wenn es möglich ist», eine US-Beteiligung. «Es wäre aus unserer Sicht wünschenswert», fügte er hinzu. Wie es aus Regierungskreisen hieß, könne Deutschland Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen.

Neben Deutschland signalisierten auch Macron und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine Beteiligung an einer Marine-Mission. Frankreich könne seine bereits umfangreich in der Region anwesende Marine für so einen Einsatz mobilisieren, sagte Macron. Meloni stellte den Einsatz italienischer Marineeinheiten in Aussicht.

Mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien waren die führenden Industrienationen Europas direkt an den Pariser Beratungen beteiligt. Und per Videoschalte eingebunden waren weitere Schwergewichte wie China und Indien sowie über 40 weitere Partner auch aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Die Kriegsparteien USA, Israel und Iran saßen in Paris nicht am Tisch.

Die Teilnehmer forderten eine sofortige, bedingungslose und vollständige Wiederöffnung der Meerenge durch alle Parteien. «Wir fordern die Wiederherstellung der vor dem Krieg geltenden Bedingungen für die freie Durchfahrt und die uneingeschränkte Achtung des Seerechts», sagte Macron. «Wir lehnen jegliche Beschränkung, jegliches Abkommen ab, das de facto einem Versuch gleichkäme, die Meerenge zu privatisieren – und selbstverständlich jegliches Mautsystem.»

 Wie ist die Sicherheitslage in der Straße von Hormus?

Stand heute blockiert das US-Militär die Straße von Hormus weiterhin für iranische Tanker und Handelsschiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Irans Marine hatte die 55 Kilometer breite Meeresenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen bislang faktisch unpassierbar gemacht, was die Energiepreise in die Höhe trieb. Teheran hatte vorgeschlagen, für eine sichere Durchfahrt Gebühren für Schiffe zu erheben.

Mehrere Schiffe waren seit Beginn des Krieges unter Beschuss geraten. Experten gehen von mehreren Dutzend Minen aus, die der Iran vor etwa einem Monat südlich der iranischen Gewässer verteilt haben soll - auch wenn Teheran einen solchen Einsatz nie bestätigt hat. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen seit Ende Februar mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest.

«Weder die Iraner noch die USA - und auch sonst niemand - wissen derzeit genau, wo sich diese Minen befinden», sagte Sicherheitsforscher Andreas Krieg vom Londoner King's College dem Sender Al Jazeera. Von einer ähnlichen Einschätzung berichtete die «New York Times» mit Verweis auf US-Sicherheitskreise.

In der vergangenen Woche, vor der US-Blockade der Meerenge, hatte die Marine der iranischen Revolutionsgarden vor einer Gefahrenzone gewarnt. Es bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser Antischiffsminen liegen, hieß es. Die deshalb von den Revolutionsgarden empfohlene Alternativroute für Schiffe verläuft deutlich weiter nördlich - durch den Einflussbereich des Iran. Allein die Drohkulisse eines verminten Gebiets hat schon großen Einfluss auf die Planbarkeit für die Reedereien.

Es gebe keine eindeutigen Beweise dafür, dass die iranischen Streitkräfte die Meerenge wirklich vermint haben, sagte der frühere Captain der britischen Royal Navy, Kevin Rowlands, der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es ist so einfach, Minen unbemerkt auszulegen, und die Folgen eines Treffers wären so verheerend, dass es zwingend notwendig ist, eine "sichere" Route gewährleisten zu können.»

Lassen sich Minen einfach aus dem Weg räumen? 

Am Montag teilte das US-Verteidigungsministerium mit, dass zwei Zerstörer in der Straße vom Hormus als Teil einer größeren Mission im Einsatz gewesen seien, «um sicherzustellen, dass die Straße vollständig von zuvor durch die Iranischen Revolutionsgarden gelegten Seeminen geräumt ist». Sicherheitsforscher Krieg sagte, der Iran verfüge schätzungsweise über bis zu 6.000 Minen verschiedener Bauarten. Die Räumung in der Straße von Hormus sei derzeit «äußerst schwierig». US-Präsident Trump behauptet inzwischen, dass die Minen allesamt geborgen worden seien – oder derzeit noch entfernt würden.

Die britische Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi) verweist darauf, dass die Straße erst dann wieder als offen gelten werde, wenn die Versicherer die Schiffe, die die Meerenge passieren, zur Tarifen versichern, die eine Passage wirtschaftlich tragfähig machen. Dieser Zeitpunkt werde nicht allein durch Ankündigungen oder diplomatische Verlautbarungen eintreten. «Er wird erst erreicht sein, wenn die Bedrohung nachweislich und dauerhaft reduziert ist», schrieb die Denkfabrik Ende März. 

Gibt es überhaupt Versicherungen für Schiffe im Golf?

Nach übereinstimmenden Informationen können Reedereien trotz des Kriegs Schiffe weiter gegen Kriegsrisiken versichern. «Eine Versicherung ist immer verfügbar. Am Ende ist es eine Frage des Preises», sagte am Mittwoch Raik Becker, der beim internationalen Versicherungsmakler Marsh Risk arbeitet und für die Reedereien mit Versicherern verhandelt. 

Die Preise der sogenannten Kriegsrisiken-Versicherungen hätten sich seit Kriegsausbruch vervielfacht, berichtete Becker. Sie seien erfahrungsgemäß im Schnitt fünf- bis sechsmal so hoch wie zuvor. Reedereien müssten für eine versicherte Fahrt durch ein Hochrisikogebiet wie den Golf ungefähr drei bis sieben Prozent des Schiffswerts zahlen. 

Seit Kriegsbeginn sind vergleichsweise wenige Reedereien bereit gewesen, die gefährliche Fahrt durch die Straße von Hormus zu riskieren. Deutsche Unternehmen ziehen es allem Anschein nach vor abzuwarten. Gegenläufige Berichte sind jedenfalls nicht bekannt. «Die Sicherheit unserer Crews steht über allem», teilte auch der VDR mit, der seinen Mitgliedern zu Vorsicht rät.

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17.04.2026 · 18:59 Uhr
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