Ski-Weltcup in Kitzbühel

Kitzbühel-Wahnsinn: Vogts Olympia-Chaos und Straßers Podest

25. Januar 2026, 15:32 Uhr · Quelle: dpa
Ski alpin: Weltcup in Kitzbühel
Foto: Marco Trovati/AP/dpa
Linus Straßer jubelt über Platz drei im Slalom von Kitzbühel.
In Kitzbühel geht es für die deutschen Ski-Asse emotional auf und ab. Einem kleinen Abfahrts-Coup folgt ein sportpolitisches Tohuwabohu. Es gibt ein Happy End - dank Slalomfahrer Straßer und des DOSB.

Kitzbühel (dpa) - Unter dem Jubel der tausenden Ski-Fans lehnte sich Linus Straßer glückselig auf seine Ski, die Erleichterung über sein Podest-Comeback war ihm deutlich anzusehen. Nach fast zwei Jahren Durststrecke und pünktlich vor den Olympischen Winterspielen hat es ausgerechnet beim Klassiker in Kitzbühel wieder geklappt mit dem Sprung unter die besten drei im Weltcup. «Das Timing hätte schlechter sein können», sagte der Münchner in der ARD und verriet: «Ich kann mich jetzt endlich rasieren. Ich habe mir selbst das Ding gesetzt: Ich rasiere mich erst, wenn ich wieder auf dem verdammten Podium stehe.»

Fast gleichzeitig zum Straßer-Coup in Tirol teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auch noch mit, den Abfahrer Luis Vogt für die Winterspiele nachnominieren zu wollen. Ein entsprechender Antrag werde an das IOC geschickt, weil Vogt bei der legendären Abfahrt auf der Streif am Samstag auf einen starken achten Platz gefahren war. Das in diesem Winter oft gescholtene deutschen Männer-Ski-Team erlebte also ein doppeltes Happy End in Kitzbühel.

Straßers Aufholjagd: «Die Kirsche obendrauf»

Und Straßer ist dabei ein Hauptdarsteller. Auf dem Ganslernhang, wo er als Kind Skifahren gelernt und 2024 noch im Weltcup gewonnen hatte, waren diesmal nur der umjubelte Sieger Manuel Feller aus Österreich und der Schweizer Weltmeister Loic Meillard schneller als der 33 Jahre alte Straßer, der nach dem ersten Durchgang nur Zehnter war und dann mächtig aufholte.

«Das ist die Kirsche obendrauf», schilderte Straßer. Er hatte im Sommer nach vielen Jahren seine Skimarke gewechselt und danach etliche Rückschläge kassiert. In dieser Saison war er stets jenseits der Top 7 gelandet. Aber er glaubte an sich. «Der Weg dorthin, die Zweifel, die zu überwinden und eine Lösung zu finden, daran zu wachsen, das ist das, was Spaß macht und was mich heute ein bisschen emotional werden lässt», sagte der Familienvater.

Doppelter DSV-Jubel dank Vogt und Straßer

Als Straßer auf dem Siegerpodest eine bronzene Gamsstatue überreicht bekam, reckte er diese strahlend in die Höhe und brüllte ein lautes «Jaaa!».

Ganz ähnlich - nur aber ohne Pokal - hatte gut 24 Stunden zuvor Abfahrer Vogt auf seinen achten Platz in der Abfahrt reagiert. Es war ein kleiner Coup: Der 23-Jährige war noch nie so weit vorn im Weltcup und sorgte zudem für einen Lichtblick im bislang trübgrauen Winter der deutschen Speedfahrer.

Doch die Freude wurde jäh getrübt - denn schnell stellte sich im deutschen Ski-Team die Frage, ob der Garmischer denn nun mit zu Olympia dürfe. Ein Chaos drohte: Die Nominierungsfrist des DOSB war nämlich schon abgelaufen, die fünf deutschen Startplätze für Bormio waren verteilt.

Vogt kommt Shootingstar Franzoni und Superstar Odermatt nahe

«Das liegt nicht in meinen Händen», sagte Vogt selbst zur Bredouille. Der Zwei-Meter-Rennfahrer, der sich mit Schuhgröße 50 in Skistiefel der Größe 47 zwängte, hatte mit einer beherzten Fahrt sogar Sieger Giovanni Franzoni (Italien) und Superstar Marco Odermatt (Schweiz) auf Rang zwei bangen lassen. «Saugeil», fand Vogt, den Verletzungen in den vergangenen Jahren immer wieder gebremst hatten. Das Grinsen wich ihm im Zielraum von Kitzbühel nicht aus dem Gesicht; Fans und Freunde mit Plakaten jubelten dem Oberbayern zu.

Deutsche Männer nur mit fünf Olympia-Startplätzen

Aber natürlich wurde er auch nach Olympia gefragt. Eine Nachnominierung «wäre mega», meinte er, sagte aber auch, dass die bisher Ausgewählten «große Namen mit guten Platzierungen» und «berechtigt» eingeladen seien.

Eines ist unter den vielen Fragezeichen klar: Mehr als die fünf Startplätze, die der Skiweltverband Fis den Deutschen zugeteilt hatte, wird es nicht geben. Eigentlich waren es sogar nur drei, dann aber bekam der DSV immerhin noch zwei Extra-Plätze. Hintergrund ist, dass die Fis so viele Nationen wie möglich bei Olympia dabeihaben will - zum Leidwesen der Top-Teams.

Neureuther schimpft: «Geh auf Barrikaden»

«Diese Quotenregelung ist totaler Quatsch», schimpfte Ex-Skirennfahrer Felix Neureuther in der ARD. «Es werden Athleten mitgenommen aus Ländern, die nicht den Hauch einer Chance haben. Und von den Besten der Welt müssen einige daheim bleiben.» Neureuther sagte im Hinblick auf Vogt: «Wenn der nicht mitgenommen wird, dann geh’ ich auf die Barrikaden.»

So weit dürfte es nicht kommen: Der DOSB verkündete am Sonntag, Vogt beim IOC nachzumelden. Der Dachverband hofft, dass der Athlet auf der Olympia-Strecke in Bormio zunächst an den Trainings teilnehmen darf und beim Wettkampf zum Einsatz kommt, falls ein anderer Deutscher ausfällt.

Ski alpin / Wintersport / Weltcup / Kitzbühel / Olympia / Super-G / Deutsches Ski-Team
25.01.2026 · 15:32 Uhr
[1 Kommentar]
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