Kita-Personalnot in Deutschland: Nur jede siebte Einrichtung ist optimal besetzt
In Deutschland offenbart eine aktuelle Studie erhebliche Defizite in der Personalausstattung der Kindertagesstätten. Lediglich rund 13,7 Prozent der Kitas können laut einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung und des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Universität Wien auf die empfohlene volle Personalbesetzung zurückgreifen. Die Analyse zeigt signifikante regionale Unterschiede: Westdeutschland erreicht im Schnitt 16,3 Prozent, während in Ostdeutschland und Berlin nur 2 Prozent der Einrichtungen optimal besetzt sind.
Ein Blick auf die Bundesländer zeigt, dass Baden-Württemberg und Bremen mit jeweils einem Drittel der Kitas am besten abschneiden. Niedersachsen folgt mit knapp 20 Prozent und Schleswig-Holstein mit gut 17 Prozent. Demgegenüber stehen dramatische Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, wo rund 84 Prozent der Kitas mit maximal 60 Prozent des benötigten Personals auskommen müssen. Um die unterschiedlichen Anforderungen der heterogenen Gruppen besser abzubilden, wurde die neue Personalausstattungsquote entwickelt.
Dieser Indikator berücksichtigt Faktoren wie Kita-Größe, Altersstruktur und den Anteil nicht-deutschsprachiger Kinder sowie Kinder mit Förderbedarf. Klar ist: Besonders Kinder mit speziellen pädagogischen Bedürfnissen benötigen zusätzliche Betreuung. Die Bildungswissenschaftlerin Kathrin Bock-Famulla betont die wachsenden Anforderungen an die Kitas, sowohl in der Quantität als auch Qualität des Personals. Alarmierend ist, dass viele Einrichtungen ihren Auftrag nicht vollständig erfüllen können.
Positiv vermerkt die Studie jedoch, dass in den meisten Bundesländern die Personalausstattungsquote mit steigendem Anteil von Kindern mit Behinderung zunimmt. Die Einführung des geplanten Startchancen-Programms, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, könnte helfen, soziale Ungleichheiten zu reduzieren und Fördermittel gezielter einzusetzen. Doch bislang bleibt die Umsetzung ungewiss. Der erhebliche Personalmangel könnte gravierende Folgen haben, insbesondere für die Sprachbildung der Kinder.
Besonders in den ostdeutschen Bundesländern könnte die sinkende Geburtenrate eine Chance bieten, das Personalproblem zu lösen—vorausgesetzt, es gelingt, die Fachkräfte im Berufsleben zu halten. Andernfalls drohen weitere Schließungen von Gruppen und Einrichtungen.

