Kingdom Come: Deliverance – Regisseur Daniel Vávra verlässt die Spieleentwicklung für eine Verfilmung des Mittelalter-Epos
Kingdom Come: Deliverance hat eine jener seltenen Erfolgsgeschichten geschrieben, die aus einem ambitionierten Herzensprojekt eine weltweite Marke gemacht haben. Doch nun steht eine Weichenstellung an, die das Franchise in eine völlig neue Richtung lenkt – und die selbst treue Fans überraschen dürfte. Hinter der Ankündigung steckt ein Name, ohne den Kingdom Come nie geworden wäre, was es heute ist.
Daniel Vávra zieht sich aus der Spieleentwicklung zurück
Warhorse-Studios-Chef Martin Frývaldský hat bestätigt, dass Regisseur und Mitgründer Daniel Vávra eine neue Rolle im Studio übernimmt: Er widmet sich fortan der Entwicklung einer Filmadaption der Kingdom Come: Deliverance-Reihe. Vávra hat nach eigenen Angaben schon länger den Wunsch gehabt, etwas grundlegend anderes auszuprobieren – nach drei Spielen, die allesamt weltweit Erfolge feierten, ist dieser Schritt aus seiner Sicht folgerichtig. „Er hat drei Spiele gemacht, die ein globaler Erfolg waren, und wollte schon lange etwas Neues ausprobieren“, so Frývaldský. Im Büro werde man Vávra zwar nicht mehr täglich antreffen, doch er bleibt offiziell Teil von Warhorse Studios – Frývaldský beschrieb seine neue Funktion treffend als „Transmedia-Direktor“.
Ein Drehbuch liegt vor – Verhandlungen mit Produktionsfirmen laufen
Bemerkenswert ist, wie weit die Vorbereitungen bereits gediehen sind: Ein Drehbuch für den Kingdom Come-Film wurde bereits verfasst, und Warhorse Studios befindet sich derzeit in Gesprächen mit Produktionsgesellschaften. Frývaldský machte keinen Hehl daraus, dass er die Verfilmung als folgerichtigen nächsten Schritt für eine Marke betrachtet, die in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen ist. „Wir wären blind, wenn wir nicht erkennen würden, wie sehr unsere Marke gewachsen ist“, sagte er. Wer die Handschrift von Vávra aus den Spielen kennt – oder auch aus dem Mafia-Universum –, dürfe sich auf eine erzählerisch wuchtige Geschichte gefasst machen, so die Ankündigung. Der Film solle die Spielereihe ergänzen, nicht ersetzen, und als eigenständiges Werk bestehen können.
Henry aus Skalitz auf der Leinwand – was die Vorlage bietet
Die erzählerische Grundlage der Vorlage ist stark: Kingdom Come: Deliverance folgt dem jungen Schmiedesohn Henry aus dem Dorf Skalitz, dessen gesamtes Leben durch einen brutalen Überfall zerstört wird. Was folgt, ist ein beschwerlicher Weg durch politische Ränkespiele und persönliche Prüfungen – angetrieben vom letzten Wunsch seines Vaters, ein Schwert an den Heerführer Radzig Kobyla zu überbringen. Diese Ausgangssituation bietet filmisch reichlich Stoff: Charaktertiefe, historische Authentizität und ein Mittelalter-Böhmen, das weit entfernt ist von jeglicher Fantasyromantik. Das Originalspiel erschien 2018 und gilt bis heute als Kultklassiker, während sein Nachfolger Kingdom Come: Deliverance 2 die Reihe erfolgreich fortführte.
Was bedeutet Vávras Abgang für die Zukunft von Warhorse?
Vávra ist nicht nur Regisseur – er ist Mitgründer und kreativer Kopf hinter allem, was Warhorse bislang erschaffen hat. Sein Rückzug aus der aktiven Spieleentwicklung wirft naturgemäß Fragen auf, insbesondere mit Blick auf mögliche künftige Teile der Reihe. Das Studio selbst hat diese Bedenken bereits vorsorglich zerstreut und betont, es handle sich um keine Trennung, sondern um eine bewusste Erweiterung der Marke in neue Ausdrucksformen. Wie gut das gelingt, wird letztlich davon abhängen, ob Vávras Gespür für glaubwürdige, erdverbundene Geschichten auch jenseits des Bildschirms trägt.


