KI-Agenten: Die nächste Revolution im Online-Handel?
Die digitale Einkaufswelt steht vor einer bedeutenden Neuerung: 2026 sollen in Europa KI-Agenten Einzug halten, die weitgehend selbstständig Einkaufsaufträge abwickeln und sogar Reisen buchen können. Pascal Beij, Chief Commercial Officer des Zahlungsdienstleisters Unzer, kündigte bereits erste Pilotprojekte für das kommende Jahr an. Große US-Technologiekonzerne, Kreditkartenunternehmen sowie Online-Reiseportale und -Handelsplattformen bereiten sich intensiv auf diesen Wandel vor. Nach Einschätzung der Branche könnte die sogenannte "agentische KI" innerhalb weniger Jahre einen erheblichen Marktanteil erobern.
Der Entwicklungsstand dieser Technologie deutet auf eine grundlegende Veränderung im Online-Handel hin. Während generative KI-Modelle wie ChatGPT bisher hauptsächlich zur Beantwortung von Fragen und zur Unterstützung der Produktsuche genutzt wurden, können die neuen KI-Agenten auch eigenständig Bestellungen tätigen. Nutzer hinterlegen Zahlungsinformationen und müssen lediglich die Transaktion am Ende bestätigen. Diese Systeme sollen vielfältige Aufgaben im Alltag erleichtern, von der Urlaubsplanung bis hin zum täglichen Einkauf.
Visa, ein bedeutender Akteur der Zahlungstechnologie, sieht in der agentischen KI eine Parallele zum Beginn des E-Commerce in den 1990er Jahren. Erste Transaktionen in den USA verliefen erfolgreich und für Europa sind ähnliche Entwicklungen in naher Zukunft absehbar. Tobias Czekalla, Visa-Deutschlandchef, erklärt, dass Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg dieser Technologie sei. Sicherheitsvorkehrungen sollen Manipulationen verhindern und sowohl Händler als auch Verbraucher überzeugen.
Trotz der vielversprechenden Aussichten bleibt Skepsis bei den Verbrauchern bestehen. Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH können sich zwar viele die Unterstützung durch KI-Agenten vorstellen, aber nur wenige würden der Technologie die volle Kontrolle über ihre Einkäufe überlassen. Die Etablierung von Vertrauen ist daher entscheidend, um die Akzeptanz zu steigern.
Die Einsatzmöglichkeiten von agentischen KI-Systemen beschränken sich jedoch nicht nur auf den Einzelhandel oder Tourismus. Auch im B2B-Geschäft und in weiteren Branchen wie der Produktionsplanung oder dem Wertpapierhandel könnten sich vielversprechende Anwendungsgebiete auftun. Besonders für Mittelständler eröffnen sich neue Chancen, um ohne großes Werbebudget im Online-Handel präsent zu sein. Optimierungen an der eigenen Webseite und detaillierte Produktbeschreibungen könnten entscheidend für den künftigen Erfolg sein.
Doch auch Risiken begleiten diese Transformation. Der Handelsverband Bayern betont, dass Unternehmen, die sich dieser technologischen Entwicklung verschließen, relevante Kundenpotenziale verlieren könnten. Die IFH Köln Umfrage zeigt indes, dass viele Verbraucher von Vorteilen wie Zeitersparnis und besseren Empfehlungen überzeugt sind. Dabei bleibt die Kontrolle über die finale Kaufentscheidung für viele ein zentrales Anliegen, was möglicherweise jüngere Generationen in ihrer Bereitschaft, KI-Agenten zu nutzen, weniger beeinflusst.

