Ken Griffin warnt vor US-Politik: „Cash wäre besser gewesen“ – Märkte feiern Handelsfrieden
Der S&P 500 legte am Montag um 3,3 Prozent zu, der Nasdaq 100 sogar um 4 Prozent – ein Kursfeuerwerk, ausgelöst durch die Ankündigung eines Zoll-Waffenstillstands zwischen den USA und China. Noch vor wenigen Tagen hatten Strafzölle von bis zu 145 Prozent auf chinesische Waren die Märkte erschüttert und Gold auf Rekordniveau getrieben.
Für Ken Griffin, Gründer des Hedgefonds-Riesen Citadel, kommt die Erholung dennoch zu spät. Im Rückblick wäre es klüger gewesen, sich temporär aus den Märkten zurückzuziehen. „Vielleicht wäre es besser gewesen, einfach in Cash zu gehen“, sagte Griffin im Interview mit Bloomberg Originals. Das widerspreche zwar der offensiven Kultur bei Citadel, doch die sprunghaften politischen Entscheidungen aus Washington hätten fundamentale Investoren zuletzt vor kaum kalkulierbare Risiken gestellt.
Seit dem 2. April hatte Präsident Trump mit seinem „Liberation Day“ eine Serie von Zollerhöhungen losgetreten, die nahezu alle Importe betrafen – mindestens 10 Prozent auf breiter Front, für chinesische Produkte drastisch mehr. Die Maßnahmen ließen Aktienkurse einbrechen und sorgten für Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren weltweit.
Griffin kritisiert die Zollpolitik seit Langem als eine Art „regressive Steuer“, die vor allem die amerikanische Arbeiterschicht trifft. Mit Blick auf die Zwischenwahlen sieht er politischen Sprengstoff: „Diese Politik wird einen echten Preis haben“, sagte er. Zugleich lobte er Finanzminister Scott Bessent, der bei den jüngsten Verhandlungen mit China „materielle Fortschritte“ erzielt habe – auch wenn der endgültige Durchbruch noch aussteht.
Ein weiteres Signal kam von der Technologiebörse: Nachdem Trump letzte Woche angekündigt hatte, bestimmte Chip-Exportbeschränkungen aus Biden-Zeiten zurückzunehmen, legten Halbleiterwerte deutlich zu. Das Ziel: eine Neuordnung des globalen Handels mit KI-Komponenten, die bislang nicht nur Tech-Konzerne, sondern auch internationale Partner kritisiert hatten.
Offen bleibt, ob Washington künftig den Zugang chinesischer Firmen zu US-Halbleitern wieder ausweiten wird. Bis dahin bleibt die Stimmung an den Märkten fragil – ebenso wie das Vertrauen von Investoren in die Berechenbarkeit der US-Wirtschaftspolitik.

