Kapitalgedeckte Rentensysteme: Ein notwendiger Blick in den Spiegel
An der Börse zählt Demut zu den wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Investoren – ebenso notwendig erscheint diese für die politische Debatte über die deutsche Rentenpolitik. Laut Fondsmanager Roger Peeters mangelt es in der deutschen Rentenpolitik an dieser wichtigen Tugend, während andere Länder bereits auf kapitalgedeckte Systeme vertrauen.
Als junger Student lernte Peeters aus Schulbüchern, dass das derzeitige Umlagesystem instabil ist und die Demografie eine Herausforderung darstellt. Laut ihm hätte man schon längst auf Kapitaldeckung mit Beteiligung am wirtschaftlichen Fortschritt umstellen müssen. Doch anstatt mutiger Reformen habe man sich mit marginalen Verlängerungen der Arbeitszeit und halbherzigen Maßnahmen zufriedengegeben. Mittlerweile verschlingt das Rentensystem ein Drittel des Bundeshaushalts, und die Schieflage wird immer offensichtlicher.
Ein Beispiel für erfolgreiche Rentenpolitik zeigt sich in Schweden, wo Pensionsfonds wie der Premium-Pensions-Standardfonds AP7 Såfa für deutlich höhere Renten sorgen. Ein parteiübergreifendes Eingeständnis der bisherigen Fehler und die Umsetzung von unpopulären, aber notwendigen Maßnahmen wäre sinnvoll – doch dem steht die fehlende Demut im Wege. Stattdessen plant das Bundesministerium der Finanzen, detaillierte Vorgaben über förderfähige Anlagen zu machen, obwohl der bisherige Erfolg des deutschen Rentensystems zu wünschen übrig lässt.
Roger Peeters kritisiert diesen Mangel an Einsicht und fordert mehr Weitblick. Der Schlüssel zur Stabilität liegt, so scheint es, in der Fähigkeit zur Selbstkritik und im Mut, neue Wege zu beschreiten.

