Joschka Fischer fordert Rückkehr zur Wehrpflicht: Eine Debatte mit echtem Zündstoff
In einem überraschenden Statement hat der ehemalige Außenminister Joschka Fischer die Wiedereinführung der Wehrpflicht gefordert. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin 'Spiegel' betonte der prominente Grünen-Politiker, die Personalstärke der Bundeswehr sei 'verdammt niedrig', und er sehe die Notwendigkeit, die Wehrpflicht zu reaktivieren.
Das Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 hatte de facto sowohl die Wehr- als auch die Zivildienstpflicht abgeschafft. Doch angesichts der aktuellen Sicherheitslage, die sich durch die russische Invasion in der Ukraine verändert hat, erwägen Union und SPD ein neues Modell, das zunächst auf Freiwilligkeit basiert.
Fischer jedoch ist überzeugt, dass Freiwilligkeit allein nicht ausreicht, um die Abschreckungsfähigkeit zu gewährleisten. 'Ohne eine Wehrpflicht wird das nicht gehen', erklärte er und plädierte zugleich für die Gleichstellung, indem er auch Frauen in die Pflicht nehmen möchte.
Unterstützung erhält Fischer vom Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, der auf eine zügige Wiedereinführung der Wehrpflicht drängt. Er bezeichnete es als unverantwortlich, die Vorbereitung darauf weiter zu verzögern. Diese Forderungen kommen nur Tage nachdem die Nato-Verteidigungsminister das größte Aufrüstungsprogramm seit dem Kalten Krieg beschlossen haben, was für Deutschland bis zu 60.000 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten bedeuten könnte.
Fischer, mittlerweile über ein Jahrzehnt aus seinem politischen Amt ausgeschieden, gibt zu, dass sein ursprüngliches Nein zur Wehrpflicht heute als 'eindeutig' fehlerhaft betrachtet werden müsse. Er unterstreicht: 'Für die eigene Freiheit muss man einstehen. Wenn es darauf ankommt, auch kämpfen.'

