Japans Zentralbanker jonglieren: Zinsentscheidung erfordert Geduld
Die Bank of Japan (BOJ) scheint geneigt, die Zinsen in der kommenden Woche stabil zu halten. Hintergrund dieser Überlegung sind die Unsicherheit globaler Risiken und die Lohnentwicklung im nächsten Jahr, die einer intensiveren Betrachtung bedürfen. Ein solcher Schritt würde die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Januar oder März erhöhen, wenn mehr Informationen über die Lohnsituation vorliegen.
Innerhalb der Zentralbank herrscht jedoch Uneinigkeit über den endgültigen Beschluss. Einige Vorstandsmitglieder sind der Ansicht, dass Japan die Bedingungen bereits im Dezember erfüllt hat. Die Entscheidung wird von der Überzeugung jedes Vorstandsmitglieds abhängen, ob Japan nachhaltige, lohngetriebene Preissteigerungen erreicht.
Ein geringer Prozentsatz spricht dafür, dass die BOJ handeln könnte, sollten Ereignisse wie das bevorstehende Zinsentscheidungstreffen der US-Notenbank Fed eine schnelle Yen-Abwertung auslösen und den Inflationsdruck erhöhen. Dennoch zeigen sich viele BOJ-Politiker derzeit nicht in Eile, da wenig Risiko besteht, dass die Inflation die Erwartungen übertrifft.
Der bevorstehende wirtschaftspolitische Zuspruch erfolgt vor dem Hintergrund moderaten Wirtschaftswachstums, steigender Löhne und einer Inflationsrate, die seit mehr als zwei Jahren das 2%-Ziel überschritten hat. Die BOJ zeigt Vertrauen in den wirtschaftlichen Ausblick, indem sie am Kurs festhält, dass der Verbrauch "moderat ansteigt".
Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt die Dringlichkeit, die Zinsen zu erhöhen, aus, da der Inflationsdruck durch Rohstoffimporte dank des jüngsten Yen-Anstiegs nachgelassen hat. Dies unterscheidet sich von der Erhöhung im Juli, als die schnelle Yen-Abwertung die Importpreise in die Höhe trieb.
Während steigende Löhne einige Unternehmen veranlassen, ihre Preise zu erhöhen, sind diese Entwicklungen bisher nicht besorgniserregend genug, um eine Lohn-Inflationsspirale auszulösen. Ein zu frühes Handeln im Dezember könnte den Märkten den Eindruck vermitteln, die BOJ sei in Eile, was sie tunlichst vermeiden möchte.
Zusätzlich wird die Vorsicht von der unsicheren Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump beeinflusst. Die größte Bedrohung für Japans Wirtschaft komme von außen, da schwache globale Nachfrage die Unternehmensgewinne schmälern und die Bereitschaft zur Lohnerhöhung dämpfen könnte.
Die Entscheidung der BOJ fällt nur wenige Stunden nach jener der Fed, die voraussichtlich die Zinsen senkt. Sollte die Fed die Märkte überraschen und ihre Zinsen beibehalten, könnte ein Dollarschub die BOJ unter Druck setzen, um eine abrupte Yen-Abwertung zu verlangsamen.

