Diplomatie

Iran attackiert Kanzler Merz: «Widerwärtiger Charakter»

05. Februar 2026, 13:46 Uhr · Quelle: dpa
Irans Außenminister Araghtschi
Foto: Ramil Sitdikov/Pool Reuters/dpa
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hält nicht viel von Kanzler Merz. (Archivbild)
Der Iran betrachtete Deutschland einst als einen zuverlässigen Partner. Jetzt scheint der Frust wegen Sanktionen und Druck so tief zu sitzen, dass Irans Chefdiplomat Kanzler Merz persönlich angreift.

Teheran (dpa) - Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat Bundeskanzler Friedrich Merz scharf kritisiert und Hoffnung auf einen Regierungswechsel in Berlin geäußert. Auf der Plattform X warf Araghtschi dem Kanzler «politische Naivität» und einen «widerwärtigen Charakter» vor. 

Araghtschi schrieb weiter, der Iran habe stets enge Beziehungen zu Deutschland gepflegt. «Umso bedauerlicher ist es, dass nun eine Person wie Herr Merz Deutschland auf der Weltbühne vertritt.» Der Minister betonte: «Wir hoffen, dass Deutschland wieder eine reifere und ehrenhafte politische Führung bekommt.» Deutschland sei vom «Motor des Fortschritts in Europa» zum «Motor des Rückschritts geworden».

Merz: Ausdruck von Nervosität

Merz reagierte während eines Besuchs in Katar auf den iranischen Chefdiplomaten. «Das ist offensichtlich Ausdruck von großer Nervosität und Unsicherheit.» Die Sorge vor einer militärischen Eskalation in der Region sei groß, so Merz weiter. Der Iran müsse aufhören, eine «destabilisierende Macht in der Region» zu sein. 

Er rief die iranische Führung dazu auf, «in Gespräche einzutreten, die Aggression zu beenden, das Atomprogramm zu beenden, so, wie es international vereinbart ist und vor allem Länder wie Katar, Jordanien und Israel von weiteren militärischen Drohungen zu verschonen».

Araghtschi und Merz äußern sich vor geplanten Atomgesprächen

Hintergrund der Äußerungen sind geplante Gespräche zwischen dem Iran und den USA, die iranischen Angaben zufolge am Freitag in Maskat, der Hauptstadt des Oman, beginnen und indirekt geführt werden sollen. Ein Vermittler müsste dann jede Botschaft von einem Zimmer in das andere bringen. 

Teheran will nach eigenen Aussagen ausschließlich über sein Atomprogramm verhandeln. Die USA möchten auch das Raketenprogramm, Menschenrechtsverletzungen und die Unterstützung bewaffneter antiisraelischer Gruppen wie Hamas, Hisbollah und die Huthi thematisieren.

US-Vizepräsident nennt Diplomatie mit Iran absurd und bizarr

US-Vizepräsident JD Vance hält Diplomatie mit dem Iran für außerordentlich schwierig. Grund dafür sei, dass Irans Oberster Führer, Ajatollah Chamenei, zwar alle strategischen Entscheidungen treffe, aber nicht direkt mit den USA spreche. 

«Es ist bizarr, dass wir nicht einfach mit der tatsächlichen Führung eines Landes sprechen können. Das erschwert Diplomatie ganz erheblich», sagte Vance in der «Megyn Kelly Show» auf SiriusXM. «Die Person, die im Iran die Entscheidungen trifft, ist der Oberste Führer (...) Der Außenminister scheint mit dem Obersten Führer zu sprechen, und das ist im Wesentlichen die Person, mit der wir kommuniziert haben.» Das mache alles deutlich komplizierter und die gesamte Situation wesentlich absurder.

Sind die USA und der Iran zu Zugeständnissen bereit?

Die Gespräche werden von viel Skepsis begleitet. Aus Sicht des israelischen Iran-Experten Raz Zimmt lauten die zentralen Fragen, ob die maximalen Zugeständnisse, zu denen der Iran bereit sein könnte, den minimalen Zugeständnissen entsprächen, die US-Präsident Donald Trump zu akzeptieren bereit sei, und was er im Gegenzug Iran anzubieten gewillt sei.

Irans Chefdiplomat kritisiert EU-Sanktionen

Araghtschi kritisierte zudem, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien (E3) im September 2025 den sogenannten Snapback-Mechanismus auslösten. Damit können UN-Sanktionen gegen Iran reaktiviert werden, was das Wiener Atomabkommen von 2015 de facto außer Kraft setzte. Der Iran bezeichnet diese Entscheidung als verantwortungslos. Der Snapback-Mechanismus ist im Atomabkommen als Sanktionsmechanismus vorgesehen.

Merz rechnete mit einem baldigen Ende der Führung in Teheran 

Die E3 hatten nach dem US-Ausstieg aus dem Abkommen 2018 unter Donald Trump zunächst versucht, die US-Sanktionen zu umgehen. Seit 2024 verfolgen sie jedoch wieder einen restriktiveren Kurs und unterstützten die Rückkehr zu internationalen Sanktionen. Besonders über die deutsche Haltung zeigte sich der Iran enttäuscht. 

Ein weiterer Kritikpunkt Araghtschis betrifft Äußerungen von Merz zu den jüngsten Massenprotesten im Iran: «Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen», sagte Merz Mitte Januar. Teheran sprach von einer «verantwortungslosen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Irans». 

Journalisten in Teheran vermuten Frust und Kränkung 

Journalisten in Teheran werten Araghtschis Äußerungen als Zeichen wachsender Frustration der politischen Führung, ausgelöst durch Machtverluste im Land, zunehmende internationale Isolation und erwartete Zugeständnisse an die USA. Zudem sei Araghtschi nicht zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen worden, sondern Resa Pahlavi, Sohn des früheren Schahs und De-Facto-Anführer der Protestbewegung. Das sei sehr peinlich für die Teheraner Führung gewesen.

Diplomatie / Bundesregierung / Konflikte / Iran / Deutschland / Atomprogramm / Sanktionen
05.02.2026 · 13:46 Uhr
[4 Kommentare]
Vorfall am Weißen Haus
Washington (dpa) - In unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses haben Sicherheitskräfte Schüsse eines mutmaßlichen Angreifers erwidert und diesen dabei tödlich verletzt. Die Person habe eine Waffe aus einer Tasche gezogen und das Feuer eröffnet, daraufhin hätten Beamte zurückgeschossen und den Verdächtigen getroffen, teilte der für die Sicherheit des […] (01)
vor 33 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 19 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 46 Minuten
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Reihe erschien ein kurzes Video, das ein blinkendes Taxi-Schild zeigt. Mehr nicht. Kein Datum, kein Gameplay, kein Logo-Reveal. Und trotzdem reicht dieser Clip, um die Spekulationen um die Rückkehr des Arcade-Klassikers neu […] (00)
vor 9 Stunden
Lifetime setzt neuen True-Crime-Thriller mit Tia Mowry an
Mit «Single Black Tenant» kehrt Tia Mowry Ende Juni für eine weitere Produktion zum US-Sender Lifetime zurück. Der amerikanische Fernsehsender Lifetime baut seine Reihe „Ripped from the Headlines“ weiter aus und setzt dabei erneut auf Tia Mowry. Die Schauspielerin übernimmt in dem neuen Thriller Single Black Tenant nicht nur die Hauptrolle, sondern fungiert auch als ausführende Produzentin. […] (00)
vor 18 Stunden
Joao Fonseca
Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open. Rafael […] (00)
vor 34 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat Sanktionen gegen Personen und Organisationen verhängt, die mit einem mexikanischen Kartell in Verbindung stehen, das illegale Drogen handelt und die Erlöse über Kryptowährungsnetzwerke wäscht. Laut einer Pressemitteilung des Finanzministeriums leiten diese Personen und […] (00)
vor 7 Stunden
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 22 Stunden
 
Gebäudeeinsturz Philippinen
Manila (dpa) - Ein im Bau befindliches neunstöckiges Gebäude im philippinischen […] (00)
Strom aus Wellen: In Spanien liefert eine riesige Boje Strom ans Netz
Der Ozean bewegt sich pausenlos. Seit Jahrzehnten versuchen Ingenieur: innen, diese […] (02)
Ebola-Ausbruch - Kongo
Kinshasa (dpa) - Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigt […] (00)
Ukraine-Krieg - Kiew
Kiew (dpa) - Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit Drohnen und […] (00)
Directive 8020 im Test: Horrorfilm und Videospiel in einem!
Directive 8020 ist ein Survival Horror Videospiel welches von Superm assive Games […] (00)
William, Prinz von Wales, hat angedeutet, ob er die bevorstehende Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce besuchen wird.
(BANG) - William, Prinz von Wales, "hofft", zu Taylor Swift und Travis Kelces […] (00)
Finale von «The Late Show With Stephen Colbert» stellt Zuschauerrekord auf
Die Abschiedsausgabe der CBS-Show erreichte mehr Zuschauer als die eigentliche Premiere im Jahr […] (01)
Der Druck auf Deutschlands Chemiesektor Deutschlands Chemieunternehmen, die lange […] (00)
 
 
Suchbegriff