Insolvenzgeschehen in Deutschland: Höchstwert seit einem Jahrzehnt
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland nimmt weiterhin zu: Nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden im ersten Halbjahr 2025 rund 11.900 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. Dies entspricht einem Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotz eines abgeschwächten Wachstums, das im ersten Halbjahr 2024 noch bei 28,5 Prozent lag, erreicht die Zahl der Unternehmenspleiten den höchsten Stand seit 2015, als 11.530 Firmen betroffen waren.
Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, erklärt die Lage mit einer Kombination aus schwacher Nachfrage, steigenden Betriebskosten und anhaltender Unsicherheit. Besonders die finanziellen Polster der Unternehmen sind geschrumpft, was zu Schwierigkeiten bei der Kreditverlängerung führt und immer mehr Betriebe in Bedrängnis bringt.
Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Zahl der Insolvenzen um 17,5 Prozent auf 940 Fälle, während der Handel einen Zuwachs von 13,8 Prozent auf 2.220 Fälle verzeichnete. Die Industrie leidet unter explodierenden Rohstoff- und Energiekosten, während der Einzelhandel mit Kaufzurückhaltung und Konkurrenz aus dem Onlinehandel zu kämpfen hat. Der Dienstleistungssektor, zu dem auch die Gastronomie gehört, verzeichnet mit knapp 7.000 Fällen den größten Anteil an Unternehmenspleiten.
Die durch Insolvenzen verursachten Schäden belaufen sich auf geschätzte 33,4 Milliarden Euro für das erste Halbjahr 2025, was einem Anstieg gegenüber den 29,7 Milliarden Euro des Vorjahres entspricht. Auch die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze stieg auf 141.000 an, verglichen mit 133.000 im ersten Halbjahr 2024.
Auch Privathaushalte sind von der finanziellen Not betroffen, mit einem Anstieg der Verbraucherinsolvenzen um 6,6 Prozent auf 37.700 Fälle. Hantczsch warnt, dass das anhaltend hohe Insolvenzaufkommen zunehmend Kettenreaktionen auslöst, mit stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und Arbeitsplatzverlusten, insbesondere in der Industrie, die viele Haushalte unter Druck setzen.
Im ersten Quartal 2025 meldeten die Amtsgerichte 5.891 beantragte Unternehmensinsolvenzen – ein Plus von 13,1 Prozent zum Vorjahr. Experten prognostizieren für das Gesamtjahr eine Zunahme der Firmenpleiten. Nachdem die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen sind, sowie die Belastung durch hohe Energiepreise und politische Unsicherheiten, bleibt die Situation angespannt. Doch ein Lichtblick zeichnet sich ab: Laut Statistischem Bundesamt gab es im Mai 2025 erstmals seit über einem Jahr weniger angemeldete Insolvenzverfahren als im gleichen Monat des Vorjahres.

