Innovation im Bauwesen: Wie KI die Baubranche revolutioniert
Forschung und Entwicklung als strategische Notwendigkeit
Forschung und Entwicklung werden oft mit der Pharma- oder Technologiebranche assoziiert. Doch auch die Baubranche hat diese Disziplin als unverzichtbar erkannt, um den anhaltenden Druck zur Effizienzsteigerung, Sicherheit und Klimafreundlichkeit zu bewältigen. Unternehmen wie die börsennotierte PORR Group (ISIN: AT0000609607) investieren erhebliche Ressourcen in die Entwicklung neuer Technologien, Materialien und digitaler Lösungen.
SmartStreet: KI in der Baustoffproduktion
Ein herausragendes Beispiel für innovative Bauforschung ist das Projekt SmartStreet, das die PORR Group in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich für Materialtechnologie der Universität Innsbruck umsetzt. Das von der österreichischen Fördergesellschaft FFG unterstützte Projekt läuft von Oktober 2025 bis Oktober 2028 und hat das Ziel, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die in der Lage ist, die mechanischen Eigenschaften von Asphalt und Beton vorherzusagen. Dies geschieht durch die Analyse von recyceltem Gesteinsmaterial in variierenden Mengen und Körnungen.
Der Hintergrund dieses Projekts ist ein reales Problem in der Produktion: Der Einsatz von recycelten Materialien verändert die Eigenschaften des Endprodukts, was die Langlebigkeit der Bauwerke beeinflussen kann. Bisher waren aufwendige Labortests erforderlich, um diese Eigenschaften zu ermitteln. Die Implementierung eines neuronalen Netzwerks könnte diesen Prozess erheblich beschleunigen und somit die Effizienz in der Produktion steigern. Laut PORR handelt es sich hierbei um das erste Forschungsprojekt dieser Art weltweit.
Bedeutung für die CO2-Bilanz
Das Projekt hat auch weitreichende umweltpolitische Implikationen, da Zement für rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Allein in Österreich wurden 2024 etwa 12,3 Millionen Kubikmeter Beton produziert. Jede Optimierung des Recyclinganteils hat somit direkte Auswirkungen auf die CO2-Bilanz der gesamten Baubranche und könnte entscheidend zur Erreichung von Klimazielen beitragen.
Digitalisierung und Automatisierung im Bauwesen
Die Innovationsbestrebungen von PORR beschränken sich nicht nur auf Baustoffe. Im Bereich der digitalen Baulogistik wurde in Zusammenarbeit mit Branchenpartnern das Joint Venture SEQUELLO gegründet, das die Automatisierung von Bestell-, Liefer- und Rechnungsprozessen vorantreibt. Im Jahr 2024 wurden über SEQUELLO bereits 1.000 Baustellen und eine Million Kubikmeter Material vollständig digital abgewickelt.
Im Bereich der Maschinentechnik entwickelt die PORR Group Assistenzsysteme zur Verdichtungskontrolle sowie 3D-Maschinensteuerungen. Diese Technologien steigern die Präzision auf der Baustelle und reduzieren den manuellen Aufwand signifikant. Zudem werden in Kooperation mit Forschungseinrichtungen praxisnahe Lösungen entwickelt, die den gesamten Bauprozess optimieren.
Robotertechnologie und weitere Forschungsprojekte
Ein weiteres Beispiel für die Innovationskraft von PORR ist das Projekt RODRIGO, das den Einsatz von Baustellenrobotern für repetitive Aufgaben wie Bohren und Schleifen erprobt. Erste Pilotprojekte im Jahr 2024 haben bereits Effizienzgewinne gezeigt. Parallel dazu wird das Projekt CRAHOI entwickelt, das eine passive digitale Dokumentation von Kranprozessen ermöglicht und eine Integration in BIM-Projekte anstrebt.
Im Tunnelbau unterstützt die intern entwickelte Software DigiTun den konventionellen Vortrieb, indem Poliere Informationen cloudbasiert während der Bauausführung erfassen. Dies ermöglicht eine tagesaktuelle Abweichungserkennung und Mengenermittlung.
Patente und Auszeichnungen
Laut dem Geschäftsbericht 2024 hält die PORR Gruppe derzeit 28 aktive Patente in verschiedenen Ländern, und im Jahr 2024 wurde ein neues Patent veröffentlicht. Der Erfolg der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wird auch durch die Auszeichnung als Innovativste Aktie Österreichs 2025 unterstrichen, die PORR im Dezember 2025 erhielt.
Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind nicht nur ein Zeichen des Engagements für Innovation, sondern auch ein strategischer Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und des Shareholder Values. Unternehmen, die sich in diesem Bereich positionieren, können nicht nur ihre Prozesse optimieren, sondern auch einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Für Investoren stellt sich die Frage, wie sich diese Innovationskraft auf die zukünftige Marktstellung und den Wert der Aktie auswirken wird. Die Entwicklung in der Baubranche zeigt, dass die Integration von Technologie und nachhaltigen Praktiken nicht nur notwendig, sondern auch profitabel ist.

