Gestrandeter Wal in der Ostsee

Wind nimmt zu - «Plan B» für Walrettung

19. April 2026, 20:59 Uhr · Quelle: dpa
Rettungsaktion für den Buckelwal
Foto: Stefan Sauer/dpa
Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative für den gestrandeten Wal in der Ostsee sagt, es gibt einen Plan B für den Fall, dass der Wal sich selbst freischwimmt.
Seit rund vier Tagen laufen die Vorbereitungen für den Transport des Buckelwals zurück ins offene Meer. Der Wind wird stärker, der Wasserstand steigt. Vielleicht schwimmt der Wal sich selbst frei?

Kirchdorf (dpa) - Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal wird am Sonntag nicht mehr aus der Bucht der Insel Poel gebracht, in der das Tier seit 20 Tagen im flachen Wasser festliegt. Der Wasserstand sei gestiegen, was ein Anbringen der Pontons und ein Begleiten des Wals wie geplant unmöglich mache, sagte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur. 

Für den Fall, dass der Wal sich selbst freischwimmt, verwies Constanze von der Meden von der Rettungsinitiative auf einen Plan B. «Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können.» 

Der Wasserstand soll in der Nacht um bis zu 70 Zentimeter steigen. Der Wal hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigenen Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt. 

Gunz: Rettungsversuch wieder bei Stunde null

Gunz wiederum sieht den derzeit laufenden Rettungsversuch vor Poel wieder bei Stunde null. «Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt», sagte er. «Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.» Das sei eine ganz andere Situation. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, «ob sich dieser Wal noch geleiten lässt». Das lang erdachte Konzept sei so nicht durchzusetzen. «Jetzt sind wir quasi irgendwo Stunde null.» 

Der Plan sah vor, eine Plane unter den Wal zu ziehen und diese an Pontons zu befestigen, die wiederum von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. So sollte das Tier in die Nordsee und möglichst sogar bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit Donnerstag. Die Plane ist nach Behördenangaben bereits im Wasser, der Wal kann sie demnach sehen. Am Sonntag wurde zudem eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung Wal hergestellt, indem Schlick weggesaugt wurde.

Gunz beklagt Verzögerungen durch Bürokratie 

Gunz beklagte zugleich Verzögerungen durch Bürokratie, «die uns eineinhalb bis zwei Tage zurückgeworfen haben». «Jetzt brauchen wir ein Wunder», sagte Gunz. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wies in einem Statement auf Poel am Sonntag Verzögerungen seitens der Behörden zurück. Sie reagierten schnell und flexibel, sagte er.

 

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel. 

Von der Meden sagte, der Meeressäuger habe am Morgen «tolle Reaktionen» und viel Lebensenergie gezeigt. Die Anwältin ist Teil der privat finanzierten Rettungsaktion von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Die Aktion wird vom Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet und eng mit Behördenvertretern abgestimmt.

Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort sind. Insgesamt sind fünf DLRG-Boote und ein Jet-Ski am Hafen von Kirchdorf und etwa 20 DLRG-Kräfte rund um den Buckelwal im Einsatz. Eine Rolle spielt auch die zunehmende Windstärke, die die Rettungsaktion beeinträchtigen könnte.

GPS-Sender für den Wal?

Fast zeitgleich zu der Pressekonferenz der privaten Initiative am Nachmittag gab auch Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) eine Pressekonferenz. Nach seinen Worten geht es dem Wal den Umständen entsprechend «einigermaßen» gut. «Er lebt, er atmet», so Backhaus. Der Wal sei unter der Kontrolle von fünf Tierärzten, von dreien der privaten Rettungsinitiative und zweien der staatlichen Veterinärverwaltung. «Er signalisiert, er vokalisiert und er zeigt auch Aktionen.»

Falls der Buckelwal befreit werden oder sich selbst befreien kann, könnte das Tier auch einen GPS-Sender verpasst bekommen. «Es wird jetzt im Übrigen auch noch geprüft, ob wir ihm einen GPS-Sender verabreichen, wenn ich das mal so sagen darf, also aufkleben», betonte Backhaus. Es mache durchaus Sinn, ihn damit auszustatten. «Damit wir genau wissen, wo er ist. Denn der Wal kann eben auch für längere Zeit abtauchen. Und dann können wir ihn Tag und Nacht begleiten.»

Tierärztin: Wal atmet tiefer

Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, zeigte sich zuversichtlich zum Zustand des Tieres. «Er atmet deutlich tiefer ein. Das ist ein gutes Zeichen. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären sei sie bei dem Wal gewesen. «Dass das ein Tier ist, das nicht in den letzten Zügen liegt, haben wir gesehen.»

Bedenken, dass ein Rettungsversuch dem Tier schaden könnte, wies sie zurück. «Wir sind nicht hier, um irgendeinem Tier weiteres Leiden zuzufügen», sagte sie. Vielmehr solle der Wal aus seinem «Gefängnis» befreit werden.

«Wir haben ein gutes Gefühl», sagte Bahr-van Gemmert, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet, bei der Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf. Der Wal reagiere nicht aufgeregter auf den Saugbagger als auf die Menschen. «Ich bin mir sicher, das Tier merkt, wir wollen ihm helfen.»

Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies Bahr-van Gemmert zurück: «Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen.» Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.

Tier / Wissenschaft / Notfall / Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland / Schleswig-Holstein / Buckelwal
19.04.2026 · 20:59 Uhr
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