Infrastrukturaufträge sichern Baukonjunktur – Sorgen im Wohnungsbau bleiben
Dank zahlreicher öffentlicher Großaufträge im Bereich der Infrastruktur hat sich das deutsche Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr vor einem stärkeren konjunkturellen Abschwung bewahrt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die nominalen Auftragseingänge leicht um 1,1 Prozent auf 103,5 Milliarden Euro an – ein Effekt, der allerdings maßgeblich auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist. Bereinigt um diese Effekte lagen sowohl Auftragseingänge als auch der Umsatz unter den Werten von 2023.
Im Tiefbau konnte ein beachtlicher nominaler Zuwachs von 5,7 Prozent erzielt werden, während der Hochbau mit einem Rückgang von 4,0 Prozent zu kämpfen hatte. Besondere Impulse boten staatliche Großprojekte, die auf die Erneuerung von Autobahnen, Brücken und Tunneln sowie den Ausbau des Stromnetzes abzielen. Angesichts der rückläufigen Entwicklung im Hochbau fordert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) von der Politik verlässliche Fördermaßnahmen und stabile Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Betont wird, dass energetische Anforderungen nicht weiter verschärft werden sollten.
Der Branchenumsatz erreichte mit 114,8 Milliarden Euro einen nominalen Höchststand, liegt jedoch real 1,0 Prozent unter dem Vorjahr. Diese Zahlen umfassen Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern. Der ZDB schätzt den Gesamtumsatz der Branche auf 163 Milliarden Euro. Neben dem realen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent verzeichnete der Sektor einen bedeutenden Beschäftigungsabbau: Erstmals seit 2009 sank die Zahl der Arbeitsplätze um fast 12.000 auf 916.300 Beschäftigte.
Der Dezember brachte keine signifikante Wende und zeigte im Vergleich zum November einen Rückgang der Aufträge um 7,7 Prozent. Trotzdem lag die Monatsbilanz real minimal über dem Vorjahresniveau. Angesichts dieser Entwicklung blickt der Hauptverband der Bauindustrie vorsichtig in die Zukunft. Ein preisbereinigter Umsatzrückgang um 1,4 Prozent wird prognostiziert. Besonders drastisch könnte sich die Lage im Wohnungsbau entwickeln, mit einem erwarteten Rückgang von 5 Prozent. Der Verband fordert erhöhte und kontinuierliche Investitionen in die Infrastruktur, um langfristigen Substanzverlusten entgegenzuwirken.

