Infineon setzt auf KI-Nachfrage: Hoffnung auf moderates Wachstum trotz Marktschwächen
Der Chiphersteller Infineon blickt nach einem herausfordernden Geschäftsjahr optimistisch in die Zukunft und erwartet ein moderates Umsatzwachstum. Konzernchef Jochen Hanebeck prognostiziert jedoch, dass das Marktumfeld vorerst ungleichmäßig bleibt. Insbesondere in den Automobil-, Industrie- und Endverbrauchermärkten sind die Wachstumsimpulse weiterhin verhalten. Hanebeck weist darauf hin, dass viele Kunden zurzeit vorsichtig agieren und nur kurzfristig ordern. Darüber hinaus könnten viele Kunden am Jahresende ihre Bestände reduzieren, jedoch auf nicht zukunftsfähigen Niveaus.
Trotz dieser Herausforderungen könnte das Geschäftsumfeld durch den Schub der Künstlichen Intelligenz eine Belebung erfahren. Die Anleger an der Börse scheinen bereits auf diese positivere Entwicklung zu setzen, was sich in einem Kurssprung der Infineon-Aktien um rund acht Prozent auf 36,54 Euro zeigt. Damit hat die Aktie ihr Jahresplus auf fast 17 Prozent ausgebaut, bleibt aber hinter dem Dax zurück, der ein Plus von gut 22 Prozent verzeichnet.
In Hinblick auf die jüngsten Unsicherheiten bei Nexperia, zeigt sich Hanebeck besorgt über das kurzsichtige Bestellverhalten und betont, dass Halbleiter nicht für eine Just-in-time-Produktion geeignet sind. Er empfiehlt allen Beteiligten, Bestände mit Puffer zu halten. Infineon selbst hält Bestände, die für etwa 30 Tage mehr ausreichen als das Unternehmensziel vorsieht, obwohl dies rund eine Milliarde Euro an gebundenem Kapital bedeutet.
Der Konzern setzt im kommenden Geschäftsjahr auf Investitionen in KI-Rechenzentren als neues Wachstumsfeld. Insbesondere die Nachfrage nach Infineons Stromversorgungslösungen dürfte dadurch spürbar steigen. Hanebeck rechnet in diesem Bereich mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, was die ursprüngliche Schätzung von einer Milliarde Euro übertrifft. Langfristig soll der adressierbare Markt für Infineon auf 8 bis 12 Milliarden Euro anwachsen.
Für das neue Geschäftsjahr erwartet Infineon ein moderates Wachstum und prognostiziert eine Segmentergebnismarge im hohen Zehner-Prozentbereich. Analyst Sandeep Deshpande von JPMorgan bewertet diese Prognose als "vage", glaubt jedoch, dass dies darauf abzielt, die Markterwartungen zu regulieren.
Im Vorjahr verzeichnete Infineon einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf etwa 14,7 Milliarden Euro. Besonders das Geschäft mit Halbleitern für erneuerbare Energien und der Bereich Automotive waren betroffen. Auch der schwache Dollar wirkte sich negativ aus. Die operative Profitabilitätskennzahl, die Segmentergebnismarge, sank von 20,8 Prozent auf 17,5 Prozent.
Dennoch erzielte der Halbleiterhersteller unter dem Strich einen Gewinn von gut 1 Milliarde Euro, was einem Rückgang von rund 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hanebeck bewertet das Jahr trotz der widrigen Umstände als "durchaus respektabel". Die Aktionäre können sich auf eine unverändert bleibende Dividende von 35 Cent je Aktie freuen.

