Hochwasserschutz: Berliner Forscher fordern naturnahere Gestaltung von Flüssen
Angesichts des wachsenden Risikos von Hochwasser aufgrund des Klimawandels plädieren Forscher aus Berlin für eine naturnahere Gestaltung von Flüssen. In einer Videoschalte betonte Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin am Dienstag, dass beispielsweise die Rückverlegung von Deichen eine Option darstelle. Dabei handele es sich um eine sogenannte naturbasierte Lösung, die zugleich positive Auswirkungen auf den Naturschutz, wie den Erhalt der Biodiversität, habe.
Einig waren sich die Experten darin, dass technischer Hochwasserschutz nach wie vor seine Berechtigung habe, um Infrastrukturen, Siedlungen und Menschen zu schützen. Allerdings kommen sie zu dem Schluss, dass wir mit den häufigeren und stärkeren Hochwasserereignissen an die Grenzen der technischen Maßnahmen stoßen.
Pusch hob besonders die Bedeutung von Auenflächen als Überschwemmungsgebiete hervor, die jedoch aufgrund von landwirtschaftlicher Nutzung vielerorts verloren gegangen seien. Als positives Beispiel nannte er Holland, das dem Rhein mehr Raum gegeben habe. Im Gegensatz dazu seien in Deutschland bisher weniger Maßnahmen umgesetzt worden, vieles befinde sich noch in der Planungs- und Konzeptionsphase.
Der Klimawandel führe zu längeren Trockenzeiten, aber auch zu stärkeren Hochwässern, so Pusch. Zudem erhöhten sich die Hochwasserstände, da Wetterlagen weniger mobil seien und sich Regengebiete länger an einer Stelle aufhalten. Dadurch würden Deiche weniger sicher und müssten eventuell angehoben werden. Allerdings hätten große Wassermassen auf der begrenzten Fläche des Flussbettes dann nicht ausreichend Platz.
Parallel zu einem verbesserten Hochwasserschutz nannte Expertin Sonja Jähnig weitere Optionen wie die Niederschlagsspeicherung, Dach- und Wandbegrünung, Aufforstung und Gehölzpflanzungen sowie die Renaturierung von Bächen und Flüssen. Diese Maßnahmen könnten nicht nur den Hochwasserschutz unterstützen, sondern auch zu einer besseren Lebensraumqualität und einer erhöhten Biodiversität führen.
Die Forscher fordern, multifunktionale Ökosysteme anzustreben und sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass Flüsse nur Wasser ableiten sollten. Die Implementierung naturnaher Lösungen könne dabei einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der zunehmenden Hochwasserrisiken leisten. (eulerpool-AFX)

