Heikle Weichenstellung: Die Deutsche Bahn und die EVG im Verhandlungsfinale
Im Ringen um einen neuen Tarifvertrag für rund 192.000 Mitarbeitende der Deutschen Bahn steuern die Verhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf eine entscheidende Phase zu. Beide Parteien haben sich bis zum kommenden Sonntag Zeit gegeben, um eine Einigung zu erzielen. Gelingt dies nicht, droht eine Eskalation im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl.
Bereits seit geraumer Zeit stehen die Tarifgespräche auf der Kippe. Warnstreiks wären derzeit noch nicht umsetzbar, da die Friedenspflicht bis Ende März andauert. Ein Misserfolg der Verhandlungen deutet auf komplexe Tariffragen hin und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Arbeitsniederlegungen.
Die Gewerkschaft ist mit Forderungen nach einer Gehaltserhöhung von 7,6 Prozent angetreten, ergänzt um 2,6 Prozent Zusatzgeld speziell für Schichtarbeit. Dieses Modell sieht auch die Option vor, Teile des Zusatzgeldes in freie Tage zu wandeln. Zusätzlich verlangt die EVG eine Jobgarantie bis zum Jahr 2027.
Dem setzt die Deutsche Bahn ein verbessertes Angebot mit einer sukzessiven Erhöhung um 7,9 Prozent für Schichtarbeiter gegenüber. Ein Hinhalten beim Tarifabschluss, besonders vor dem Hintergrund der Bundestagswahl, könnte die Verhandlungsbedingungen erschweren. Die kürzlich anberaumte Sitzung des EVG-Bundesvorstands zeigt, wie angespannt die Situation ist.
Sollten die Gespräche scheitern, stehen Arbeitskampfmaßnahmen im April vermehrt im Raum. Wie EVG-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay klarmachte, sei der Arbeitskampf eine realistische Option. Die vorgezogene Verhandlungsrunde wurde durch die Aussicht auf einen möglichen CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz beschleunigt.
Dessen Pläne zur Trennung von Netz und Betrieb bei der Deutschen Bahn stoßen auf Widerstand der Gewerkschaft.

